Fall Puigdemont

Neue Details: So lief die Festnahme von Carles Puigdemont ab

Eckard Gehm, shz.de
Jagel
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Das Autobahnrevier Schuby am Sonntagnachmittag des 25.März – hierhin wurde der katalanische Ex-Seperatisten-Chef Carles Puigdemont nach seiner Festnahme offenbar gebracht. Foto: Karsten Sörensen/shz.de

Das Bundeskriminalamt war über die Route des Separatistenführers genauestens informiert – und schlug kontrolliert zu.

Das Oberlandesgericht in Schleswig hat über den Auslieferungshaftbefehl für Carles Puigdemont entschieden. Unterdessen sind auch Details zur Festnahme des katalanischen Separatistenführers am 25. März bekannt geworden. Sie zeigen: Das Bundeskriminalamt (BKA) war über Puigdemonts Route genau informiert.

Bereits in den frühen Morgenstunden hatte das BKA das Kieler Innenministerium und die Landespolizei informiert, dass Puigdemont nach Deutschland einreisen werde. Als dessen Renault Espace auf der A7 die dänische Grenze passierte, bildeten zivile Wagen des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) einen Kokon um den Renault – unbemerkt von den fünf Insassen.

Als die Beamten sich sicher waren, dass Puigdemont tatsächlich in dem Auto saß, setzte sich ein Streifenwagen des Autobahnreviers Schuby vor das Fahrzeug und schaltete den LED-Schriftzug „Polizei – bitte folgen“ ein.

Um 11.19 Uhr soll der Renault auf einen Pendlerparkplatz hinter der Ausfahrt Jagel gelotst worden sein. Carles Puigdemont wurde zum Autobahnrevier Schuby gebracht. Seine vier Begleiter folgten ihm in dem Renault, wurden dort aber des Geländes verwiesen und parkten ein wenig abseits.

Neue Haftrichterin wurde übergangen

Obwohl die Festnahme im Kreis Schleswig-Flensburg erfolgte, wurde Puigdemont einem Haftrichter in Neumünster vorgeführt. Grund: Die Haftrichterin in Flensburg soll neu im Dienst gewesen sein, das Risiko einer Überforderung mit dem Fall wollte man nicht eingehen.

Woher wussten die deutschen Behörden, wann und wo Puigdemont die Grenze passieren würde?

Zwölf Beamte des spanischen Geheimdienstes und zehn Polizisten einer spanischen Spezialeinheit sollen auf Puigdemont angesetzt gewesen sein. Sie orteten ihn über das Smartphone eines Begleiters, außerdem soll ein Peilsender am Renault befestigt worden sein.

Das Landespolizeiamt bestreitet, dass schleswig-holsteinische Polizisten Puigdemont bereits auf dänischem Gebiet observierten. Allerdings soll ein MEK-Fahrzeug während des Einsatzes in Dänemark gewesen sein – weil die Beamten sich verfahren hatten.

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