Leben in Nordschleswig

Die Kruses halten die alte Weule-Domuhr in Schwung

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Ein- bis zweimal pro Woche zieht Karl Olof Kruse oder sein Sohn Ulrik Kruse mit Krafteinsatz das Turmuhrwerk auf. Foto: Karin Riggelsen

Umstellung auf Sommerzeit. Domuhr zieht sich nicht von alleine auf – die Uhrmacher helfen nach

Mit seinem großen Schlüssel öffnet Karl Olof Kruse geräuschlos eine schwere Tür im rechten Seitenschiff des Doms. Den Schlüssel hat er zu Beginn seiner Arbeit vor nunmehr 18 Jahren von der Kirche ausgehändigt bekommen. Nun geht es über den Treppenaufgang zur Turmuhr. Die Wendeltreppe führt auf 50 schmalen Stufen in luftige Höhe. Dort – auf dem Dachboden des Doms wartet der Haderslebener die geschichtsträchtige Turmuhr aus dem Hause J. F. Weule in Bockenem.

Das Turmuhrwerk befindet sich in einem abgeschlossenen Raum ohne Fenster. Der nun 70-jährige Karl Olof Kruse übernahm die Wartung des Uhrwerks von Uhrmacher Olaf Henningsen. Henningsen war aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über einen Wichtel auf dem Dach des Doms Ende 2000 zurückgetreten. Karl Olof Kruse übertrug vor Kurzem seinem Sohn Ulrik die Leitung des Familienbetriebes „Kruse Ure Guld og Sølv Aps“. Uhrmacher Ulrik Kruse (39) arbeitet seit elf Jahren an der Seite seines Vaters in dem Geschäft an der Bischofsstraße. Die Betreuung der Kirchenuhr mit teilweise automatisiertem Gewichtsantrieb und den angeschlossenen Glocken, ist längst zu einem Gemeinschaftsprojekt von Vater und Sohn geworden.

Öl aus der roten Kanne und schon läuft die Uhr wie geschmiert. Foto: Karin Riggelsen

Nach dem Rechten schauen

Die Kruses schauen ein- bis zweimal in der Woche im Dom nach dem Rechten und ziehen das Uhrwerk auf. „Das ist in nächster Nähe unseres Geschäfts“, schmunzelt Karl Olof Kruse. Bei der Umstellung zur Sommer- und Winterzeit legen die Kruses eine Sonderschicht ein. Im Dom setzt man weiter auf Handarbeit, sodass dem Turmuhrwerk auch im Frühjahr und Spätherbst auf die Sprünge geholfen werden muss, damit die korrekte Uhrzeit auf den Zifferblättern an der Turmspitze angezeigt wird.

Wenn in der kommenden Nacht die saisonale Zeitumstellung auf mitteleuropäische Sommerzeit erfolgt, dann ist einer der Kruses im Dienst. „Die Zeitumstellung machen wir immer ab Mitternacht. Dann ist alles bereit für Sonntagmorgen, wenn die Haderslebener aufwachen“, erklärte Karl Olof Kruse.

Auf die Weule-Turmuhr, die 1897 im Harz gebaut wurde, ist auch mehr als fünf Jahrzehnte nach der Schließung der Firma Verlass, wenngleich Temperaturunterschiede die Genauigkeit beeinflussen können. Die Glocken schlagen mit Viertelstundenschlag. Wenn die Zeiger eine volle Stunde erreicht haben, wird dieses durch zusätzliches Glockengeläut verkündet. Die Glocken sind charakteristisch für Hadersleben.

Bei der Umstellung in der Nacht zum 25. März stellen die Uhrmacher um Mitternacht den Zeiger am Uhrwerk eine Stunde nach vorn und warten dann ab, ob das Werk sich nach dem „künstlichen Eingriff“ erholt hat, bevor sie nach Hause gehen. Im Herbst wird das Uhrwerk dann 60 Minuten abgeschaltet, wonach die Uhr der Winterzeit angepasst wird. „Es ist eine schöne Tradition mit der Domuhr. Im Grunde genommen werden wir Uhrmacher nur ausgebildet, um die Zeit in Gang zu halten“, kommentierte Kruse junior die ihm und seinem Vater anvertraute ehrenvolle Arbeit.

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