Leitartikel

Gemischte Gefühle

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Mitfiebern am Wahlabend: Aus Sonderburger Sicht ein Vergnügen. Foto: Karin Riggelsen

In Sonderburg hat die Schleswigsche Partei ein Traumergebnis eingefahren – in Gravenstein gaben fast jeder fünfte Wähler seine Stimme der Partei der deutschen Minderheit. Doch in den drei anderen Kommunen Nordschleswigs und bei der Regionswahl blieben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück. Sonderburg, sagt Chefredakteur Gwyn Nissen, zeige, was für die Schleswigsche Partei im ganzen Landesteil möglich wäre.

Der Tag danach und der Zwiespalt: Freude über das fantastische Ergebnis der Schleswigschen Partei und Stephan Kleinschmidt in Sonderburg. Oder Sorge über die Stimmenverluste der SP in den drei anderen Kommunen in Nordschleswig und die gescheiterte Kandidatur zur Regionswahl? Es sind wahrlich gemischte Gefühle am Tag nach der Kommunal- und Regionsratswahl. Und welches Gefühl überwiegt?
Isoliert gesehen ist die SP 2017 in Hadersleben und Tondern gegenüber der Wahl vor vier Jahren zurückgegangen. Und zwar heftig. Aber das Ergebnis in den beiden Kommunen ist immer noch besser als 2009 – so schlecht also doch nicht.

Sorgenkind ist da eher die SP in Apenrade, denn mit 1.974 Stimmen blieb die Schleswigsche Partei hier sogar hinter dem Ergebnis von 2001. Über die Ursache machen sich die SP und ihr Kandidaten-Team bereits seit dem enttäuschenden Wahlabend Gedanken: Windräder haben im Westen der Kommune die Bürger gespalten und in Apenrade war es die Fjordskole. Hinzu kommt, dass die beiden Spitzen Erwin und Kurt Andresen für ihre Arbeit vor allem von ihren Stadtratskollegen respektiert werden – doch das zählt nicht an der Wahlurne. Die SP in Apenrade muss in den kommenden vier Jahren präsenter werden.

Übergeordnet hat die Schleswigsche Partei ebenfalls zu Themen Stellung bezogen, die in der breiten Öffentlichkeit derzeit auf Widerstand stoßen: Die SP setzt sich für Flüchtlinge ein, ist gegen Grenzkontrollen und zog sich für zweisprachige Ortsschilder sogar die Kleider aus. Gegen diese Haltung ist nichts einzuwenden – es ist offizielle SP- und Minderheitenpolitik – und man sollte auch daran festhalten, wenn es für das Verständnis der Minderheit wichtig ist. Jetzt allerdings mit dem Wissen, dass es Stimmen kostet.

Auch der vierte Trumpf stach nicht: Die SP wollte erstmals in den Regionsrat, doch bereits vor den Wahlen am Dienstag war das Projekt zum Scheitern verurteilt – trotz eines großen Einsatzes von Spitzenkandidat Gösta Toft. Ohne das richtige Wählerbündnis ist der Sprung in den Regionsrat für die SP unmöglich. Dennoch: Die Deutsch-Nordschleswiger machten eine gute Figur im Wahlkampf. Ob es ein zweites Mal gibt, ist noch offen.
Und dann ist schließlich noch die Freude über das Abschneiden der SP in Sonderburg. Ein sensationelles Ergebnis, das aber irgendwann zum Problem werden kann, denn die SP in Sonderburg ist abhängiger denn je von Stephan Kleinschmidt. Im Prinzip wird er nie den Rückzug aus der Kommunalpolitik machen können, ohne dass die SP-Stimmen den Bach runterrauschen. Aber das ist – zum Glück – kein aktuelles Problem.

In Sonderburg stimmt einfach alles: der richtige Spitzenkandidat, das richtige Team, eine präsente Politik, ein beherzter Arbeitseinsatz und ein kompetentes Hinterland. Sonderburg gibt vor, was machbar ist. Es gibt zwar nur einen Stephan Kleinschmidt, aber was er und sein Team leisten, könnten auch andere übernehmen. Das geht nicht über Nacht, sondern ist ein jahrelanger Prozess.

Was also überwiegt? Vor allem die Freude und danach das Wissen, dass noch mehr harte Arbeit auf die SP wartet.

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