Der Fall Puigdemont

Dänische Polizei wusste, dass Puigdemont im Lande war

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Kopenhagen
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Carles Puigdemont Foto: AFP/Emmanuel Dunand/Ritzau Scanpix

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben die dänische Polizei über den Aufenthalt des katalanischen Politikers in Dänemark informiert. Der Chef der deutschen Gewerkschaft der Polizei wundert sich, weshalb die dänischen Kollegen nicht zugegriffen haben.

Die deutsche Polizei hat am Sonntag die dänische Polizei darüber informiert, dass der katalanische Ex-Präsident Carles Puigdemont angeblich durch Dänemark fuhr, bevor er die Grenze nach Deutschland überquerte. Das hat die Reichspolizei in einer Mail an die Nachrichtenagentur Ritzau mitgeteilt.

Gegen 10 Uhr am Sonntag, 25. März, sei die dänische Reichspolizei konkret von der deutschen Polizei darauf hingewiesen worden, dass Puigdemont auf dem Weg durch Dänemark sein könne.

„Etwa um 10-50 Uhr erhielt die dänische Polizei genauere Angaben von der deutschen Polizei darüber, dass Carles Puigdemont in einem bestimmten Fahrzeug fahren sollte. Etwa gegen 11 Uhr verließ dieses Auto Dänemark“, so Svend Larsen, Direktor bei der Reichspolizei.

„Dadurch war es der dänischen Polizei praktisch unmöglich, Carles Puigdemont festzunehmen, bevor er die Grenze überquerte“, heißt es weiter.

Deutscher Polizeigewerkschafts-Chef kritisiert dänische Polizei

Unterdessen hat sich Ernst Walter, Vorsitzender der zweitgrößten Polizisten-Gewerkschaft Deutschlands, der Deutschen Polizei Gewerkschaft (DPolG), kritisch über das Verhalten der dänischen Kollegen geäußert. Dem Radiosender Bayern 2 sagte er, er könne sich nicht erklären, wieso der Zugriff nicht schon in Dänemark erfolgt sei. Schließlich habe es bei der Umsetzung des Haftbefehles keinen Ermessensspielraum gegeben. „Normalerweise hätte die dänische Polizei im europäischen Verbund genauso arbeiten müssen.“

Die spanische Tageszeitung El Pais hatte zuvor auf ungenannte Quellen im spanischen Geheimdienst verwiesen, denen zufolge der Zugriff in Deutschland erfolgt sei, weil die Polizeizusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien enger sei als die mit Dänemark.

Puigdemont hat derweil keinerlei Pläne, politisches Asyl in Deutschland zu beantragen. Das sagte sein Anwalt, Jaume Alonso-Cuevillas, im katalanischen Rundfunk.

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