Dänemark kompakt am Donnerstag

Der Nachrichtenüberblick aus Dänemark

DN
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Elaine Thompson/AP/Ritzau Scanpix

Schwedische Kontrollen, türkische Schiffe aus Flensburg unter dänischer Flagge und Nervenkrieg bei den Tarifverhandlungen: Wissen, was in Dänemark läuft – die wichtigsten Nachrichten des Tages kompakt im Überblick.

18,6 Millionen Kronen für Klimaforschung in der Arktis

Dänemark unterstützt Langzeit-Klimaforschungen in der Arktis mit 18,6 Millionen Kronen. Neues Wissen über Grönlands Inlandeis und die Ökosysteme in der Arktis seien wichtig, um die Folgen der Klimaveränderung einschätzen zu können, meint der dänische Klimaminister.

Buntes Programm zum Kronprinzen-Geburtstag

Der dänische Kronprinz Frederik wird am 26. Mai seinen 50-jährigen Geburtstag feiern. Das Königshaus hat am Donnerstag das Programm für die bevorstehenden Feierlichkeiten veröffentlicht.

Bevor er sich an seinem Geburtstag gegen Mittag auf dem Balkon seines Wohnsitzes auf Amalienborg zeigen wird, muss er sich erst einmal die Laufschuhe schnüren. In insgesamt fünf Städten wird er die 1,6 Kilometerstrecke beim Royal Run mitlaufen. Darauf folgt die Eröffnung eines neuen Universitätszentrums der Uni Aarhus. Die Geburtstagswoche wird mit der Show „Hele Danmark fejrer Kronprinsen“ (Ganz Dänemark feiert den Kronprinz) in der Royal-Arena in Kopenhagen abgerundet.

Amazon-Tochter eröffnet Büro in Kopenhagen

Der Internetgigant Amazon aus Seattle eröffnet ein neues Büro in Kopenhagen. Die Tochtergesellschaft Amazon Web Services (AWS) wird ins Codan-Gebäude am Sankt Jørgens See einziehen. AWS bietet Speicherplatz auf den Amazon-Servern für Großkunden wie Spotify, Netflix, Philips oder auch den US-Nachrichtendienst CIA an. Dänemark sei ein äußerst interessanter Standort für AWS, so deren Nordeuropa-Chef Guido Bartels in einer Pressemitteilung. Zu den dänischen Kunden gehören Mærsk Oil und Ørsted (ehemals Dong). Außenminister Anders Samuelsen (LA) begrüßte die Eröffnung als Stärkung des Investitionsstandortes Dänemarks. Zuvor war darüber spekuliert worden, ob Amazon möglicherweise einen dänischen Webshop eröffnen würde. Bisher führt die Webseite amazon.dk zum britischen Webshop, wenngleich der Versand aus dem deutschen Shop vielfach kostenlos ist.

Løkke verurteilt Angriff in Syrien und lehnt dänischen Beitrag ab

Aufgrund eines mutmaßlichen Giftgasangriffes in Syrien denkt US-Präsident Donald Trump über einen militärischen Gegenschlag in Syrien nach. Bei einer Pressekonferenz in Berlin, wo der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) momentan zu Besuch ist, erklärte dieser, dass Dänemark sich an einem solchen Angriff nicht beteiligen werde.

„Ich sehen nicht, dass Dänemark sich hier mit Soldaten beteiligen muss”, so der Regierungschef, der zugleich den möglichen Giftgasangriff verurteilte.

3F stimmt für Fusion der Gewerkschaftsbünde LO und FTF

Dänemarks größte Einzelgewerkschaft 3F steht der Fusion der Gewerkschaftsbünde LO und FTF nicht im Wege. Bei einer Gegenstimme und 81 Stimmen dafür wurde die Fusion am Donnerstag vom Hauptvorstand begrüßt. „Ein riesengroßer Sieg für uns und unsere 300.000 Mitglieder“, sagt 3F-Chef Per Christensen. Am Freitag wird in Odense endgültig über die Fusion entschieden. Dort halten LO und FTF jeweils ihren Jahreskongress ab. Rund eine Million Mitglieder gehören den LO-Gewerkschaften an, bei den FTF-Gewerkschaften sind es rund 450.000. Seit 2015 wird an der Fusion gearbeitet.

3F Hauptsitz in Kopenhagen. Foto: Torben Åndahl/Ritzau Scanpix

Schweden will Grenzkontrollen um sechs weitere Monate verlängern

Wöchentlich halten schwedische Beamten 150 bis 200 Personen von der Einreise nach Schweden ab. Die Regierung in Stockholm will deshalb die Kontrollen am Öresund aufrechterhalten, schreibt Sveriges Radio. Ursprünglich war ein Ende für den 11. Mai vorgesehen. Neben den Reisenden aus Dänemark werden auch die Fähren aus Deutschland kontrolliert. Auch Dänemark will seine am 12. Mai auslaufenden Kontrollen verlängern. Das sagte Integrationsministerin Støjberg bereits Anfang März in Brüssel.

