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Miete verfünffacht: Stadt Flensburg hilft der Niederdeutschen Bühne

Joachim Pohl, shz.de
Flensburg
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Niederdeutsche Bühne Flensburg
Foto: Marcus Dewanger/shz.de

Der neue Besitzer des NDB-Gebäudes will mehr Geld. Bekommt er auch: Der Kulturausschuss gibt weitere 60.000 Euro frei.

Die Stadt Flensburg wird die Niederdeutsche Bühne in Zukunft deutlich stärker finanziell unterstützen als bisher. Der Kulturausschuss hat mehrheitlich beschlossen, den jährlichen Zuschuss um 60.000 Euro auf dann 228.000 Euro zu erhöhen. Anlass ist ein Vermieterwechsel bei der NDB: Der neue Besitzer der Immobilie wird die Miete nahezu verfünffachen.

Der Gebäudekomplex gehörte bisher der Innungskrankenkasse, die der NDB den Gebäudeteil Augustastraße 20 jahrzehntelang weit unter Marktwert überlassen hat. Der neue Besitzer ist eine dänische Investorengesellschaft, und die erwartet selbstverständlich Rendite und sieht sich nicht als Förderin der niederdeutschen Kultur in Flensburg.

Tickets werden teurer

Die Zuschusserhöhung hat weitere Auswirkungen. Vermutlich wird die NDB nach dem Umbau des Gebäudes an der Augustastraße seltener oder gar nicht mehr im Stadttheater zu Gast sein. Geplant ist nach Informationen der Stadt der Bau eines Theatersaales mit 200 Plätzen im ersten Stock des Hauses. Es blieb offen, ob die NDB diesen Umbau aus eigenen Rücklagen oder ob ihn der neue Eigentümer finanzieren wird.

Gabriele Stappert, Vorsitzende des Kulturausschusses: „Die Defizite der letzten Jahre gingen immer zu Lasten der Rücklagen der NDB. Sie verdient unsere Unterstützung.“

Die Zuschusserhöhung ist nicht unumstritten. Den Antrag auf die Erhöhung reichten CDU, SSW, FDP und WiF ein. SPD und Grüne hingegen sahen bei einer so starken Erhöhung des Zuschusses eine Schieflage in der Flensburger Kulturförderung und wollten nur 30.000 Euro genehmigen.

Mit dem gefassten Beschluss, der im April noch vom Rat bestätigt werden muss, gehen weitere Maßnahmen einher. So soll die NDB die Ticketpreise um einen Euro erhöhen. Das werde aber nicht zu Mehreinnahmen von 30.000 Euro führen, wie Pelle Hansen (Grüne) auf Basis aktueller Zuschauerzahlen argumentierte. Erstens gebe es sehr günstige Tickets, die nicht um einen Euro teurer werden würden, und zweitens habe die NDB nicht in jedem Jahr 30.000 Besucher. Auf der Website ist von 24.000 die Rede.

Linke spielt Land den Ball zu

Die Ausschussvorsitzende Gabriele Stappert wies darauf hin, dass die NDB Flensburg das bedeutendste niederdeutsche Theater des Landes und zudem das einzige professionell geführte sei. Nach einigen defizitären Jahren habe es jetzt die Unterstützung der Stadt verdient.

Für die Gegenseite vertrat Pelle Hansen die Position, dass die Kommune nicht einen Totalumbau des Theaters finanzieren dürfe. Man solle „mit Augenmaß“ schauen, was die NDB wirklich benötige und dürfe auf keinen Fall die übrige freie Kultur der Stadt aus dem Auge verlieren; da drehe man jeden Euro um, bevor man ihn genehmige, so Hansen.

Henning Nielsen (Die Linke) sprach sich gegen den Zwang einer Ticketpreiserhöhung aus, weil damit die Hürde eines Besuches erhöht werde. Er erinnerte daran, dass das Land in der Pflicht sei, die niederdeutsche Kultur zu fördern.

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