Aussperrung droht

Tarifstreit: Vorbereitung bei Lehrern

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Fredericia  
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Über 10.000 Gewerkschaftsvertreter trafen sich in Fredericia. Foto: Scanpix

Was tun, wenn bei einer Aussperrung die Löhne ausbleiben? Gewerkschaftsvertreter haben sich diese Woche in Fredericia getroffen, um sich zu informieren und organisieren.

Bis zu 440.000 öffentlich Angestellte könnten von einer Aussperrung (im Dänischen „lockout“) betroffen sein – als Reaktion des Verbandes der Kommunen auf einen Streik der Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst.

Am Donnerstag trafen sich im Messe-Center in Fredericia über 10.000 Vertrauensleute, um über die derzeitige Situation zu sprechen, sich auszutauschen und zu diskutieren. Mit dabei war Inga Fries, Vertrauensfrau für die deutschen Schulen unter der dänischen Gewerkschaft FSL (Fri Skolers Lærerforening).

„Es ging bei der Veranstaltung darum, die Gemeinschaft zu stärken, aber auch darum, uns auf die mögliche Aussperrung vorzubereiten. So saßen wir mit anderen Gewerkschaftern aus der Kommune zusammen am Tisch“, berichtet sie von dem in der dänischen Geschichte größten Treffen dieser Art.

Kontakte knüpfen

So konnten schon erste Kontakte zwischen den Gewerkschaftern entstehen, um für den Aussperrungs-Fall schneller miteinander kommunizieren zu können. „Wenn es zum Lockout kommen sollte, wird es zu großen Demonstrationen kommen, an denen viele Menschen teilnehmen werden“, so Inga Fries weiter.

Sie erzählt aber auch von einem Bürgerbegehren, das von mehreren Gewerkschaftern auf www.borgerforslag.dk eingebracht wurde. „Es geht darum, dass bei der Aussperrung gesparte Gelder (es werden dann keine Löhne an die öffentlich Angestellten gezahlt, d. Red.) nach Ende des Tarifstreits dorthin zurückfließen, wo sie herkommen, nämlich unter anderem von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern.

Diesmal soll sich was ändern

Das war 2013 nicht der Fall. Damals wurden die Mittel auch für andere Dinge, z. B. den Bau eines Radweges benutzt“, erklärt die Gewerkschafterin.

Insgesamt 121 der knapp 200 unter dem Dach des Deutschen Schul- und Sprachvereins angestellten Lehrer sind Mitglied bei FSL. „Insgesamt sind in den vergangenen Wochen in unserem Gewerkschaftskreis 42 Mitglieder eingetreten. Neun haben sich abgemeldet“, berichtet Fries.
Woran könnte das liegen?

„Ich denke, die Menschen machen das aus Solidarität. Sie wollen die Sache unterstützen. Vielleicht ist das eine Entwicklung, die sich weiter ihren Weg bahnt.“

Für die Lehrer heißt es im Falle einer Aussperrung, einen Kredit aufzunehmen, denn die Streikkassen sind nach 2013 noch nicht wieder genügend gefüllt, um die Streikenden über einen längeren Zeitraum zu versorgen. Das berichtet Hans Erik Hansen, FSL-Kreisvorsitzender. Darüber informierten die Vertrauensleute ihre Kollegen an den DSSV-Schulen. Allerdings wird der Kredit von der Gewerkschaft gewährt und hat den Vorteil, von der Steuer absetzbar zu und von der Lohnsteuer befreit zu sein. Das ist beim Streikgeld anders. Deshalb hat FSL dieses System gewählt, „das allerdings auch viele andere nutzen“, so Hansen.


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