Bio-Zwist

Text auf Milchkartons ruft Naturkenner auf den Plan

Kjeld Thomsen
Kjeld Thomsen Lokalredakteur
Brauderup/Broderup
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Foto: Patrick Pleul/dpa

Bienenstöcke bei Zulieferbetrieben tragen zur Biodiversität bei, meinte „Naturmælk“ und druckte entsprechende Werbung auf ihre Milch. Das aber erzeugte Protest.

Etikettenschwindel, sachliche Verfehlung oder einfach nur eine Frage der Definition? Ein Milchkartonaufdruck der Brauderuper Ökomeierei „Naturmælk“ über Bienenstöcke auf den 32 Zulieferhöfen hat in sozialen Medien eine kleine Diskussion ausgelöst. Knackpunkt ist der Begriff „Biodiversität“, ein Oberbegriff für natürliche Artenvielfalt.

Laut Text tragen die Bienenstöcke auf den Anwesen der Anteilseigner und Zulieferer zur Biodiversität bei. Dem wird widersprochen, da es sich bei den Honigbienen in den aufgestellten Stöcken nicht um Wildbienen handelt. Wildbienen könnten schlimmstenfalls verdrängt werden, so ein Argument. Hinzu kommt, dass ökologische Betriebe zwar einen naturnahen Gedanken verfolgen, letztendlich aber Landwirtschaft betreiben, was ebenfalls von der Definition Biodiversität abweicht.

Begriff „fehl am Platz"

Naturmælk hat die „konstruktive Kritik zur Kenntnis genommen“, so Meierei-Direktor Leif Friis Jørgensen. Man werde reagieren und den Text nicht mehr drucken lassen. Er soll durch einen anderen ersetzt werden. Der Begriff Biodiversität war im Bienen-Kontext offensichtlich fehl am Platz, so die Erkenntnis des Meiereichefs.

„In unserer Firmenphilosophie spielt Biodiversität aber sehr wohl eine Rolle. Auf den Höfen sind Biotope mit Seen und besonderer Bepflanzung geschaffen worden. Natur und Nachhaltigkeit sind bei uns sehr im Fokus. Diese Geschichte wollen wir gerne erzählen. Dass es mit den Bienenstöcken sachlich nicht ganz korrekt war, werden wir gern korrigieren. Uns lag es fern, die Kunden zu täuschen“, betont Leif Friis Jørgensen.

Kritiker mit ins Boot geholt

Einige der Kritiker – Biologen und Naturkenner – holt Naturmælk für die „neue Geschichtsschreibung“ einfach mit ins Boot. „Wir haben einen sehr guten Dialog und uns ist signalisiert worden, dass man gern dabei helfen möchte, unsere Geschichte zu erzählen. Dass wir uns für die Natur einsetzen, wird zum Glück sehr wohl gesehen“, erwähnt der Meiereichef.

Der mehr oder weniger kleine Fauxpas auf dem Milchkarton hat am Ende quasi noch Gutes bewirkt.

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