Kardels Tagebuch: 1914-1918

Einträge von März 1918

Harboe Kardel
Frankreich
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Kardels Tochter Elsbeth Kardel Knutz hat unserer Zeitung die eigenhändig abgetippten Tagebücher zur Verfügung gestellt, sodass Der Nordschleswiger bis zum Ende der Aufzeichnungen bis 2018 Kardels Tagebucheintragungen abdrucken kann. Die Einträge sind immer am 1. eines Monats 100 Jahre später abrufbar.

3. März 1918.

Am 27. Und 28. Febr. war ich Batterie-Offizier. Wir schossen uns mit dem Messtrupp auf 2 Gas ziele ein.

Am 1.3. wurde ich A.V.O. bei II/163. Jetzt war Lt. LöpthienOrdonnanz-Offizier. Geärgert habe ich mich gestern über den Unteroffizier auf „Ilseburg“. Seine Meldung kam erst um 10.40 statt um 8 Uhr. Beobachtet hatte er nichts, bei der sehr guten Sicht.

Den Minen-Werfer, der schoss, hat er nicht bekämpft. Ich habe ihn heute Morgen meine Meinung gesagt.

Auf der „Hohenzollern-Strasse“ bekam ich M.G.-Feuer. Wir verkrochen und in einem Granatrichter, bis die Lümmel das Schießen einstellten.

Wir haben Frieden mit Rumänien.—Hurra!

4. März 1918.

Eben kam scheinbar „Tommys“ Antwort auf unser Unternehmen „Mars“.

Im Abschnitt „1“ war weiter nichts los. Die Hauptsache scheint weiter links gewesen zu sein.

Nun ist es 3 Uhr nachts. Eben hab`ich eine Meldung an die Gruppe geschrieben. Die Telefonfritzen werde ich morgen schön aufschwänzen. Warum müssen die Leitungen

dann immer gerade gestört sein, wenn was los ist?

11. März 1918.

Nun ist diese Ruheperiode zu Ende.

5-10 März! Viel Bewegung, Kurse, Kriegsspiele und Vorführungen.

Gätgens ist leiderzur 4. Batterie versetzt. Mit einer Bowle wurde er weggefeiert.

--Gefreiter Voss und Luchtsind gefallen.

12. März 1918.

Ich bin in der Stellung. Noch ist`s ruhig. Barbier Dust–verwundet-. Es wird in diesen 3 Tagen allerhand zu tun geben.

Ich bin wieder furchtbar erkältet: Schnupfen, Husten und ein rauer Hals plagen mich. Dazu kommt das andauernde geschieße, und das Zusammensein mit dem nervösen Chef. Es ist grässlich. Ich sitze zwar draußen vor unserm Unterstand im Frühlingssonnenschein. Aber nur traurige Verwüstung sieht mein Auge. Ach, wie lange noch? Wann wird dieser beschissener Krieg endlich aufhören?

Das er unseren Rudi unter die Erde gebracht hat, ist zu traurig. Es ist zum Verzweifeln!

15. März 1918.

Gestern Morgen prüfte ich von „Hohenzollern“ aus das Sperrfeuer. Telefon-Verbindung war natürlich nicht da. Um 9 Uhr kamen die bestellten Schüsse. „Adolf“ schoss viel zu kurz. Wie ich eben hörte, war der Aufsatz verbogen.

Vorne war ein furchtbarer Dreck, denn auf dem Hinweg regnete es in Strömen.

Als ich zurückging, kam Isenburg mit dem Doktorwagen mir entgegen.

Gestern Abend war Gätgens bei uns. Wir spielten Skat und tranken Glühwein bis 12 Uhr 30, das war zu lange.

18. März 1918.

Jetzt werde ich als A.V.O. für die „Fuchsjagd“ bestimmt.

Vom Vortrag bei Haupt. Waltfriedmusste ich mich gleich zum Regiments-Stabs-Quartier 163 begeben. Dort wusste zunächst keiner, was ich eigentlich sollte.

Das erfuhr ich erst, als ich am Nachmittag zu meinem Regiments-Stab ritt. Abends war ich mit Gätgensin der „Mütze“.

Das Wetter war herrlich, wie auch heute. Der Frühling kommt. Und doch kann man sich seiner nicht restlos freuen.

19.März 1918.

Die „Fuchsjagd“ fällt aus, und ich werde am 22. A.V.O. Dann habe ich noch einige Ruhetage mit Lt. Schuster vor mir. Darüber freue ich mich.

Als ich gestern hier einen vollbeladenen Zug mit fahrbaren Brücken sah, wurde ich ganz offensiv gestimmt.

22. März 1918.

Am 21. März sagte Generalmajor v. Mutius, der unserm Unterricht beiwohnte, dass die deutsche Offensive begonnen habe. Diese Nachricht gab uns neuen Mut und neue Hoffnung.

Seit heute Morgen bin ich A.V.O. bei I.R. -163-, Batl.Kommandeur- ein Kunstmaler-

aus Worpswede, Major Weede.

Über die nichtfunktionierende Telefonverbindung kann man sich den ganzen Tag ärgern. Die Soldaten sind alle so furchtbar gleichgültig.

25. März 1918.

Am 23. März wurde ich plötzlich von Bruseabgelöst und fuhr mit Lt. Schusternach Kortrijkzum Vortrag über Batteriepläne. Es wurde wieder spät.

Palm-Sonntag war der schönste all dieser Herrlichen Frühlingstage.Gätgensund ich sprachen ein niedliches Mädel aus Aachen an.

Herrliche Siegesnachrichten kamen vom Angriff. Überall sah man fröhliche Gesichter, an vielen Stellen spielte die Musik lustige Weisen.

Am Abend feierten wir die 70-jährige Wiederkehr der Erhebung Schleswig-Holsteins. Wir tranken Maibowle. Es herrschte eine Allgemeine Fidulität.

Jetzt bin ich A.V.O. bei -I/76-, Hauptmann Eggersund Lt. Tietz.

29. März 1918.

Bis heute Morgen bliebe ich dort. Auf „Nürnberg“und„Juliusturm“,wo ich den Lt. Ritter kennen und schätzen lernte, konnte ich mich gut orientieren. Besonders freute es mich, als unser Störungsfeuer auf Höhe 59 so gut klappte.

Nur zuweilen ärgerte es mich, dass die Fernsprecher auf der Untergruppe nicht aufpassten. Das Essen war brillant. Hptm. Eggersund Lt. Tietz, beides Hamburger, waren angenehme Gesellschafter. Die Offensive verfolgten wir mit großem Interesse.

Nicht vergessen möchte ich Major Paulus, der uns besuchte. Er war ein echter Kriegsknecht, der einen guten Schnaps, eine echte Havanna und lustige Kameraden liebte. Im schimpfenübertraf er noch Major Ritter!

Nun bin ich in der Batteriestellung feindwärts Tenbrielen .

31. März 1918. Ostersonntag.

Ich bin durch Lt. Karpinskyabgelöst. Vor einem Jahr kam ich aus den Linien von Arras zurück. Gott sei Dank, für seinen gnädigen Schutz.

Was ist Ostern in der Fremde? Kein Fest. Ein Tag wie alle andern.

Ich gehe nicht mit Lt. Schuster in die „Mütze“, sondern bleibe zu Hause. Meine Gedanken wandern zu der lieben Mutter und den Geschwistern. Gott segne Euch!

Ihr habt`s nicht leicht. Er helfe Euch, Eure Last tragen.

Welchen Erfolg wird uns Ludendorffheute melden? Ich hoffe, dass Amiens bald in unserer Hand ist.

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