Leitartikel

Der nächste Virus kommt bestimmt

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Scanpix

Virusangriffe – es trifft doch immer die anderen. Doch vielleicht treffen uns beim nächsten Mal die Konsequenzen eines Virusangriffes, meint Gwyn Nissen.

Virusangriffe – es trifft doch immer die anderen. Doch vielleicht treffen uns beim nächsten Mal die Konsequenzen eines Virusangriffes, meint Gwyn Nissen.

Erst Wannacry und dann Petya. Anscheinend harmlose Namen, doch dahinter stecken die beiden bisher größten Virusangriffe auf Computer in der ganzen Welt. Die meisten von uns haben es zwar nicht einmal gemerkt (bis auf die Breaking News in den Medien) und haben die Achseln gezuckt: Es trifft doch immer die anderen.

Aber vielleicht trifft es doch noch einige von uns. Vielleicht nicht der Virus selbst, aber dafür die Konsequenzen des Cyberangriffs: In der ganzen Welt sind von Maersk betriebene Häfen außer Betrieb gesetzt und auch i n Dänemark ist der Warentransport betroffen. „Ich bin seid 14 Jahren in der Branche und habe noch nie so etwas erlebt“, sagt Anne Kathrine Steenbjerge schockiert. Sie leitet eines der größten Containerfuhrunternehmen des Landes, Ancotrans, und kommt gerade nicht an die Container der Kunden ran, die in Göteborg oder Amsterdam stehen. „Man muss sich vorstellen, das ist wie ein prall gefüllter Supermarkt – nur kann niemand rein um die Waren zu holen“, erklärt Steenbjerge.

Wer weiß, vielleicht steckt in diesen Containern etwas drin, das wir als Verbraucher nächste Woche benötigen, oder die ein Unternehmen morgen in der Produktion einsetzen wollte? Dabei ist es ohne Computerzugang unmöglich zu sagen, wem welcher Container gehört. Daher steht alles still.
Die Angriffe zeigen, dass unsere Gesellschaft verletzbar ist: Heute läuft fast alles über Computer und Internet. Wenn Cyperterroristen – egal ob mit politischen oder kriminellen Motiven – den Hauptschalter finden, dann wird bei uns alles schwarz. Dabei scheinen wir als Verbraucher bei den ersten beiden großen Virusangriffen noch glimpflich davon gekommen zu sein.

Doch was ist, wenn nächstes Mal eine Woche oder ein Monat lang die Telefone keine Verbindung haben, wenn die Zahlkarten ausfallen und die Geldautomaten nichts hergeben? Wenn die Meierei nichts produzieren kann und die Zapfsäulen leer laufen?
Kein Wunder, dass der dänische Krisenstab NOST sich versammelte: Dänemark (und alle anderen) brauchen einen Notplan für den nächsten und vielleicht ganz großen Angriff auf unsere vernetzte Gesellschaft.

Denn der nächste lähmende Virus kommt bestimmt.

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