Kompakt am Mittwoch

Der Nachrichtenüberblick aus Dänemark

DN
Kopenhagen
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Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Drei neue Minister vereidigt, Eva Kjer Hansen will gegen ihre Überzeugung stimmen und Dänemark lässt weiter umstrittenes Pestizid zu: Wissen, was in Dänemark läuft – die wichtigsten Nachrichten des Tages im Überblick.

Eva Kjer ändert ihre Meinung zum Burkaverbot: „Ich folge der Regierungslinie“

In der Vergangenheit hat sich die neue Gleichstellungsministerin Eva Kjer Hansen klar zum geplanten Vermummungsverbot geäußert: Es stehe im Gegensatz zu allen grundlegenden liberalen Werten und sie werde dagegen Stimmen. Nach ihrer erneuten Ernennung zur Ministerin hat sich diese Meinung allerdings geändert. Am Mittwoch gab sie bekannt, dass sie der Regierungslinie folgen und für ein Verbot stimmen wird, das unter anderem muslimischen Frauen untersagt, in der Öffentlichkeit ihre Verschleierungen in Form von Burkas und Niqabs zu tragen. „Wie ich früher gesagt habe, bin ich gegen ein Burkaverbot, aber ich bin bereit, meine Meinung zu ändern, nachdem ich nun Teil der Regierung bin“, so Kjer Hansen zur Nachrichtenagentur Ritzau. Sie betont allerdings, dass dies keine Forderung von Regierungschef Lars Løkke Rasmussen gewesen sei, als dieser ihr den neuen Ministerposten anbot.

Kommunen haben Aufnahmeklassen abgeschafft – zum Leidwesen der Lehrer

Zahlreiche Flüchtlingskinder müssen ohne jegliche Dänischkenntnisse dem Volksschulunterricht folgen, weil die Aufnahmeklassen vielerorts abgeschafft wurden. Das berichtet DR Sjælland. Der Sender begleitete die zehnjährige Hiba aus Syrien in die Nyrupschule in Kalundborg. Dort wurde sie nach dreimonatigem Aufenthalt in Dänemark eingeschult. Ohne Dänisch sprechen oder verstehen zu können. Laut Folkeskolen.dk haben 2016 ganze 23 (der insgesamt 98) Kommunen in Dänemark die Aufnahmeklassen ganz oder teilweise abgeschafft. Vor allem Schüler unter 14 Jahren werden seither in ganz gewöhnliche Klassen gesteckt – ohne Rücksicht auf ihre Fähigkeiten.

Pind mahnt zum Abschied

Nach 17 Monaten als Ausbildungs- und Forschungsminister hat Søren Pind von der rechtsliberalen Venstre am Mittwoch die Politik verlassen. Es sei ein wehmütiger Abschied, für den es jedoch Zeit gewesen sei, sagte Pind bei der Übergabe des Ministeriums an Tommy Ahlers. Der Liberale verlässt die dänische Politik mit einer letzten Warnung: „Wir dürfen die jungen Menschen nicht als Produktionsapparate sehen, die sich selbst zur Verfügung stellen sollen, um den Wohlfahrtsstaat zu finanzieren.“

Regierungschef präsentiert drei neue Minister

Nach den Rücktritten dreier Minister hat der dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen um 11 Uhr die Nachfolger vorgestellt. Das Umwelt- und Lebensmittelministerium, bis jetzt von Esben Lunde Larsen geführt, übernimmt Jakob Ellemann-Jensen. Tommy Ahlers wird neuer Ausbildungs- und Forschungsminister. Statt Karen Ellemann wird die Apenraderin Eva Kjer Hansen das Ministerium für Fischerei, nordische Zusammenarbeit und Gleichstellung führen.

Trotz EU-Verbots: Einsatz von Pestiziden in Dänemark weiterhin möglich

Die Mitgliedsstaaten der EU haben am vergangenen Freitag mehrheitlich beschlossen, Pestizide zu verbieten, die Bienen schaden. Doch trotz Verbots können die Gifte noch genutzt werden, berichtet der Sender 24syv. Das Umweltministerium kann Ausnahmegenehmigungen für die sogenannten Neonikotinoide erteilen – dem Fachblatt Ingeniøren zufolge dann, wenn das Ministerium der Auffassung ist, das Gift sei die einzig verbleibende Möglichkeit zum Schutz.

Schuldspruch: Obdachloser in Kopenhagen geprügelt und ertränkt

Zwei Männer im Alter von 21 und 22 Jahren sind am Kopenhagener Stadtgericht schuldig gesprochen worden, einen 47-jährigen Schweden im April 2017 zu Tode geprügelt zu haben. Der Obdachlose erlitt durch die Tritte und Schläge einen Rippenbruch und eine Hirnblutung. Die jungen Männer rammten zudem einen Zweig mit Dornen etwa 15 Zentimeter tief in den Enddarm des Schweden. Anschließend warfen die Täter den Mann in einen Bach, wo er ertrank. Auch einen Freund des Mannes, ebenfalls Schwede, warfen die beiden in den Bach, dieser überlebte jedoch. Staatsanwalt Anders Larsson fordert acht Jahre Haft ohne Bewährung für die beiden Täter. Die leugnen, die beiden misshandelt zu haben und sprechen von einer „gewöhnlichen Schlägerei“. Einen der beiden Schweden hätten sie dabei erwischt, in eine Schrebergartenlaube einzubrechen. Die Männer seien selbst ins Wasser gestürzt.

Immobilienpreise steigen weiter

In Dänemark sind die Preise von Einfamilienhäusern und Wohnungen im Februar weiter gestiegen – um 0,5 Prozent, wie neue Zahlen von Danmarks Statistik zeigen. Laut der Behörde stieg der Preis für Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr um 7 Prozent, der von Einfamilienhäusern um 4,6 Prozent. Diese Entwicklung weckt Besorgnis bei Sydbank-Mitarbeiter Søren Kristensen: „Wir können nicht dabei zusehen, wie die Immobilienpreise sehr viel schneller wachsen, als wir es in anderen Wirtschaftsteilen beobachten. So schaffen wir eine Immobilienblase.“ Kristensen geht aber davon aus, dass die Immobilienpreise in den großen Städten und deren Außenbezirken ihren Höhenflug zukünftig verlangsamen, und sie sich der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen.

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