Zum Tode von Per Kirkeby

Seine Muse war die Natur

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Per Kirkeby
Per Kirkeby 2002 in seinem Kopenhagener Atelier. Foto: JAN JØRGENSEN/Ritzau Scanpix

Er war Dänemarks bekanntester Gegenwartskünstler und wirkte viele Jahre in Deutschland: Per Kirkeby ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Sein Schaffen hatte eine ganz besondere Quelle. Ein Portrait.

Per Kirkeby ist tot. Sein eigenes Todesurteil als Maler verkündete Kirkeby bereits 2015, als der damals 76-jährige Per Kirkeby mitteilte, sein Schaffen wegen einer Gehirnverletzung nach einem Treppensturz einstellen zu müssen. Am Mittwoch ist der 79-jährige Däne, dessen Kunst in der ganzen Welt gehandelt und ausgestellt wird und dessen Schaffen in unzähligen Filmen und Büchern verewigt ist, gestorben. Im Schlaf, wie die Familie mitteilte.

„Ich galt als dumm“

Kirkeby, der im September 1939 in Kopenhagen als Per Christensen zur Welt kam, war der vielleicht größte Vertreter der skandinavischen Gegenwartskunst. Und weit mehr als ein Maler. Schriftsteller, Architekt, Filmemacher, Grafiker, Bildhauer – Kirkeby besaß unzählige Talente. London, Paris, New York – sein Ausstellungen faszinierten weltweit, seine Werke werden zum Teil für Hunderttausende Euros gehandelt.

„Ich galt als dumm“, so erzählte es Kirkeby in einem Interview 2012 im Gespräch über seine Kindheit. Um diesem Stempel entgegenzuwirken, habe er begonnen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu malen oder zu zeichnen.
Kirkeby studierte zunächst Geologie und promovierte an der Kopenhagener Uni. 1962 wurde er Mitglied der neuen avantgardistischen Künstlergruppe „Den Eksperimenterende Kunstskole“. Er erhielt ein Stipendium, schloss ein Kunststudium ab.

Seine Arbeit als Geologe – er ging er unter anderem während seines Studiums in Grönland auf Expedition – ließ ihn auch als Künstler nie los. Kirkeby nutzte und schätzte sein Leben lang die Natur als gestalterisches, philosophisches und ästhetisches Fundament für seine Kunst. Dem Malen folgten andere Kunstarten auf dem Fuße. Er schuf Bronzeskulpturen, zeichnete, schrieb Bücher, machte Filme. Zusammen mit Bjørn Nørgaard, Paul Gernes und Peter Louis-Jensen gab er der Pop Art ein neues Gesicht.

Lange war Deutschland das Zentrum seiner Kreativität

1978 gelang Kirkeby mit einer eigenen Ausstellung auf der Venedig Biennale der große internationale Durchbruch. Ausstellungen in ganz Europa, den USA und in Skandinavien folgten.
Für Lars Von Triers Film „Breaking the Waves“ schuf Kirkeby 1996 die Kapitelbilder, 1999 kreierte er die Szenografie für das Schwanensee-Ballett in New York.
Von 1978 bis 1989 lehrte Kirkeby als Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe, im Anschluss unterrichtete er elf Jahre lang in Frankfurt.

Auch privat verlief das Leben des Per Kirkebys abwechslungsreich. Er war dreimal verheiratet, zuletzt mit der Autorin Mari Anne Duus Jørgensen, die er 2005 ehelichte. Kirkeby lebte zuletzt in Hellerup nördlich von Kopenhagen, zudem war er zuhause auf Læsø, in Frankfurt sowie im norditalienischen Dorf Arnasco.

Der Schaffensprozess als Schöpfungsakt

Der Schaffensprozess, so Kirkeby vor Jahren im Interview mit dem Hamburger Abendblatt, bedeute andauerndes Leiden an der eigenen Unzulänglichkeit und Langsamkeit. Aber auch jedes Mal das Triumphgefühl, am Ende ein Bild „in einem Rutsch durchgemalt“ zu haben. Dann sei der Maler befreit, bis er das nächste Mal den Pinsel in die Hand nimmt und seine Schöpferkraft von neuem sammelt, um die Erde in ihrem Urzustand zu malen, wie Gott sie geschaffen hat, so Kirkeby.
Nachdem er wegen des Unfalls zuletzt nicht mehr malen konnte, schrieb Kirkeby zuletzt mehrere Kunstbücher, unter anderem über Pablo Picasso und El Greco

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