Leitartikel

Kriminelles Wissen

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die Copenhagen Business School. Foto: Bjarke MacCarthy/CBS

Die Tageszeitung Politiken schreibt, dass es derzeit über ein Dutzend Fälle gibt, in denen ausländische Forscher an dänischen Universitäten Bußgelder bekommen haben, weil sie nebenbei woanders gearbeitet haben. Ausländischen Experten und Forschern signalisiert man dadurch ganz deutlich, dass sie in Dänemark nur eingeschränkt erwünscht sind, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Der Name Brooke Harrington sagt den wenigsten was. Sie ist Amerikanerin und Forscherin zugleich. Seit acht Jahren arbeitet sie in Dänemark – und zwar an der Copenhagen Business School. Jetzt hat die Steuerexpertin ein Bußgeld bekommen, weil sie außerhalb ihres Arbeitsplatzes einen Vortrag gehalten hat – für Mitarbeiter der Steuerbehörde und Politikern im Steuerausschuss.

Rachel Bullen ist ebenfalls den meisten unbekannt. Sie spielt Musik im Esbjerg Ensemble. Die international anerkannte Kammermusikerin bekam im Februar ein Bußgeld über 33.000 Kronen, weil sie an der Musikschule in Kolding einem talentierten Schüler Solo-Unterricht gab. Bullen reiste nach dem Bußgeld zurück nach Australien – sie fühlte sich in Dänemark nicht mehr willkommen.

Die Tageszeitung Politiken hat weitere Beispiele gefunden und schreibt, dass es derzeit über ein Dutzend Fälle gibt, in denen ausländische Forscher an dänischen Universitäten Bußgelder bekommen haben, weil sie nebenbei woanders gearbeitet haben.

Auch die Zweit-Arbeitgeber erhalten übrigens ein Bußgeld, darunter ebenfalls die dänischen Steuerbehörden, denen Brooke Harringon gute Tipps gab, wie man Steuerparadiesen den Garaus machen kann.

Laut Regeln müssen die ausländischen Forscher und Experten jedes Mal einen Antrag stellen, wenn sie außerhalb ihres Arbeitsplatzes eingesetzt werden – zum Beispiel bei jedem Vortrag oder Treffen außerhalb der Universität.

Die dänischen Regeln – die gegen Kriminalität und Schwarzarbeit gerichtet sind – sind laut Ausländerministerin Inger Støjberg (Venstre) eingehalten worden, aber sie meint, dass die Regeln zu rigide sind. Es sei vielleicht an der Zeit, sie zu überarbeiten, sagte sie Politiken.

Der Schaden ist allerdings schon passiert: Ausländischen Experten und Forschern signalisiert man ganz deutlich, dass sie in Dänemark nur eingeschränkt erwünscht sind. Und es sind nicht gerade wenige: Die Universität Kopenhagen hat 700 ausländische Mitarbeiter von außerhalb der EU angestellt.

Vorsichtsmaßnahmen gegen Schwarzarbeit sind unerlässlich. In diesem Fall aber muss sich der dänische Staat fragen, was er mit dem derzeit angewandten Regelwerk gegen ausländische Mitarbeiter erreicht. Momentan richten die Regeln auf groteske Weise Schaden an, indem sie hochqualifizierte ausländische Forscher und Fachkräfte aus dem Land vergraulen. Sie gehen mit dem Bild von einem Land, das Bußgelder für Wissen und Engagement verteilt.

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