Soziales Siedeln

„Vorplanen, damit es nicht eskaliert“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Kopenhagen/Apenrade
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Der soziale Brennpunkt Gadehavegård in Høje Taastrup. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Das Folketing hat sich auf neue Wohn-Regeln in sogenannten „Ghettos“ geeinigt. Ein Haderslebener Lokalpolitiker, der viel Erfahrung mit sozialen Brennpunkten hat, mahnt: Wer Veränderung will, muss auch finanziell investieren.

Wer Sozialhilfe, Ausbildungsbeihilfe oder Integrationsgeld bekommt, darf zukünftig keine Wohnung mehr in jenen Gegenden einer Stadt beziehen, die von der Regierung als „Ghettos“ gelistet werden. Darauf haben sich Regierung, Sozialdemokraten, Dänische Volkspartei und die Volkssozialisten am Freitag geeinigt.

„Diese Absprache kann dazu beitragen, die Ghettobereiche zu verändern. Sie bremst die Parallelgesellschaften aus, die eine ernste Bedrohung für unsere Gesellschaft darstellen“, so Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre). Ziel ist, dass sich in bestimmten Wohngegenden nicht zu viele sozial schwache Bürger ansiedeln.

„Alle gewinnen, wenn wie Tür an Tür miteinander leben. Menschen mit weniger Ressourcen oder Bürger mit Migrationshintergrund werden nicht sich selbst überlassen. Wir wollen uns öffnen, und diese Absprache ist ein Schritt auf dem Weg“, so der volkssozialistische Sprecher für Beschäftigung, Karsten Hønge. Er wies jedoch darauf hin, dass „die Kommunen natürlich eine passende Wohnmöglichkeit woanders anweisen müssen.

Hadersleben: Gesamtstrategien kosten Geld

Dass sich die Kommunen und Wohngenossenschaften die Wohnpolitik etwas kosten lassen müssen, davon ist Allan Emiliussen (Venstre) überzeugt. Als Politiker des Haderslebener Stadtrates und Leiter für soziales Wohnen bei der Haderslebener Wohngenossenschaft HAB Bolig kennt Emiliussen Herausforderungen und Werkzeuge einer gelungenen Wohnpolitik.

Mit dem Varbergparken hatte auch Hadersleben einst einen Stadtteil auf der nationalen „Ghetto“-Liste, doch mit einer konkreten Wohnpolitik haben Kommune und die beiden Wohngenossenschaften vor Ort einen gezielten Einsatz geleistet, um das Wohnviertel gesellschaftlich zu durchmischen.

„Kommunen benötigen strategisch ausgerichtete Wohnpläne. Sozial ausgerichtete Gesamtstrategien auf Jahre hinweg“, so Allan Emiliussen. „Das müssen sich die Kommunen aber auch etwas kosten lassen. Denn Tatsache ist: Allein durch den Einsatz von Freiwilligen, Polizei und Kommune in den Wohnbezirken geht es nicht. Man muss die Wohngenossenschaften mit ins Boot holen. Denn die Mitarbeiter kennen die Bewohner. Ihnen macht man die Tür auf, sie sind das Bindeglied zur Kommune“, so Emiliussen.

„Wir müssen vorplanen, damit es nicht eskaliert“

In Hadersleben kostet der auf vier Jahre angelegte Plan für soziales Wohnen 21 Millionen Kronen. 75 Prozent übernimmt der Landsbyggefonden, 25 Prozent tragen Kommune und Baugenossenschaften. „Es kostet, aber es lohnt sich“, sagt Emiliussen. Auch in kleineren Städten Nordschleswigs bestehe Handlungsbedarf.

„Nehmen wir Woyens: Da gibt es ebenfalls Probleme in gewissen Gegenden mit Kriminalität und Perspektivlosigkeit. Dort gibt es keinen Gesamtplan. Wir hoffen, dass wir die dortige Baugenossenschaft überzeugen können, sich unserer Strategie der Vorsorge anzuschließen. Wir müssen vorplanen, damit es nicht eskaliert.“ Zur kommunalen Verantwortung gehöre aber auch, genug Wohnungen zu planen und zur Verfügung zu stellen, bezahlbar und attraktiv auch für Bürger mit niedrigem Einkommen.

Die Übereinkunft

Die am Freitag auf Christiansborg getroffene Teilabsprache gehört zum sogenannten „Ghettoplan“ der Regierung. Sie tritt für jene16 Wohnbezirke in Kraft, die seit vier Jahren permanent auf der sogenannten Ghetto-Liste des Landes stehen.

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