Existenzgründung

Erfolgreiche Jungunternehmerin: Guter Start mit DKH und DSH

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Birgitte Andersen, Cathrine Werthwein Andersen und der Vorsitzende des Einzelhandels, Orla Bryld Mortensen. Foto: Karin Friedrichsen

Wie macht man das, eine Firma gründen und sich am Markt behaupten? Cathrine Werthwein Andersen aus Nordschleswig erzählte im Rahmen eines Seminars über ihren Weg ins Unternehmertum, der sie in die USA führte.

Der Wirtschaftsrat (HER) hat das Projekt „Start HER“ mit einem zweitägigen Seminar im VUC-Lighthouse und der FlowFactory fortgesetzt. HER-Projektleiter Morten Riis und seine Crew wollen, wie berichtet, das Interesse für Existenzgründertum ankurbeln. Mithilfe von Orla Bryld Mortensen, Chef des Einzelhandels der Domstadt, war es gelungen, die erfolgreiche Jungunternehmerin Cathrine Werthwein Andersen als Gastrednerin zu verpflichten. Mit Ausdauer und Mut brachte die gebürtige Haderslebenerin es recht weit. Cathrine Werthwein Andersen ist Direktorin von „Roger.ai“. Die Firma entwickelte eine App, mit der Rechnungen verwaltet und bezahlt werden können. Das internationale Unternehmen hat Standorte in San Francisco und Kopenhagen.

Von Nordschleswigern nach San Francisco

Werthwein Andersen wohnt in San Francisco nicht weit von der „Technologie-Hochburg“ Silicon Valley. Ihr Interesse für Firmengründung wurde geweckt, als sie am Wirtschaftsgymnasium in Hadersleben studierte und an den „Young Enterprise“-Meisterschaften teilnahm. Zusammen mit Klassenkameraden wurde die Firma „Delicious Design“ aus der Taufe gehoben, und das Team des Wirtschaftsgymnasiums holte sich einen Meisterschaftstitel. Werthwein Andersens Kreativität bekam neuen Schwung, als sie nach abgeschlossener Bürolehre bei „Dansani“ nach Kopenhagen ging, wo sie zunächst an der Copenhagen Business School (CNS) ihre Bachelorarbeit schrieb und 2010 ein Universitätsstudium begann.

Gemeinsam mit ihrem Bekannten Christian Rasmussen gründete Werthwein Andersen zeitgleich die Firma „Canvasdropr“. Das Unternehmen verkaufte Software für die Teilung von Bildern. Die Firma ist später von der amerikanischen Firma „Cisco“ übernommen worden. Cathrine Werthwein Andersen widmet sich seit 2017 ihrem jüngsten Projekt „Roger. ai“ sowie Investitionen in neu gegründete Firmen in der Lebensmittelbranche und im technologischen Bereich.

Keine Angst vor Fehlern

„Man muss sich trauen und die Angst davor Fehler zu begehen, ablegen“, erklärte Cathrine Werthwein Andersen im Interview. Die 30-Jährige mit der steilen Karriere ist Tochter eines Deutschen und einer Dänin. Die kalifornische Metropole ist Dreh- und Angelpunkt ihres beruflichen Wirkens geworden, und dort wohnt sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten, einem US-Amerikaner. Zur Freude ihrer Mutter Birgitte Andersen weist Cathrine Werthwein Andersen nicht von der Hand, dass sie auf längere Sicht ihren Wohnsitz in Dänemark haben könnte. „Aber das wird dann mit Kopenhagen als Ausgangspunkt“, lächelt die junge Frau, die auch mit ihrer Familie in Aarösund gewohnt hat.

„Ich denke noch sehr oft an die Schule“

Die 30-Jährige besuchte die Minderheiteneinrichtungen der Domstadt. Nach dem Kindergarten (DKH) wurde Cathrine Werthwein Andersen in der Deutschen Schule Hadersleben (DSH) eingeschult. „Ich war von der 0. bis zur 9. Klasse in der DSH. Ich denke noch sehr oft an die Schule“, verrät die Geschäftsfrau. Die Schule habe ihr positive Möglichkeiten eröffnet, und sie habe gelernt zu fokussieren. Langfristiger Erfolg brauche Disziplin und Konzentration. Bei der Umsetzung ihrer beruflichen Ziele sei der Schulalltag in ihrer Erinnerung haften geblieben. Sie denke fast noch täglich an die Eigenschaften, an die sie in der DSH herangeführt wurde. Sie habe gelernt, sich voll auf die Arbeit zu konzentrieren: „Man konnte ja nicht in die Schule kommen, wenn man seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte“, schmunzelt Cathrine Werthwein Andersen. Sie wurde unter anderem von Karin Christiansen und dem Ehepaar Gisela und Hans Peter Trotz unterrichtet. „Frau Christiansen unterrichtete Deutsch, und Herrn Trotz hatten wir in meinem Lieblingsfach Geschichte“, erinnert sich Werthwein Andersen an diese beiden, inzwischen leider verstorbenen, Lehrkräfte. „Wenn ich in Hadersleben bin, besuche ich manchmal die DSH. Zu meiner Zeit leiteten Dieter Hallmann und Phillipp Rogge die Schule.“

„Ich habe all die schönen Bücher geliebt“

Ihre ersten beruflichen Herausforderungen fand Cathrine Werthwein Andersen übrigens in der Deutschen Bücherei: „Ich war ,Bücherkind’ bei Marion Jacobsen. Ich habe all die schönen Bücher geliebt“, verrät die junge Frau, die auch in den USA deutsche Bücher liest und deutsche Fernsehprogramme sieht: Obwohl sie fast ausschließlich mit Vater Jörg Werthwein Dänisch spricht, ist es ihr wichtig, die deutsche Sprache zu pflegen, auch weil ein Teil ihrer Familie in Deutschland lebt. „Ich finde Hadersleben schön. Die Stadt entwickelt sich“, so Werthwein Andersen. Und ihre Mutter, mit der sie täglich telefoniert, hält sie auf dem Laufenden über den Alltag in Hadersleben und Neuigkeiten im Familien- und Bekanntenkreis.

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