Verteidigungswesen

Hjort und Espersen: Heimwehr soll militärischer werden

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Kopenhagen
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Heimwehrsoldaten bei einer Wachaufgabe auf Bornholm. Foto: Pelle Rink/Ritzau Scanpix

Wenn es nach Verteidigungsminister Hjort und dem Heimwehr-Zivilchef Espersen geht, werden Heimwehr-Soldaten bald wie reguläre Soldaten ausgerüstet und stärker als bisher militärisch ausgebildet. Als Grund für ihren Vorstoß nennen die beiden eine verschärfte Bedrohungslage durch Russland. Unterdessen sorgt die Allianz der beiden für Kopfschütteln beim politischen Gegner.

Die Bedrohungslage in der Ostseeregion habe sich durch das Agieren Russlands in den vergangenen Jahren derart zugespitzt, dass Dänemark eine stärkere Heimwehr mit besserem militärischen Training brauche. Das meinen Verteidigungsminister Claus Hjort Frederiksen (Venstre) und der kürzlich unter umstrittenen Umständen zum Zivilchef der Heimwehr ernannte Søren Espersen (Dänische Volkspartei). Das berichtet Jysk Fynske Medier.

„Die Heimwehrausbildung sollte einen militärischeren Zugang haben. Sie sollte mehr als bisher auf regulärem militärischen Training basieren und das Material und die persönliche Ausrüstung sollten dem entsprechen, was richtigen Soldaten zur Verfügung steht“, schreiben die beiden in einer Chronik im „Danmark“-Teil der Tageszeitungen von Jysk Fynske Medier. Die im Januar beschlossene parlamentarische Einigung zur Verteidigungspolitik bis 2023 sieht 400 Millionen Kronen mehr für die Heimwehr vor. Dieses Geld soll für neues Material, Ausbildung und bessere Rekrutierung ausgegeben werden, schreiben die beiden.

Hjort verschaffte Espersen vor politischer Einigung lukrativen Job

Espersen war erst Ende 2017, wenige Wochen vor dem Zustandekommen der verteidigungspolitischen Einigung (forsvarsforliget), zum sogenannten Zivilchef der Heimwehr ernannt worden. Der Einigung hatten neben der Regierung nur Sozialdemokraten und Dänische Volkspartei zugestimmt. Der Job als Zivilchef gilt als einer der lukrativsten Nebenjobs für Politiker in Dänemark und wird mit fast 36.000 Kronen monatlich vergütet. Wie Jyllands-Posten berichtet, hält das von Claus Hjort Frederiksen geführte Verteidigungsministerium die präzisen Umstände der Anstellung Espersens geheim.

Zwar war die Stelle kurzzeitig (14 Tage lang) ausgeschrieben gewesen. Weshalb ausgerechnet Espersen eingestellt wurde, will das Ministerium jedoch ebenso wenig kommentieren, wie die Frage, ob es weitere Kandidaten gegeben habe. Die sozialliberale Radikale Venstre will den Posten, der auch einen von Steuergeldern bezahlten Fahrer samt Limousine mit sich bringt, seit Jahren abschaffen, weil sie ihn für überflüssig hält. Dänemarks ehemaliger Außenminister Martin Lidegaard sagte dazu im Dezember in Jyllands-Posten, die Postenvergabe gleiche einem politischen Spiel, die Aufgabe könne besser vom Verteidigungsministerium selbst übernommen werden.

Verteidigungsminister will auf verstärktes Auslandsengagement vorbereitet sein

Die Heimwehr hat heute 14.000 aktive Mitglieder. Doch die Zahl werde steigen, weil die Heimwehr mit mehr und besserer Ausrüstung attraktiver werde, so Hjort laut Danmark. Wenn Dänemark mehrere Tausend Soldaten außer Landes schicken müsse, „zum Beispiel ins Baltikum“, dann würde die zurückbleibende Bereitschaft mit einer großen Aufgabe betraut, und der Heimwehr würde eine wichtigere Rolle zukommen.

Die Heimwehr ist eine Teilstreitkraft der Dänischen Streitkräfte, die überwiegend aus freiwilligen Reservisten besteht. Sie ist direkt dem Verteidigungsministerium unterstellt und untersteht nur im Krisen- und Verteidigungsfall direkt dem militärischen Kommando. Derzeit übernimmt die Heimwehr unter anderem auch Aufgaben bei den Grenzkontrollen an der dänisch-deutschen Grenze.

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