Kochen

Birthe Merete Jessen haucht alten Rezepten neues Leben ein

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Nordschleswig
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Birthe Merete Jessen mit dem Kochbuch, das als Gemeinschaftsprojekt entstanden ist. Foto: K. Riggelsen

Die 71-jährige Apenraderin hat ihr zweites Kochbuch herausgegeben – diesmal mit traditionellen nordschleswigschen Rezepten.

Vor sechs Jahren staubte Birthe Merete Jessen alte nordschleswigsche Kuchenrezepte ab (De Glemte Kager – Kager fra Sønderjylland). Nun hat die 71-jährige Apenraderin ihr zweites Kochbuch herausgegeben. Diesmal mit alten regionalen Rezepten aus Nordschleswig.

Auch „Til bords i Sønderjylland – undervejs i Aabenraa“ ist ein Gemeinschaftsprojekt. Die alten Kuchenrezepte der Familie Michelsen hat sie seinerzeit gemeinsam mit Karen Freisig gesammelt und umgesetzt. Diesmal hat sich ein ganzes Team gebildet mit interessierten Autoren und Fotografen. „Die haben teils mit Rezepten und Fotos, teils mit der Apenrader Geschichte beigetragen“, berichtet Birthe Jessen.

Ihr neuestes Buch ist nämlich nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein kleines Geschichtsbuch für Apenrade und Umgebung. Somit folgt sie ganz dem Trend, dass Kochbücher heute mehr sind als nur eine Sammlung von Rezepten. Sie müssen auch Geschichte(n) erzählen.

Bei den „vergessenen Kuchen“ wurden bereits vorhandene alte Rezepte auf losen Blättern zu einem Buch gesammelt. „Diesmal fingen wir sozusagen von vorn an. Wir haben alle unsere alten Rezepte durchgestöbert, haben dann eine Liste gemacht und die Auswahl getroffen. Danach haben wir die Arbeit verteilt“, erklärt Birthe Merete Jessen, die praktisch auch die Schlussredaktion hatte und alle Rezepte kontrollierte. „Wenn mein Mann (Anmerkung der Redaktion: Jens Uwe Jessen) sie verstand, dann hatten sie bestanden“, lacht die Apenraderin.

Hilfe vom Sohn

Hilfe hat sie auch von ihrem jüngsten Sohn Stefan Keller Jessen bekommen. Der gelernte Grafiker hat Texte und Fotos zusammengestellt und daraus ein schönes Kochbuch gemacht.

„Wir möchten gerne, dass diese Rezepte an die kommenden Generationen weitergereicht werden“, sagte die Kochbuchautorin. Dabei wollte sie kein modernes Kochbuch mit riesigen Fotos, sondern ein Nachschlagewerk, das neben dem Herd liegen kann und schon mal einige Spritzer verträgt. Genau wie der dänische Klassiker „Frøken Jensens Kogebog“ – nur dass es sich hier um nordschleswigsche Rezepte dreht, „denn dafür brenne ich“, sagt Jessen.

Auffallend ist übrigens, dass die Anzahl der Vorspeisen in dem Kochbuch gering ist. „Das ist nicht so sehr die nordschleswigsche Küche, sondern die Zeit, aus der die Rezepte sind. Es sind Gerichte, die über Generationen weitergereicht worden sind“, so Jessen. Ihr macht es Spaß, Kochbücher zu machen, und sie hat auch schon Ideen für ein drittes Buch, das wieder im Team produziert werden wird: „Wir neun haben zusammengefunden und sind gute Freunde geworden. Die Arbeit war sehr harmonisch in der Gruppe, und das wollen wir fortsetzen“, sagt sie.

Das kleine Kochbuch im gewollten Retro-Stil ist gelungen. Es ist außerdem ein Stück nordschleswigsche Kulturgeschichte, mit der Birthe Jessen oft herumreist und Vorträge hält.

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