Leitartikel

Gelungener Kraftakt

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Loránt Vincze und Mette Bock
FUEN-Chef Loránt Vincze und Dänemarks Kulturministerin Mette Bock (Archivbild). Foto: Cornelius von Tiedemann

Wer weiß, meint Chefredakteur Gwyn Nissen, vielleicht sind wir im deutsch-dänischen Grenzland auch irgendwann auf das angewiesen, was dank der Minority SafePack-Initiative jetzt erreicht werden kann: Die Anerkennung der Minderheitenrechte auf EU-Ebene. Der Erfolg der Unterschriftensammlung in Dänemark sei wichtig gewesen, weil die deutsche Minderheit so Solidarität mit Minderheiten in Europa gezeigt und sich innenpolitisch den Rücken gestärkt habe.

Es war ein Kraftakt: Eine Million Unterschriften sammeln für bessere Verhältnisse für Minderheiten in Europa. Vor einem halben Jahr sah es noch hoffnungslos aus, doch mit einem fulminanten Endspurt in den letzten Monaten wurde die Millionen-Marke geknackt.
Glückwunsch an die Föderation nationaler Minderheiten in Europa (FUEN) und dessen Präsidenten Loránt Vincze sowie dem Vorgänger Hans Heinrich Hansen. Der nordschleswigsche Ehrenpräsident initiierte seinerzeit die Unterschrifteninitiative mit und zog sogar vor den Europäischen Gerichtshof, um sie überhaupt durchführen zu können.

Der Glückwunsch gilt aber vor allem dir und mir und allen anderen, die sich in Europa einer Minderheit zugehörig fühlen. Denn die Bürgerinitiative hat erreicht, dass sich die EU jetzt mit Minderheitenrechten befassen muss. Es geht um Sprache, um Kultur und Bildung, Regionalpolitik, Gleichheit und mehr Rechte für die Minderheiten.
Im deutsch-dänischen Grenzland können die Minderheiten hinter vielen Forderungen bereits ein kleines Häkchen setzen, doch Minderheiten in ganz Europa müssen ständig für ihre Rechte kämpfen. Und wer weiß, ob die Verhältnisse in Dänemark und Deutschland weiterhin so positiv verbleiben? Vielleicht kommt uns auch Mal die Unterschrifteninitiative zugute.

In Nordschleswig war vor allem Thore Naujeck vom Bund Deutscher Nordschleswiger Garant für den Erfolg. Er koordinierte nicht nur den Einsatz, sondern tauchte überall selber auf, um Unterschriften zu sammeln. Das war keine Selbstverständlichkeit – auch das war ein Kraftakt. Dienstag war die Deadline erreicht – und auch das Ziel, denn Dänemark gehört zu den elf Ländern, die die Mindestanzahl von Unterschriften gesammelt haben: 9.750 mussten es sein – 12.020 waren es schließlich und es kommen sicherlich noch einige hinzu. Auch Dank Grænseforeningen, denn die Unterstützer der dänischen Minderheit in Südschleswig waren ebenfalls fleißig im Lande unterwegs.

Obwohl also längst nicht alle Unterschriften in der deutschen Minderheit eingesammelt wurden, sondern auch in der dänischen Mehrheitsbevölkerung, ist das Ergebnis für die Volksgruppe in Nordschleswig wichtig: Zum einen haben wir Solidarität mit Minderheiten in Europa gezeigt, zum anderen hat sich die deutsche Minderheit auch innenpolitisch den Rücken gestärkt.

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