Propstei Apenrade

Tarifkonflikt: Gestorben wird immer – Auch Konfirmationen in Gefahr

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Kopenhagen
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Pastorin Anke Krauskopf (Bildmitte) kann einem möglichen Streik auch Gutes abgewinnen. (Archivbild) Foto: Cornelius von Tiedemann

Sollte ein landesweiter Streik in kommen, dann wären auch die Totengräber im Ausstand. Auch Konfirmationen wären betroffen. Als einzige gewerkschaftlich organisierte muss Pastorin Løbner vielleicht demnächst in den Ausstand treten.

Nachdem die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst in Dänemark am Montag zusammengebrochen sind , stehen die Zeichen für tarifvertraglich Angestellte auf Streik. Wie sieht ein solches Szenario für den Apenrader Friedhof aus? Außer dem Friedhofsleiter seien alle Mitarbeiter angestellt, erzählt Verwaltungschef Morten Hansen. Er führt aus: „Im schlimmsten Fall können wir den Friedhofsbetrieb eine Weile nicht aufrechterhalten.“

Die Totengräber etwa dürften im Streikfall nicht arbeiten. Zwar würden die meisten Menschen heute kremiert, so Hansen. Aber hin und wieder werde eben doch ein Grab ausgehoben. Er fügt scherzhaft hinzu: „Wir haben allerdings eine Grabemaschine. Wenn wir einen Beamten finden, der die bedienen kann, können wir auch Gräber ausheben.“

Tatsächlich aber hätte ein Streik für die Friedhofsarbeit ernste Folgen. Hansen stellt fest: „Wir kremieren in Apenrade etwa acht Tote pro Tag. Im Streikfall haben wir unseren Kühlraum, mit etwas über 30 Plätzen. Da liegen normal fünf bis 30 Särge. Das würde nach kurzer Zeit Schwierigkeiten geben.“

In Süddänemark gibt es noch weitere Krematorien in Esbjerg und in Kolding. Dorthin kann nicht ausgewichen werden, der Streik würde auch dort laufen. Und wie sieht es mit Flensburg aus? Könnten die Verstorbenen grenzüberschreitend eingeäschert werden? „Nein, das können wir nicht machen“, so Hansen.

Tatsächlich habe die Verwaltung die Situation aber noch nicht durchgespielt. Hansen hofft weiter auf eine Einigung der Verhandlungspartner. Denn ein Streik ist für einen Friedhof ein Problem. Gestorben wird immer.

Auch Konfirmationen sind in Gefahr

Der drohende Generalstreik im öffentlichen Dienst betrifft nicht nur den Apenrader Friedhof. Er kann auch für diverse Konfirmanden Bedeutung bekommen. So auch für die einzige nicht verbeamtete Pastorin des Pastorats Apenrade, Eva Wiwe Løbner.

Die Seelsorgerin hat vom Pastorenverband eine Email erhalten. Darin wird sie darauf vorbereitet, gegebenenfalls in den Ausstand zu treten. „Wenn ich in Streik geschickt werde, sind davon ganz konkret zwei Konfirmandengruppen betroffen“, so Løbner.

Ein Streik muss mindestens einen Monat vor Eintritt angekündigt werden. Somit kann dieser frühestens am 1. April starten. Werden die Verhandlungen wieder aufgenommen, dann kann ein Streik noch zweimal um 14 Tage ausgesetzt werden.

Løbners Kollegen wie etwa die deutsche Pastorin Anke Krauskopf, die Beamte sind, dürfen geplante Dienste nicht übernehmen. Etwa 40 Konfirmanden wären somit von dem Ausstand betroffen. „Ich finde aber“, scherzt Løbner, „die sollen ihr geplantes Fest feiern. Konfirmieren kann ich sie dann später.“

Kollegin Anke Krauskopf würde einen Streik begrüßen: „Der würde zeigen, dass die Kirche auch heute noch eine Größe darstellt.“ Sie schätzt, dass ein solcher Streik schlimmstenfalls zu weiteren Austritten führen kann. Krauskopf: „Wenn du ein Jahr lang deine Konfirmation vorbereitet hast, und die kann nicht durchgeführt werden. Und kein anderer Pastor darf übernehmen. Das ist doch Mist!“

Und was ist mit der Kirchenmusik?

In Sankt Nicolai wird es in nächster Zeit sehr viel weniger Kirchenmusik geben. Das hat aber weniger mit dem möglichen Streik zu tun: Die beiden tarifvertraglich angestellten Organisten Juliane Ilgner und Mogens Damm sind nämlich beide zeitgleich in Elternzeit. Und eine Vertretung ist nicht gefunden worden, weiß Ilgner.

Erst am Dienstag ist der neu angeschaffte Konzertflügel in einem Konzert eingeweiht worden. Für fast alle Sonntage sei Ersatz gefunden worden, so Ilgner, und ein für April geplantes Konzert würde auch stattfinden können. Dass aber die Kirchenmusik runtergeschraubt werde, empfindet Ilgner als „schade und frustrierend.“

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