Vor May-Besuch

Løkke zweifelt nicht an russischer Verantwortung für Giftanschlag

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Lars Løkke Rasmussen auf dem EU-Gipfel vor Ostern in Brüssel. Foto: Aris Oikonomou, Pool Photo/AP/Ritzau Scanpix

Das offizielle Russland leugnet, etwas mit dem Anschlag auf einen ehemaligen Spion in Großbritannien zu tun zu haben. Dänemarks Regierungschef ist sich dennoch, kurz vor dem Besuch der britischen Premierministerin in Kopenhagen, weiter sicher, dass es die Russen waren, die Sergej Skripal an den Kragen wollten.

Weltweit packen derzeit Diplomaten ihre Koffer, werden abberufen und vor allem ausgewiesen, nachdem ein russischer Ex-Spion und dessen Tochter im März im britischen Salisbury Opfer eines Vergiftungsversuches wurden. Es bestehe gar kein Zweifel daran, dass Russland hinter dem Anschlag stehe, auch wenn das abgestritten wird und bisher keine konkreten Beweise vorliegen, sagt Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre): „Wir halten uns über die Kanäle, die uns zur Verfügung stehen, auf dem Laufenden. Eine andere Erklärung, als dass es sich um Russland handelt, das seine Finger mit im Spiel hat, gibt es nicht.“

Zu diesem Schluss sei er auch auf dem EU-Gipfel vor Ostern mit seinen Kollegen gekommen, so Løkke vor einem Treffen mit Großbritanniens Regierungschefin Theresa May am kommenden Montag. Neben dem Abschied der Briten aus der EU wird das Verhältnis zu Russland zentrales Thema des Treffens werden. Dänemark ist eines der Länder, die aus Solidarität mit Großbritannien russische Diplomaten des Landes verwiesen haben.

Zwei russische Diplomaten mussten Dänemark verlassen. Im Gegenzug verwies Russland zwei dänische Diplomaten des Landes. „Ich weiß, dass Großbritannien sehr zufrieden damit ist, wie Dänemark in diesem Fall agiert hat“, sagt Løkke. Ob auch Dänemark, wie die Briten, die Fußball-WM in Russland im Sommer von politischer und königlicher Seite boykottieren werde, ließ er noch offen. „Darüber haben wir schlicht noch nicht gesprochen. Es ist noch Zeit bis zur WM und wir müssen abwarten, ob Russland seinen Kurs ändert“, meint er.

Forscher: Noch keine „präzise Quelle“

Unterdessen hat ein britisches Forschungslabor noch keine „präzise Quelle“ für das eingesetzte Nervengift herausfinden können, schreibt die dpa. Bislang ist nur der Nachweis gelungen, dass bei dem Attentat Nowitschok oder ähnliche Substanzen verwendet wurden. Das Nervengift Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion hergestellt. London hat daher Moskau als Drahtzieher des Anschlags beschuldigt.

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