Leitartikel

Neue Lösungen auf dem Land

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Die neue Arena in Apenrade. Foto: Archivbild: DN

Unsere „Hauptstädte“ in den Landkommunen müssen auch Kraftzentren für die ganze Kommune sein – das schadet nicht den ländlichen Raum. Für diesen müssen allerdings neue Lösungen gefunden werden, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Überall in Dänemark finden in diesen Tagen Wahlveranstaltungen statt, denn in vier Tagen werden in Dänemark neue Kommunalvorstände und Regionsräte gewählt. Dabei kommt sehr oft die Balance zwischen Stadt und Land zur Sprache: Grundlegend sind alle vier nordschleswigschen Kommunen Landkommunen (zumindest wenn man aus Kopenhagen oder Aarhus Richtung Süden blickt). Aber in Nordschleswig sind Sonderburg, Hadersleben, Apenrade und Tondern die vier „großen Städte“, in denen laut Kritiker „zu viel Macht und zu viele Institutionen“ konzentriert werden.

Seit der Kommunalreform vor zehn Jahren fühlen sich Orte wie zum Beispiel Scherrebek, Norburg, Rothenkrug oder Gramm vom Zug abgehängt. Hier gab es früher noch eigene Rathäuser, aber jetzt ist alles in die „Großstadt“ umgezogen.

Was zum Teil stimmt: Die Kommunen haben, um zu sparen, zentralisiert. Außerdem erfahren die alten Rathaus-Standorte und die Dörfer drum herum nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit wie früher: Das neue Rathaus und die Politiker sind weiter weg. Auch das stimmt, und deshalb hat jede Kommune mit Respekt vor sich selbst auch eine eigene Politik für den ländlichen Raum. Doch das kommt nicht bei allen Bürgern rüber. Sie erleben nur, dass Sonderburg ein neues Multikulturhaus bekommt, dass in Tondern ein neues Rathaus gebaut wird, dass die neue Multihalle in Apenrade platziert wird und der Streetdome in Hadersleben.

Aber auch das muss sein. Eine Balance zwischen Stadt und Land bedeutet nicht, dass auch Guderup ein Multikulturhaus haben muss oder dass in Tingleff eine Halle mit Kapazität für 3.000 Zuschauer gebaut wird.

Unsere „Hauptstädte“ müssen auch Kraftzentren für die ganze Kommune sein – das schadet nicht dem ländlichen Raum. Für diesen müssen allerdings neue Lösungen gefunden werden: zum Beispiel bürgernahe Demokratie und Mitbestimmung sowie intelligente Transportlösungen mit guten Verbindungen, die von Kommunen und Nutzern bezahlt werden können. Das örtliche Vereinsleben, Schulen und Kindergärten benötigen Unterstützung. Nur dann gibt es eine Balance zwischen Stadt und Land.

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