Søren Pape Poulsen
Søren Pape Poulsen Foto: Scanpix

Pape will Menschenrechte reformieren

Auf einer Konferenz des Europarates wirbt der dänische Justizminister dafür, die Befugnisse des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu beschneiden. Unterstützung erhält er dafür von türkischer und russischer Seite. „Es ist wichtig, dass wir ein fokussiertes und effektiveres Menschenrechtssystem bekommen, bei dem der Gerichtshof nicht ständig über Fragen auf der ganzen Welt entscheidet“, so der Minister zur Nachrichtenagentur Ritzau. Die Einheitsliste wirft der dänischen Regierung unterdessen vor, ihren Vorsitz im Europarat dafür auszunutzen, die Menschenrechte zu schwächen – und dies in einer Zeit, in der diese in Ländern wie Russland, der Türkei und Ungarn stark unter Druck stehen.

17-Jähriger muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 17-Jährigen aus Næstved erhoben. Er muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Dem 17-Jährigen wird vorgeworfen, im vergangenen Februar die synthetische Droge MDMA an einen 15-Jährigen verkauft zu haben. Der 15-Jährige verstarb aufgrund innerer Verletzungen, berichtet der TV-Sender TV Øst.

Weil in Dänemark unter 18-Jährige nicht inhaftiert werden, sitzt der 17-jährige Angeklagte seit Februar in einer geschlossenen Abteilung des dänischen Jugendamtes (Socialforsorgen).

Mit Porsche auf Skipiste stecken geblieben

Die Skipiste in Hedeland auf Seeland ist schon eine Flachland-Rarität an sich. Am Donnerstag geriet der Hügel auf Seeland nun aber wegen einer spektakulär geistlosen Aktion in die Schlagzeilen – eine Missglückte Abfahrt mit Porsche.

Dänischem Staatsbürger droht Todesstrafe in Nigeria

Einem 53-jähriger Dänen wird vorgeworfen, in Lagos seine Ehefrau und seine Tochter getötet zu haben, berichtet die Zeitung The Guardian aus Nigeria. Die Morde geschahen am 5. Mai in der afrikanischen Millionenmetropole. Die Polizei verhaftete den Mann kurz nach der Tat. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, den Kopf seiner Frau mehrere Male gegen eine Wand geschlagen zu haben, sodass sie zu Tode kam. Laut Staatsanwalt lag der Mann oft im Streit mit seiner Frau. Nach dem Mord an seiner Frau soll der mutmaßliche Täter seine Tochter vergiftet haben. Um beide Taten zu vertuschen, hat dieser nach Ansicht des Staatsanwalts die beiden Opfer vor einen Gashahn gelegt, um den Tod durch Ersticken vorzutäuschen.

Der Angeklagte bestreitet die Tat, das Gericht ordnete Untersuchungshaft an. Dem Dänen droht die Todesstrafe.

Experte: Sonnabend entscheidend um Konflikt zu umgehen

Die Tarifverhandlungen zwischen den Kommunen und ihren Angestellten am Mittwoch waren ergebnislos. Entscheidend werden die Verhandlungen der Staatsangestellten am kommenden Sonnabend sein, meint ein Professor.

Doppelmord auf Langeland: Lebenslänglich in zweiter Instanz bestätigt

Das Östliche Landgericht hat am Donnerstag das Urteil des Svendborger Gerichts aus erster Instanz bestätigt: Der 27-jährige Alexander Jensen muss lebenslänglich dafür hinter Gitter, dass er vor zwei Jahren seine hochschwangere Exfreundin und dessen neuen Lebensgefährten umgebracht hat. Jensen sollte am 17. April 2016 seine fünfjährige Tochter bei deren Mutter abgeben, als er sie und ihren Partner aus nächster Nähe mit einem abgesägten Jagdgewehr erschoss. Zuvor hatte er die beiden (23 und 35 Jahre alt) mit dem Auto angefahren. Jensen hatte die Tat gestanden, allerdings behauptet, sie sei nicht geplant gewesen. Dem widersprachen die Richter in erster wie in zweiter Instanz.

Foto: Brian Bergmann/Ritzau Scanpix

DFDS kauft türkische Reederei

Die dänische Reederei DFDS expandiert in Richtung Mittelmeer. Das Unternehmen hat am Donnerstag die türkische Frachtreederei „U.N. Ro-Ro“ für sieben Milliarden Kronen gekauft. Diese betreibt fünf Frachtrouten im Mittelmeer zwischen der Türkei und der EU – vier nach Italien und eine nach Frankreich. U.N. Ro-Ro beschäftigt 500 Angestellte und betreibt zwölf Frachtschiffe, die laut DFDS alle in Flensburg gebaut wurden.

Tarifverhandlungen weiter ergebnislos

Die kommunalen Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sind erneut ergebnislos geblieben. 14 Stunden hatten die Vertreter am Mittwoch bis Mitternacht zusammengesessen. Laut Unterhändler Anders Bondo Christensen, Vorsitzender des dänischen Lehrerverbandes, sei erst ein Durchbruch im staatlichen Bereich nötig, bevor eine Fortsetzung Sinn ergebe. Er bezeichnet die derzeitige Situation als „ermüdend“. Der Vorsitzende der Gewerkschaft FOA sagte, dass man nach den 14 Stunden am gleichen Punkt stand, an dem man am Morgen begonnen hatte. Im regionalen Bereich werden die Verhandlungen am Donnerstag um 14 Uhr fortgesetzt, im staatlichen am Sonnabend und auf kommunaler Ebene am Sonntag.

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