Hof im Wandel

Ruttebüll – einst eine Hallig

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Ruttebüll/Rudbøl
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Im Entenmarsch spazieren die robusten, bewegungsfreudigen Vögel traditioneller Rassen über den Hof. Foto: hee

Der Hof von Ari Arnold und Johnny Olsen liegt auf in der seit dem Mittelalter besiedelten, höher gelegenen Marsch. Er hat die vergangenen Jahrhunderte viel erlebt.

Der kleine Ort Ruttebüll wurde erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt. Er lag vor dem Bau der ersten Deiche wie eine Hallig im Mündungsgebiet der Wiedau. Der Bereich des Hauses von Ari Arnold und Johnny Olsen trägt den Namen Nørreværre. Es handelt sich vermutlich um natürlich höher gelegene Marsch, die wegen ihrer Fruchtbarkeit schon früh Menschen angezogen hat. Allerdings hat es immer wieder verheerende Sturmfluten gegeben, weshalb die Häuser auf Warften errichtet wurden. Im Bereich Ruttebülls ist im Mittelalter eine Kirche in den Fluten untergegangen. Seitdem gehört Ruttebüll zur Kirchengemeinde Hoyer.

Mit Hoyer ist Ruttebüll erst seit dem Deichbau 1556 verbunden. Als Verkehrsmittel diente über Jahrhunderte das Boot, denn die Wiedau grenzt an den Ort, und die unbefestigten Wege waren unpassierbar bei Regen. Seit 1556 lag die Seeschleuse am heutigen Ruttebüller See, und es ragte nach der Eindeichung des alten Friedrichenkoogs 1692 eine Bucht bis zum Dorf, bis diese 1715 eingedeicht wurde.

Es ist der Ruttebüller Koog, der auf der Straßenseite gegenüber am Haus von Arnold und Olsen liegt. Dort befindet sich auch der Stall, in dem die Rinder des Paares untergebracht sind. Das Federvieh hält sich dagegen im Hoyer Koog auf der anderen Seite des Hauses auf, der seit 1556 landfest ist, aber auch mehrfach durch Sturmfluten überschwemmt wurde. Zuletzt 1825, als das Wasser zwischen Hoyer und Emmerleff durchbrach und bis nach Tondern laufen konnte.

Neue Kanäle durch Entwässerung

Im Bereich von Ruttebüll sind trotz der Anlage vieler neuer Kanäle im Zuge der Entwässerung der Tonderner Marsch von 1926 bis 1933 noch Spuren früherer Watt- und Marschströme erkennbar. Hinter Arnolds und Olsens Haus hat einst auch ein See gelegen.

Über das ursprüngliche Aussehen ihres Hauses hat sie Ruttebülls Ortsthistoriker Thomas Georg Nielsen unterrichtet.

Trotz Eternitdachs kann man noch die traditionelle Bauweise des einstigen Reetdachhauses erkennen, u. a. das Krüppelwalmdach, das auch stärksten Stürmen standhalten konnte.

Die beiden Neu-Ruttebüller fühlen sich sehr wohl an ihrem Wohnort, denn sie wurden freundlich von den Dorfleuten aufgenommen, und es gibt viele nette Kontakte.

Im Ort freuen sich viele, dass am kleinen Hof wieder Rinder auf der Hauskoppel stehen und das Federvieh für ein buntes Bild sorgt.

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