Justiz

Täter-Opfer-Treffen ohne nachweisbare Wirkung

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Foto: Chris Liverani/Unsplash

Wenn Opfer von Verbrechen anschließend in begleiteten Sitzungen auf die Täter treffen, hat das keine nachweisbaren Auswirkungen, zeigt eine Untersuchung. Dennoch können Treffen wichtig sein, meint die Forschungsleiterin.

Das dänische Justizministerium wollte wissen, ob es für Opfer von Verbrechen überhaupt Sinn ergibt, sich anschließend in einem sogenannten „Konfliktrat“ mit dem Täter zu treffen. Die beim hausinternen Forschungsbüro in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Schluss: Es gibt keine nachweisbaren Wirkungen solcher treffen, berichtet die Tageszeitung Information.

„Die Untersuchung zeigt, dass wir mit den Möglichkeiten, die wir gehabt haben, keine Belege dafür finden konnten, dass die Opfer, die am Konfliktrat teilgenommen haben, anders gestellt sind als Opfer, die nicht am Konfliktrat teilgenommen haben“, sagt Forschungsleiterin Britta Kyvsgaard.

Die Methode des Forschungsbüros des Justizministeriums: Untersuchen, inwieweit Opfer, die an Konflikträten teilgenommen haben, anschließend weniger Gesundheitsleistungen und Sozialleistungen bezogen haben. Dazu zählt zum Beispiel der Bedarf, mit einem Psychologen zu sprechen, weniger Krankentage oder verschriebene Psychopharmaka.

Kyvsgaard unterstreicht jedoch, dass die Täter-Opfer-Treffen durchaus eine positive Geschichte für die Opfer sein können, selbst wenn dies mit den Methoden der Untersuchung nicht messbar war.

Auch bei den Tätern gibt es keine messbaren Erfolge

Bereits 2016 hatte das Forschungsbüro des Justizministeriums festgestellt, dass Täter, die an Konflikträten teilgenommen haben, anschließend nicht weniger geneigt waren, erneut Straftaten zu begehen, als Täter, die nicht an solchen Sitzungen teilgenommen haben.

Seit 2010 werden Täter-Opfer-Treffen als freiwilliger Zusatz beim Abbüßen von Strafen in Dänemark angeboten. Ein neutraler Mittler steuert den Prozess. Die Absicht dahinter ist es, dem Täter die menschlichen Folgen aufzuzeigen und Verantwortung dem Opfer gegenüber anzunehmen.

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