Musik

Musik verbindet Menschen und Kulturen

Paul Sehstedt
Apenrade/Aabenraa
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Seine erste Posaune erhielt Ole Livbjerg Klitgaardim Konfirmationsalter Foto: Paul Sehstedt

Ole Livbjerg Klitgaard ist neuer Vorsitzender des Musikrats in Apenrade. Der Rat sucht Spielstätten für die lokalen Orchester.

„Ganz ohne Zweifel bringt die Musik die Menschen einander näher, aber wir gewinnen nur, wenn wir alle Möglichkeiten über nationale und kulturelle Grenzen hinweg ausschöpfen“, sagt Ole Livbjerg Klitgaard, der dem lokalen Musikrat in Apenrade seit dem 1. April vorsteht. „Im Vergleich zu anderen Städten und Kommunen hat sich in Apenrade ein überdurchschnittlich breites Musikleben entwickelt, und Aufgabe des Musikrates ist die Förderung der lokalen Musikszene.“

„Musik über die Grenzen hinweg hat aus meiner Sicht dazu beigetragen, dass nationale oder kulturelle Vorbehalte im Laufe der vergangenen 20 Jahre abgebaut worden sind“, stellt der Vorsitzende fest und fährt fort: „Die Kunst besteht darin, so viel wie möglich aus der deutsch-dänischen Zusammenarbeit herauszuschlagen.“

Dies sei seit der Gründung der Region Sønderjylland-Schleswig 1996 sehr gut gelungen, und die enorm positive Entwicklung habe zu einer weit weniger problematischen Gemeinsamkeit geführt, so Klitgaard. „Nehmen wir z. B. die Nordschleswigsche Musikvereinigung: Dort singen nicht nur Mitglieder der deutschen Volksgruppe; nein, aus allen Schichten und auch grenzüberschreitend sind Akteure dabei. Ähnliches sehen wir in der Bigband Pianoforte der Apenrader Staatsschule, wo auch Schüler des DGN mitspielen“, führt er einige Beispiele an.

Räume für kleinere Konzerte

Für die vielen Orchester und Chöre sucht der Musikrat geeignete Räumlichkeiten, die für die kleinen Konzerte genutzt werden können. „Wir hatten den Musiksaal der Brundlundschule im Visier, doch dann wurde der gesamte Komplex verkauft und abgerissen“, berichtet Klitgaard. Da die 10. Klasse von der jetzigen Platzierung in der Nygadeskole in die ehemalige Pädagogenschule umzieht, erhofft sich der Beirat, die frei werdenden Räume übernehmen zu können. Das soll in einem Gespräch mit dem Bürgermeister erörtert werden.

Der Beirat selbst hat einen mit 30.000 Kronen ausgestatteten Haushalt, eine bewusste Entscheidung, denn der Rat soll nicht Veranstaltungen finanzieren. „Für unsere Projekte sammeln wir Spenden, und das funktioniert recht gut“, weiß Ole Klitgaard zu erzählen.

Der Musikrat hat die Finanzierung eines Bösendorfer Flügels – Preis: rund 300.000 Kronen – für die Sønderjyllandshalle zusammengebracht oder arrangiert viermal im Jahr einen Tag des Gesanges, an dem rund 200 Sänger teilnehmen.

Vielfalt der Generationen

„Unsere Aufgabe besteht auch darin, so viele wie möglich für die Musik zu interessieren und gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Die großen Orchester wie die Aabenraa Brassband, die Amateur-Sinfoniker von SASO oder die Jomfru Fanny Bigband leiden an Überalterung: Nur ganz wenige junge Amateurmusiker wollen in Bands mitspielen, die von wesentlich Älteren dominiert werden.

Das Vejle Symfoniorkester, in dem ich u. a. selbst mitspiele, hat eine breite Altersspanne vom Volksschüler bis zum Rentner, und daher ist die Rekrutierung neuer Musiker weniger schwierig, als wenn nur die Generation 60 plus ein Orchester ausmacht.“

„Die Kommune Apenrade darf nicht zu einem musikalischen Randgebiet verkümmern, und daher sind wir auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit angewiesen“, umreißt Klitgaard die Situation. „Als Zugereister habe ich gegen Minderheiten keine Vorurteile, die mich behindern.“

Ole Livbjerg Klitgaard ist schon von Kindheit an eng mit der Musik verbunden. Erst die Blockflöte in der Schule, dann eine Posaune zur Konfirmation. Ehrgeiz und gute Lehrer haben ihn zu einem fähigen Musiker geschult, der auch schon auf Orchestertourneen in den USA oder in Frankreich war. Er spielt heute in verschiedenen Orchestern und hat auch Posaunenunterricht erteilt.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Doch Berufsmusiker ist er nicht geworden. Klitgaard ist Forstmann und seit 42 Jahren im Staatsdienst. Er ist Forstdirektor und oberster Betriebschef der staatlichen Forstverwaltung. Nach Apenrade kam er mit seiner Familie 1996, als er dort das Forstamt übernahm. Nach verschiedenen strukturellen Umstellungen und Umbesetzungen wurde er 2011 zum Betriebschef ernannt.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist auch im Beruf ein Leitfaden für Klitgaard, der enge Kontakte zu seinen Kollegen in Deutschland pflegt. Auch seine Mitarbeiter ziehen Nutzen von dieser Einstellung, und so kam es zu einem Intensivdeutschkursus, der auf Forstbetrieb ausgerichtet war, am Nordkolleg in Rendsburg.
Ole Livbjerg Klitgaard wird am heutigen Sonnabend, 5. Mai, 70 Jahre alt. Er wohnt mit seiner Frau Vibeke Kyhl Haugaard am Waldrand in Apenrade. Die zwei Söhne sind schon längst flügge und haben selbst Familien gegründet.

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