Leitartikel

Neue Medienwelt

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Nordschleswig/Kopenhagen
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TV2
Die Sportredaktion von TV2 bei der Arbeit. Foto: Ebbe Rosendahl/TV2

Am Donnerstag präsentierte Kulturministerin Mette Bock (Liberale Allianz) den Medienplan der Regierung: Die meisten Katzen waren schon lange aus dem Sack, aber nicht alle, meint der Chefredakteur des Nordschleswigers Gwyn Nissen.

Ein Jahr hat Kulturministerin Mette Bock (Liberale Allianz) gebraucht, um im Medientopf umzurühren. Aber wie es mit politischen Plänen heute so ist: Die meisten Katzen waren schon lange aus dem Sack, als sie Donnerstag den Medienplan der Regierung präsentierte: Danmarks Radio muss über die nächsten fünf Jahre 20 Prozent einsparen, TV2 soll privatisiert werden (40 Prozent des Senders werden verkauft) und der Geldtopf für den öffentlichen Service wird erhöht. Das alles wussten wir – oder ahnten es. Was dagegen in den landesweiten Medien kaum für Schlagzeilen sorgte, waren die Vorschläge, die die größte Konsequenzen für die Medienverbraucher haben werden: Zum einen wird das FM-Radio abgeschaltet.

Das bedeutet, dass sich Radiohörer bis spätestens 2021ein digitales DAB-Gerät anschaffen müssen. Der alte Transistor in der Küche funktioniert dann nämlich nicht mehr. Für die jüngere Generation kein Problem, streamen sie doch schon lange Musik, Filme und Live-Programme aus dem Netz. Vor allem aber ältere Medienverbraucher müssen jetzt wieder ins Portemonnaie greifen, wie damals, als auch in digitale Fernsehgeräte investiert werden musste.

Apropos Fernsehen: Die Regierung möchte einen neuen Fernsehsender. Aber warum überhaupt? Es gibt bereits genug Angebote und ein dritter Sender neben DR und TV2 wird uns auch kein besseres Fernsehen geben können. Dagegen müssen die regionalen Sender – darunter TV Syd zwei Prozent einsparen – unverständlich, wenn man doch die regionalen Nachrichten stärken möchte. An diesem Punkt wird die Regierung allerdings auch bei den kommenden Verhandlungen scheitern, denn die Dänische Volkspartei steht hinter den Regionalsendern. Ob DF oder andere den Radio24Syv „retten“ werden, ist dagegen fraglich: seit einigen Jahren belebt der neue Sender das Radiogeschäft, doch ausgerechnet 24Syv büßt nun ein Drittel seines Haushaltes ein. Warum, wenn es doch die Mission erfüllt hat, neue Akzente zu setzen?

Und was schließlich auch niemanden aus den großen Medien scherte: die lokalen und regionalen Zeitungen sollen in Zukunft mehr Geld erhalten. Das gilt übrigens auch erstmals für die lokalen Wochenzeitungen, die bereits seit einigen Jahren die einzige „Zeitung“ in vielen Haushalten sind. Sie haben jetzt praktisch ein Qualitätssiegel vom Kulturministerium erhalten. Auch auf digitale Medien kommt eine Gelddusche zu.

So ändern sich zwar die Zeiten in der Medienwelt, aber es gilt eben weiterhin, eine Balance zu finden zwischen neuen und alten Mediengewohnheiten. Und nicht alles was „Old School“ ist, muss den neuen Trends weichen.

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