Kultur

Erster Flensburger Europapreis für Carsten Jensen

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Flensburg
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Carsten Jensen
Carsten Jensen Foto: Finn Frandsen/Ritzau Scanpix

Der dänische Schriftsteller Carsten Jensen („Wir Ertrunkenen“) wird mit dem ersten Europapreis des Hochschulrates der Europa-Universität Flensburg ausgezeichnet. Jensen sei ein engagierter Europäer, der für grenzenüberwindenden Humanismus stehe, heißt es in der Begründung.

Erstmals wird am 17. Mai der Europapreis der Europa-Universität Flensburg (EUF) verliehen – an einen Dänen. Der Schriftsteller Carsten Jensen, der mit seinem Roman „Wir Ertrunkenen“ 2008 international für Aufmerksamkeit sorgte, bekommt mit der Auszeichnung 10.000 Euro Preisgeld, teilt die Hochschule mit.

„Mit der Verleihung des Preises an Carsten Jensen würdigt der Hochschulrat der EUF den grenzenüberwindenden Humanismus in dessen Werk und seine literarische Auseinandersetzung mit den desaströsen Folgen von Nationalismus und Militarismus. Mit seinem Engagement für Toleranz und Dialog ist er aktueller denn je“, heißt es in der Begründung.

Der in Marstal auf Ærø geborene Jensen ist neben seiner Autorentätigkeit Professor für Kulturanalyse an der Süddänischen Universität. In der Presse hat er immer wieder die öffentliche Debatte mit Meinungsbeiträgen mitgestaltet.

Carsten Jensen als Verfechter des europäischen Gedankens ausgezeichnet

Schon in „Wir Ertrunkenen“ stellte er einen starken Bezug zur deutsch-dänischen Grenzregion (und deren kolonialem Erbe) her. In „Rasmussens letzte Reise“ reflektierte er das Verhältnis zwischen Dänemark und Grönland aus Perspektive der Kunst und in seinem jüngsten Roman „Der erste Stein“ nahm er das militärische Engagement des Westens – und Dänemarks – in Afghanistan kritisch unter die Lupe. Jensen hat im März 2017 im Schifffahrtsmuseum Flensburg vor großem Publikum gelesen und ist in der Diskussion als leidenschaftlicher Advokat für die europäische Idee aufgetreten.

Der Preis soll im Rahmen einer feierlichen Festveranstaltung alle zwei Jahre übergeben werden, nun also erstmals im Mai 2018 an Jensen. Gestiftet wird das Preisgeld übrigens von den Mitgliedern des Hochschulrates selbst. Denen stehen eigentlich Aufwandsentschädigungen seitens der Uni zu, auf die sie zugunsten des Preises aber verzichten. Mit der Auszeichnung wollen sie die Internationalisierung der EUF unterstützen und sie an Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, Kultur und Politik vergeben.

Die Kriterien:

  • ein Bezug zu Europa und Schleswig-Holstein sollte gegeben sein
  • wünschenswert wären insbesondere Nominierungen aus dem skandinavischen Raum
  • es sollte ein Bezug zum Leitbild der Universität erkennbar sein

Vorschläge kamen aus den Reihen der Uni und des Hochschulrates selbst. Jensen wurde einstimmig vom Rat gewählt, der sich aus fünf Mitgliedern aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Politik zusammensetzt.

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