Schwangerschaftsabbruch

Viele späte Abtreibungen bewilligt

hm/Ritzau
Kopenhagen
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Foto: DPA/Media for Medical

In den vergangenen Jahren wurden 94 Prozent der Anträge um einen späten Schwangerschaftsabbruch bestätigt, berichtet Kristeligt Dagblad. Die herrschende Praxis unterlaufe den Geist der Gesetzes, meint ein Historiker. Die Güte einer Entscheidung lasse sich nicht an Prozentzahlen festmachen, mahnt Hans Grundt vom Sozialdienst Nordschleswig.

Die meisten Frauen, die einen Antrag auf Schwangerschaftsabbruch nach der 12. Schwangerschaftswoche stellen, erhalten die erforderliche Genehmigung für diesen Eingriff. Dies zeigen Zahlen der Schiedsstelle für Schwangerschaftsabbrüche (Abortankenævnet) und der Regionen, in die Kristeligt Dagblad Einsicht hatte.

Insgesamt beantragten von 2012 bis 2017 5.125 Frauen einen solchen späten Schwangerschaftsabbruch. 4.819 dieser Anträge wurden bewilligt.

Neue Untersuchungsmethoden - schwierige soziale Bedingungen

Die hohe Zahl könne einerseits auf neue Untersuchungsmethoden zurückgeführt werden, die es einfacher machen, Missbildungen an Embryos zu erkennen, andererseits auf schwierige soziale Bedingungen, in denen sich die Frauen befinden, so Peter Skovbo, Oberarzt am Aalborger Universitätskrankenhaus. Er ist Mitglied im Abtreibungsgremium (abortsamrådet) der Region. Es gebe darüberhinaus auch eine veränderte Haltung gegenüber dem, was „normal“ und „unnormal“ sei, so Skovbo.

Wird der Geist des Gesetzes unterlaufen?

Laut Kristeligt Dagblad lassen mehr Frauen als früher eine solche spät eine Abtreibung vornehmen. 1998 waren es 612, 2017 896 Frauen. Für den Historiker Lau Sander Esbensen sind die wenigen negativen Bescheide ein Ausdruck dafür, wie wenig ernsthaft über das nachgedacht werde, was ein Schwangerschaftsabbruch bedeute. Man solle sich selbst fragen, ob es im Hinblick auf die große Zahl der Bewilligungen nicht einen „freien Schwangerschaftsabbruch“ in Dänemark gebe. Es gebe eine Bewilligungsprozedur, weil die Gesellschaft der Auffassung sei, eine späte Abtreibung sei ethisch problematisch. Die herrschende Praxis unterlaufe den Geist der Gesetzes, so Lau Sander Esbensen.

Hans Grundt vom Sozialdienst für Nordschleswig mahnt zur Vorsicht. Die Güte einer Entscheidung lasse sich nicht an Prozentzahlen festmachen. Nur weil viele Anträge bewilligt würden, hieße dies nicht automatisch, dass die Entscheidungen des Gremiums unbegündet oder falsch seien. Jeder einzelne Fall verdiene eine genaue Betrachtung.

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