Drohende Schweinepest

Zaun als Schutz: „Es ist gut, vorbereitet zu sein“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Jørgen Popp Petersen
Jørgen Popp Petersen Foto: Helge Möller

Jørgen Popp Petersen ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN). Im Interview mit dem Nordschleswiger spricht er über sinnvolle Schutzmaßnahmen in Sachen Afrikanischer Schweinepest.

Kann man rein praktisch einen Zaun bauen, der auf 70 Kilometern lückenlos Wildschweine aufhält?

Prinzipiell ist das machbar. Es gab vor rund 35 Jahren schon einmal einen solchen Zaun. Damals sollten Rinder, die mit IBR (Infektiøs Bovin Rhinotracheitis) infiziert waren, am Überschreiten der Grenze gehindert werden. Ein solcher Zaun ist also möglich. In Polen und Tschechien gibt es derzeit ebenfalls Pläne, Gebiete einzuzäunen. Einen Zaun zu bauen, um sich vor einer enorm gefährlichen Krankheit zu schützen, ist also erstmal kein abwegiger Gedanke.

Gibt es Alternativen? Was bliebe Dänemark anderes übrig?

Ich frage mich: Wo ist die Linie der EU, was Seuchenbekämpfung angeht? Welche Maßnahmen werden vonseiten der EU ergriffen? Und: Wir sollten auf jeden Fall mit der deutschen Seite zusammenarbeiten. Rein praktisch wäre es nämlich viel sinnvoller und effektiver, den Nord-Ostsee-Kanal mit einem Zaun zu versehen und diese natürliche Schneise auszunutzen. Aber auf deutscher Seite ist der Seuchenschutz teils auf Landesebene, teils auf Kreisebene organisiert. Da kann Berlin nicht mal eben was bestimmen, damit die Zusammenarbeit mit Dänemark läuft. Daher ist es kompliziert. Da müsste die EU dringend gemeinsame Handlungspläne vorlegen.

Was sagen die Landwirte in deinem Umfeld zu den Zaunplänen?

Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest ist groß. Es wäre eine unglaubliche Katastrophe, wenn sie in Dänemark diagnostiziert wird. Daher befürworten viele Bauern eine solche Schutzmaßnahme. Bio-Bauern und Freilandbauern laufen als erstes Gefahr, dass sich Schweine auf der Weide an Wildschweinen anstecken.

Welche Konsequenz hätte es, wenn die Schweinepest in Dänemark festgestellt wird?

Es ist schwer zu sagen, was genau dann passiert. Ob Japan und China den Import von Schweinefleisch aus Dänemark oder sogar aus der EU ganz aussetzen. Denkbar ist es. Einzelne Höfe würden unter Quarantäne gestellt. Die Krankheit ist unglaublich leidvoll für Tiere. Es gibt Berichte von Jägern, die vor einem Wald stehen und die Wildschweine darin im Sterben schreien hören. Bauern, deren Höfe betroffen sind, erleben Furchtbares. Daher ist die Angst vor der Krankheit berechtigt. Im Baltikum gibt es ganze Landstriche, in denen alle Schweinebetriebe brach liegen.

Ist die Gefahr, dass sich die Krankheit durch weggeworfene Essensreste oder unsaubere Lkws verbreitet, nicht viel größer, als durch Wildschweine?

Unter Wildschweinen breitet sich die Krankheit tatsächlich recht langsam aus. Die großen Entfernungen innerhalb Europas werden durch lange Transporte überbrückt, durch weggeworfene Essensreste, also infizierte Wurst, beispielsweise. Aber in Dänemark wären es die Wildschweine, die mit Schweinen im Freien in Kontakt kommen.
Man muss in Sachen Zaun auch bedenken: Es geht um Argumente. Dänemark präsentiert sich auf die Weise gegenüber Exportpartnern als gut vorbereitet, als gut geschützt. Es ist meiner Meinung nach gut, Pläne für einen Zaun zu machen. Aber die Kommunikation mit der deutschen Seite muss genauso vorangebracht werden.

Wie schnell könnte der Zaun deiner Meinung nach Realität werden?

Das dürfte Monate dauern. Erstmal muss der Gesetzesentwurf kommen, Anhörung, Entscheidung und nicht zuletzt die Einigung mit den Landwirten, die das Land an der Grenze besitzen. Am Freitag kriegen wir als LHN Informationen aus Kopenhagen, was genau es mit den Plänen der Regierung auf sich hat.

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