Husumer Straße gesperrt

Einsturzgefahr der Bahnbrücke: Flensburg droht Verkehrschaos

shz.de/ Holger Ohlsen
Flensburg
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Foto: Marcus Dewanger/shz.de

Flensburgs Verkehrsknotenpunkt Nummer eins am Neumarkt steht vor drei extrem schweren Monaten.

Sie galt schon länger als Wackelkandidatin, die Eisenbahnbrücke der Husumer Straße über der Hafenbahn. Auf der nach oben begrenzten Skala der Baufälligkeit hatte ihr Zustand von möglichen vier Noten zuletzt eine Besorgnis erregende 3,5 bekommen. Seit Freitag ist sie unbefahrbar und die Stadt steuert an ihrem meistbefahrenen Knotenpunkt sehenden Auges ins Chaos. Mit sofortiger Wirkung wurde die Brücke am Freitag gesperrt.

Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz trat der TBZ-Stab um die Technische Leiterin Barbara Hartten am Freitag mit ernsten, mit sehr ernsten Gesichtern an. „Das wird massive Auswirkungen haben“, prophezeite Hartten. Für drei Monate wird rund um Flensburgs zentralen Verkehrsknotenpunkt der Verkehr stadtauswärts um die Husumer Straße herumgelenkt. Ihr Ausfall zieht die Halbierung der Leistungsfähigkeit weiterer wichtiger Straßen nach sich, die abschnittsweise nur noch ein- statt zweispurig sind wie beispielsweise Munketoft, die untere Schleswiger Straße, die Bahnhofstraße, die Süderhofenden ab Angelburger Straße.

Foto: SHZ-Grafik

Eine Spur wird für Rettungsdienst und Feuerwehr reserviert

Um bei dem abzusehenden Chaos das Funktionieren von Rettungsdienst und Feuerwehr zu gewährleisten, wird deren Fahrzeugen stadtauswärts die zweite Spur der Munketoft reserviert. Hans-Werner Christensen, Chef der Straßenunterhaltung, geht von täglich mindestens 10.000 Fahrzeugen aus, die nicht mehr die Husumer benutzen können und sich zu 30.000 weiteren Autos gesellen, die Tag für Tag in diesem Innenstadtbereich unterwegs sind.

Schuld an der Misere hat die Deutsche Reichsbahn. Sie ließ diese Brücke 1928/29 aus einem Magerbeton bauen, den man auch damals eigentlich nicht hätte verwenden dürfen. Vor anderthalb Jahren rückte die Brücke anlässlich einer der regelmäßigen Untersuchungen in den Blickpunkt. Schließlich wurde ein Ingenieurbüro mit einer Bohrkernerkundung beauftragt – das Ergebnis erlaubte kein Zögern, so Christensen. Diese Brücke war zu sperren. „Sofort, unverzüglich“, wie Stadtsprecher Clemens Teschendorf trocken bemerkte.

Ungewohnte himmlische Ruhe für Anwohner

Bis in den Hochsommer haben die Anwohner der Ausfallstraße himmlische Ruhe. Unter der Brücke – sie ist für Radfahrer und Fußgänger frei – entsteht ein stützendes Provisorium, das erst fünf Jahre später durch Sanierung/Neubau beendet werden soll. Bis dahin, hofft Hartten, herrscht auch Klarheit über die gerade wieder diskutierte Wiederbelebung der Hafenbahn. Zu den Kosten gibt es keine Angaben – aber die Peelwattbrücke musste vor rund acht Jahren für eine Million Euro saniert werden. „Und das ist eine Fahrradbrücke!“ warnt Tiefbau-Chefin Sabine Leposa. Und es ticken weitere Zeitbomben. Nur wenige Meter südöstlich kreuzt die Schleswiger Straße die Hafenbahn. Die Brücke von 1956 wird mit drei benotet. Noch.

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