Leitartikel

Zucht und Ordnung

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Annelene Petersen/Ritzau Scanpix

Mit einer in der Restaurant- und Lebensmittelbranche bereits bekannten Smiley-Ordnung soll hundsgemeiner Tierhaltung ein Riegel vorgeschoben werden. Die Verordnung soll sicherstellen, dass in Zucht- oder Pensionsbetrieben das Wohl der Hunde sichergestellt ist. Als Tierfreund und Hundebesitzer hegt man im Hundumdrehen gewisse Sympathien für diese Initiative. Wird beim näheren Blick in die Statuten aber enttäuscht, meint Sara Wasmund.

Ein Hundeleben führen, wer will das schon. Als qualgezüchteter Mops eines Tages ohne Schnauze zur Welt zu kommen, nur um festzustellen, dass allen Geschwistern die Nasen weggezüchtet wurden und allesamt schnarchen – kein schöner Gedanke. Auch die Vorstellung, als Mini-Chihuahua per Kaiserschnitt zur Welt kommen zu müssen, weil der auf Kindchenschema gezüchtete Kopf nicht mehr durch die Gebärmutter der Mutterhündin passt und man beim Aufschlagen der Glubschaugen Brüder und Schwestern sieht, die in einer Teetasse baden können – nein danke. Und in einer Hundepension, in der es den Tieren nur in Gegenwart des Herrchens und Frauchens gut geht, sollte kein Tier seine Ferien verbringen müssen. Das dänische Umwelt- und Lebensmittelministerium hat gestern eine Initiative vorgestellt, mit der man für Ordnung in der Zucht sowie in der Hundehaltung sorgen will.

Mit einer in der Restaurant- und Lebensmittelbranche bereits bekannten Smiley-Ordnung soll hundsgemeiner Tierhaltung ein Riegel vorgeschoben werden. Die Verordnung soll sicherstellen, dass in Zucht- oder Pensionsbetrieben das Wohl der Hunde sichergestellt ist. Davon berührt sind Züchter, Händler, Pensionen und Tierheime, die in Zukunft einmal im Jahr einen Kontrollbesuch von der Behörde erwarten können. Vom Prüfer zurückgelassen wird entsprechend den Verhältnissen ein froher, mittelfroher oder trauriger Smiley. Kunden wissen dann mit einem Blick beim Betreten des Betriebes, ob die Tiere hier vor die Hunde gehen oder sich pudelwohl fühlen.

Als Tierfreund und Hundebesitzer hegt man im Hundumdrehen gewisse Sympathien für diese Initiative. Wird beim näheren Blick in die Statuten aber enttäuscht. Denn die Verordnung betrifft lediglich Unternehmen, die gewerbsmäßig mit Hunden handeln und ihr Geld machen. Hundezüchter beispielsweise, die in kleinem Umfang züchten (unter drei Würfen jährlich) , machen unkontrolliert weiter.

Sicher, wer sich unbedingt einen Hund mit Hechtgebiss und Schnappatmung ins Haus holen und für seinen Welpen möglichst wenig ausgeben will, findet auch an Kontrollen vorbei einen Weg. Gerade bei privaten Züchtern oder durch einen Kofferraum-Export-Kauf. Aber eine gewisse Kontrolle aller eingetragener Züchter würde gerade die Qualzüchter das ein oder andere Mal zumindest in den Blick der Kontrolleure und eventuell auch in Erklärungsnot bringen, wenn sie mal wieder einen Wurf mit sieben Meter langen Bassets mit Laufwarzen zur Welt bringen oder ein Rudel Welpen buchstäblich in der Scheiße sitzen lassen. Dass in der dänischen Hundewelt Zucht und Ordnung herrschen und es den Tieren gut gehen soll, ist zu begrüßen. Der Umsetzung aber geht, wie so manchem Mops, die Luft auf halber Strecke aus. Das Ministerium dürfte parallel dazu gerne auch mit Aufklärungskampagnen für potenzielle Hundekäufer- und Besitzer um die Ecke kommen. Denn wer Bescheid weiß, wie es in der Qualzucht zugeht und warum Hundewelpen daraus so billig sind, lässt gern die Pfoten von solchen Angeboten.

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