Leitartikel

Bessere Balance – davon aber nur wenig in Nordschleswig

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Scanpix

Der südliche Landesteil bekam bei der zweiten Auslagerungsrunde von staatlichen Behörden in die Provinz nur 20 neue Arbeitsplätze. Aber auch wenn Nordschleswig zu den Verlierern der zweiten Auslagerungsrunde gehört: Für die Provinz sind die fast 6.000 Arbeitsplätze aus den beiden Runden wichtig, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Erwartungen in Nordschleswig waren groß – doch das Ergebnis Mittwochmittag eher mau: Der südliche Landesteil bekam bei der zweiten Auslagerungsrunde von staatlichen Behörden in die Provinz nur 20 neue Arbeitsplätze. Die landen in Augustenburg – herzlichen Glückwunsch, Sonderburg.

Zwar wurde auch die Verlagerung der Steuerarbeitsplätze konkretisiert – 83 nach Tondern und 80 nach Hadersleben – doch so wirklich freuen kann man sich über das Ergebnis in Nordschleswig nicht, denn auch von den neuen Ausbildungsplätzen landeten keine im Landesteil.

Vejle, Kolding, Esbjerg gingen ebenfalls mehr oder weniger leer aus, sodass am Ende nur 75 neue Arbeitsplätze in Südjütland und Nordschleswig platziert werden. Eine dritte Runde wird es in dieser Regierungszeit von Staatsminister Lars Løkke Rasmussen nicht mehr geben, und daher kann die Region nur darauf hoffen, dass man bei der kommenden politischen Militärabsprache von den 500 bis 1.000 Arbeitsplätzen einige abbekommt.

Aber auch wenn Nordschleswig zu den Verlierern der zweiten Auslagerungsrunde gehört: Für die Provinz sind die fast 6.000 Arbeitsplätze aus den beiden Runden wichtig. Zum einen, weil außerhalb Kopenhagens attraktive Arbeitsplätze geschaffen werden. Zum anderen, weil die Botschaft der Regierung der Provinz zu einem neuen Image verhelfen kann: Dass es natürlich auch außerhalb der Hauptstadt Möglichkeiten gibt – für spannende Jobs und ein gutes Leben.

Nur 23 Prozent der Mitarbeiter sind bei der ersten Auslagerungsrunde mit in die Provinz gezogen oder pendeln zu ihrem neuen Arbeitsort. Um die 3.000 Arbeitsplätze sind also vor Ort besetzt worden. Eine gute Gelegenheit also für die Bevölkerung in der Provinz, attraktive Arbeit zu finden.

Übrigens: Es mag sein, dass es vorerst keine dritte Auslagerungsrunde gibt, aber zu sicher sollten sich die staatlichen Behörden und Mitarbeiter in Kopenhagen nicht wissen. Wer an der Spitze einer Behörde agiert, sollte sich daher vielleicht schon jetzt darüber Gedanken machen, wie Abteilungen oder Vertretungen in die Provinz verlagert werden können. Vielleicht zwingt das politische Signal zu einem (fast) freiwilligen Umdenken, dass eben nicht alles von Kopenhagen aus geregelt werden muss.

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