Leitartikel

Kleine Dörfer als Spielball der großen Politik

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

Der Dorf-Ausschuss will über die nächsten zehn Jahre mehr als drei Milliarden Kronen in eine Sanierung der Dörfer investieren. Das Folketing – und nicht zuletzt die Regierung, die das Arbeitspapier bestellt hat – ist jetzt im Zugzwang und kann die Vorschläge nicht einfach ignorieren, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die dänische Dorf-Landschaft benötigt eine Finanzspritze, bessere Verkehrsverbindungen, bessere Internet- und Mobilverbindungen und eine generelle Strategie für die zukünftige Entwicklung.

Das sind einige der insgesamt 17 Vorschläge, die ein Arbeitsausschuss der Regierung für den ländlichen Raum vorgelegt hat. Immerhin wohnen über eine Million Menschen – etwa ein Sechstel der Bevölkerung – in Dänemark in Dörfern mit weniger als 1.000 Einwohnern.

Der Dorf-Ausschuss – in dem keine Politiker vertreten waren – will über die nächsten zehn Jahre mehr als drei Milliarden Kronen in eine Sanierung der Dörfer investieren. Aber es ist kein politischer Ausschuss, der Geld ausgeben kann, sondern nur ein beratender Ausschuss. Es sind eben nur Vorschläge und die sind nicht wirklich neu, wie die Kommunalvertreter der Schleswigschen Partei bestätigen können. Nur hat es bisher an Handlung gefehlt – vor allem von staatlicher Seite.

Das Folketing – und nicht zuletzt die Regierung, die das Arbeitspapier bestellt hat – ist jetzt im Zugzwang und kann die Vorschläge nicht einfach ignorieren: Es muss gehandelt werden und es müssen Gelder auf den Tisch, um die Ideen und Vorschläge umzusetzen. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Folketingspolitiker nur Kleingeld aus der Tasche holen und stattdessen den schwarzen Peter den Kommunen zuschieben. In einem der Empfehlungen heißt es nämlich auch, dass die Kommunen eine Strategie für ihre Dörfer ausarbeiten und sich nicht nur auf die größte Stadt in der Gemeinde fokussieren sollten.

Auch das wird von den SP-Politikern in unserer heutigen Zeitung dementiert: Die nordschleswigschen Kommunen empfinden sich im hohen Maße als Landkommunen und agieren auch als solche. Sicherlich gibt es auch Potenzial und Möglichkeiten, es noch besser zu machen für die Landbevölkerung, aber da wären wir wieder beim lieben Geld.
Besserer Nahverkehr, schönere Dörfer, in denen es sich gut Leben lässt, optimale Infrastruktur und mehr Entwicklung auf dem Lande gibt es nur in einem engen Zusammenspiel zwischen der Politik auf allen Ebenen und auch nur dann, wenn alle ihrer Rolle gerecht werden.

Das bedeutet lokale Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen auf dem Lande. Aber es bedarf vor allem Geld aus der Staatskasse, um dem Land insgesamt eine bessere Balance zu geben. Und natürlich müssen bei allen Strategieplanungen und staatlichen Vorschlägen vor allem auch die Bürger vor Ort aktiv bleiben und werden, damit sich etwas bewegt.

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