Konzert in Apenrade

Jacob Dinesen hält seinen erfolgreichen Einzug auf der großen Bühne

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Tolle Stimmung in der Apenrader Arena das erstmals als Konzertstätte zum Einsatz kam. Foto: Gwyn Nissen

Der 22-jährge Musiker aus Tondern überzeugte vor 3.000 Fans in der neuen Apenrader Arena. Jacob Dinesen ist Talent und Profi zugleich.

Jacob Dinesen hat sich einiges beim Boss abgeguckt. Er hört sich nicht nur an wie Bruce Springsteen, er zieht seine Konzerte wie The Boss ab, die Bewegungen sitzen wie bei Bruce und er sucht den direkten Kontakt zum Publikum wie sein großes Vorbild. Und dennoch: Jacob Dinesen ist keine kleine Kopie von Bruce Springsteen, covert ihn auch nicht, sondern spielt seine eigenen Lieder von denen einige auf einem Niveau sind, die sich mit, ja Sie wissen schon, messen können. Dinesen hat stilsicher und gezielt sein eigenes Markenzeichen entwickelt – und das in auf so überzeugende Art und Weise, dass man heute eben nicht an Bruce Springsteen denkt, wenn man Dinesen hört und sieht, sondern nur an den jungen Musiker, 22 Jahre alt und aus Tondern.

Wer Jacob Dinesen die letzten Jahre musikalisch begleitet hat, hat miterlebt wie er in kleinen Bars oder beim Tønder Festival auf der bescheidenen (aber dennoch wichtigen) P4-Bühne gestanden hat und wie er sich durch harte Arbeit und guter Musik zu einem der beliebtesten und besten dänischen Musiker empor gearbeitet hat.

Apenrader Arena ausverkauft

Am Freitagabend stand er erstmals vor einem großen Publikum bei einem eigenen Konzert. Kein Festival dahinter, kein großer Name danach. Jacob Dinesen konnte sich nur selbst verkaufen. Und das tat er: Die Arena Aabenraa war mit 3.000 Fans ausverkauft und schon vor Konzertbeginn stand fest, dass Jacob Dinesen endgültig aus den kleinen Bars und Spielstätten gewachsen ist: Allein das acht Meter hohe und 30 Meter lange Bühnenbild mit den Initialen JD passt schon gar nicht mehr in die kleinen Häuser. Jacob Dinesen ist in den Arenen angekommen und dort passt seine Musik auch hin.

Dinesen hat ein unglaubliches Talent und hat eine Stimme mit in die Wiege bekommen, um die man ihn nur beneiden kann. Er trifft die tiefen Töne wie Leonard Cohen und schraubt mit Leichtigkeit seine Stimme in rockige Höhen. Dinesen hat zu jeder Zeit seiner Karriere sein Talent optimal abgerufen und er legt derzeit in Sieben-Meilen-Schritten immer wieder „einen obendrauf“: Bühnenbild, Licht, Effekte, Auftreten, Show, Musik – alles passte einfach am Donnerstagabend in der Arena. Der Tonderaner ist nicht nur ein Naturtalent, sondern scheinbar auch ein Naturprofi. Alles was er gerade macht hat Hand und Fuß.

Eine Show wie beim „Boss“. Foto: Gwyn Nissen

Ein Jahr harte Arbeit

Wie ein neuer musikalischer Messias stand er im Licht gebadet, lieferte Eindrucksvoll seine beste Vorstellung der Karriere. Dafür haben er und seine Band allerdings auch ein Jahr lang hart gearbeitet, denn auch ein Talent muss üben, sonst bleibt man nicht oben.

Jacob Dinesen ließ am Donnerstagabend auch seinen Bandmitgliedern viel Platz, um sich musikalisch auszufalten. Allen voran die Gitarristen Rasmus Rydahl und Knud Møller. So wird er nicht zum Alleinunterhalter, sondern weiß auch die Stärken der anderen Bandmitglieder einzusetzen. Das Ergebnis ist ein rockiger und härterer Jacob Dinesen Sound als man ihn bisher erlebt hat. Hinzu kommt, dass Dinesen drei-vier Lieder am Stück liefert. Intensiv und mit so viel Kraft, dass er sein Publikum fast zur Erschöpfung bringt, während er selbst scheinbar unendliche Kraftreserven hat.

Nach zwei Stunden ist fast Schluss. Für einen 22-Jährigen, der nur zwei Alben aufzuweisen hat eine Meisterleistung. Hier können sich andere, angebliche Profis, etwas abschauen. Der Dinesen-Marathon in der Arena Apenrade war ein einmaliges Erlebnis eines einmaligen, jungen Musikers.

Ein letztes Mal setzt Dinesen sich gegen 23 Uhr auf die Bühne. Ganz allein mit seiner Gitarre und dieser gewaltigen Stimme, die noch einmal Gänsehaut verbreitet. 3.000 Fans verneigen sich schließlich vor einem neuen Großen, der gestern Abend im Kopenhagener Forum in der Hauptstadt nachlegte.

Glückwunsch übrigens auch an die Apenrader Arena und Veranstalter Gazzværket: Die erste Großveranstaltung in der neuen Arena wurde mit Bravour und ganz kleinen Makeln bestanden. Das Apenrader Musikpublikum kann sich jetzt auf neue Großkonzerte freuen.

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