„Heimatmuseum“

In der Redaktion des Spottes

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Sankelmark
Zuletzt aktualisiert um:
Das Heimatmuseum wusste auch musikalisch wieder zu überzeugen. Foto: K. Riggelsen

Nach einem Jahr Pause war es wieder soweit: Das Kabarett Heimatmuseum hatte das Publikum bei der Uraufführung von „Frisch aus der Presse“ mit viel Selbstironie auf seiner Seite.

Montagmorgen in der Nordschleswiger-Redaktion. Ein Redakteur sucht nach einer Briefmarke für eine SMS, die Kaffeebecher stehen in der Waagrechte und die Frage aller Fragen: Was ist passiert? Passiert? In Nordschleswig? Übers Wochenende? Ungläubiges Staunen über diese absurde Frage. Die Kabarettisten des Heimatmuseums haben sich für die aktuelle Aufführung die Hauptredaktion des Nordschleswigers zur Bühne genommen und führten ihr Stück „Frisch aus der Presse“ am Sonnabend in Sankelmark erstmals öffentlich auf.

Vielleicht ein allerletzter Auftritt des Heimatmuseums in Sankelmark? Denn schnell kamen die kabarettistischen Redakteure darüber ins Gespräch, ob die Verlegung der Neujahrstagung auf den Knivsberg nicht eine fette Schlagzeile wert wäre. Mit Unterbringung der Tagungsgäste in Vier-Bett-Zimmern könnte die Gemeinschaft innerhalb der Minderheit gefördert werden und zudem gäbe es vielleicht auch eine Steigerung der Geburtenrate? Mit einem Programm „morgens Merkel, abends Ferkel“ könnte man neben Fackelzügen in den Ehrenhain Spanferkel in der Mulde grillen. Und Fuglsang-Bier bis nachts um Vier. Auf zur Knivsbergtagung!

Führungskräfte vom DGN

Eine vom Deutschen Schul- und Sprachverein (DSSV) in Auftrag gegebene Epinion-Analyse über soziokulturelle Eigenschaften der eigenen Absolventen blieb von den Redakteuren nicht unkommentiert. Gibt es in Nordschleswig eigentlich nur Führungskräfte, die vom DGN kommen? Gibt es neben der Domstadt Hadersleben auch eine Dummstadt und, a propos, wie kann man das „Modell Tingleff“ besser bewerben? Und bei allem Ausblick auf Karrieren – wollen im Grunde des Herzens nicht eigentlich alle Nordschleswiger am liebsten bodenständige Bauern bleiben und Höfe führen? Oder, im Notfall, Konsulent-Koordinator beim BDN werden?

Und dann das alles beherrschende Thema in der Redaktion 2017: Die Kommunal- und Regionalwahl. Jugendliche Zerzaustheit an der Ostküste und attraktive Altersanmut in der Region – das Abschneiden der SP war Tagesthema der Redakteure. Wurden in Jündewatt gar deshalb Stimmen verloren, weil die SP zu den Ausländern zu laut „welcome“ gesagt hatte? Aber sei die SP nicht nun mal auf die Stimmen von Ausländern angewiesen? Schwer zu sagen, doch die SP war bei der Wahl mit ihrer „Sproch“ ohnehin die Partei gewesen, die keiner versteht. Weder Kopenhagener, noch nach Nordschleswig gezogene Deutsche. Da helfe dann auch ein Rezeptheft nicht weiter, wenn es keine politischen Inhalte gibt. Die Wahl-Ergebnisse aus Apenrade und Hadersleben wurden am Abend lieber nicht analysiert – ohne Lupe schlicht unmöglich.

Foto: K. Riggelsen

Auch die Jungen SPitzen, die im Wahlkampf mit genitalen Ideen nackt in die Bresche bzw. ins Rapsfeld sprangen, hatten nicht weiterhelfen können. Dabei hätten, so die Heimatmuseums-Redakteure, doch gerade die Jungen SPitzen die Farben Nordschleswigs, vor allem das „Blau-Sein“, zum eigenen Lebensstil erhoben.

A propos Wahl: Redakteur Helmuth Petersen schickte eine Frage an US-Präsident Trump: Wenn Amerika first ist, kann Nordschleswig dann second sein? Das Bewerbungsschreiben aus Nordschleswig sorgte im Raum für große Begeisterung, really, great! Nordschleswig sei sehr, sehr sexy und man verstehe etwas von Grenzkontrollen, man habe schließlich eine Mauer gebaut, die sogar die Nordsee nicht überwinden kann! Und auf dem 97 Meter hohen Knivsberg habe man ein Fabelwesen vorzuweisen – den Yeti! Das dazu an die Wand geworfene Bild von einem gewissen René S. sorgte im Saal für manch unkontrollierten Lachanfall.

Verschonten sich selbst nicht

Auch die Protagonisten selbst, ihres Zeichens Henriette Peters, Marion Petersen, Karl Helmut Fahl, Dieter Søndergaard, Helmuth Petersen und Hauke Wattenberg, verschonten sich nicht mit eigenem Spott.

Das Nordschleswig-Liederbuch mit Stücken, in denen am Ende des Textes sogar noch Melodie übrig ist, zogen Marion Petersen und Hauke Wattenberg köstlich durch den zum Teil selbst eingeschütteten Kakao. Und zur Melodie von „Kein schöner Land“ den Text von „Klein sind deine Berge“ zu singen – Respekt.

Einer von vielen kleinen klugen Leckerbissen im Kabarett „Frisch aus der Presse“, das nun im Landesteil auf Tournee geht Und auch die beliebte Mundart nach Midde ist „angespitzt“ wie nie wieder dabei. Zudem die Erkenntnis, dass ein Nordschleswiger-Reporter auch dann nicht zu spät kommt, wenn er zu spät kommt.

Mehr lesen