Geschichte

Eine Liebesgeschichte, die das Leben schrieb

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
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Walter Nissen in der Ausstellung mit dem Matrosenanzug seines Onkels, Fritz Harr. Foto: Elise Rahbek

Eine Liebesbeziehung im Umfeld des Zeppelin-Stützpunkts, die Bestand hatte. Walter Nissens Tante Gertrud heiratete den Schlosser Fritz Karr.

In der kommenden Woche rückt das Drehteam für den Spielfilm „I Krig & Kærlighed“ für Aufnahmen beim Flugzeughangar in Tondern an. Beim Zurückschrauben der Zeit um rund 100 Jahre gab es auch im wirklichen Leben im Zusammenhang mit dem damaligen Zeppelin-Stützpunkt in Tondern eine Liebesgeschichte. Die Herzen der Tonderanerin Gertrud Nissen und Fritz Harr aus Bietigheim in Baden-Württemberg entflammten. Dabei handelte es sich nicht nur um ein kleines Intermezzo, sondern sie gaben sich das Jawort und gingen in der Wiedaustadt gemeinsam durchs Leben.

„Fritz ist wahrscheinlich als Schlosser zur Marine gekommen. Die beiden haben sich dann ineinander verguckt“, erklärt der Tonderaner Walter Nissen mit Blick auf die Fotografie seiner Tante Gertrud, die „Tante Ugge“ genannt wurde, und ihres Mannes Fritz. Tante Ugge war die Schwester von Walter Nissens Vater Thomas.

Blieb in Tondern

Nach Ende des Ersten Weltkrieges blieb Fritz Harr in Tondern und hatte in dem späteren Geburtshaus von Walter Nissen in der Schiffbrückstraße 14 eine Werkstatt mit Esse. Walter Nissen weiß, dass sein Onkel in dessen Jugend als Matrose zur See gefahren ist und u. a. auch in Amerika gewesen ist. „Er war Maat“, erklärt er beim Fototermin im Garnisons- und Zeppelinmuseum. Die dortige Ausstellung ist seit vielen Jahren mit der Matrosenkluft seines Onkels bestückt. „Die habe ich noch 1967 beim Karneval im Gymnasium angehabt“, sagt der 68-jährige Walter Nissen verschmitzt, während der Vorsitzende des Museums, Manfred Petersen, den Kopf schüttelt.

„Es fehlt das originale Hutband, das musst du noch irgendwo haben“, meint er zu Nissen, während dieser sich für den Fototermin neben der Schaufensterpuppe positioniert. „Die dunkle Jacke mit den Silberknöpfen ist das Affenjäckchen. Das war die Ausgehuniform“, erläutert Nissen. Er weiß nicht, wie sich das Paar seinerzeit kennengelernt hat. „Obwohl – meine Großeltern hatten in Tondern die Gastwirtschaft Hotel Stadt Kopenhagen und auch Zur Traube.“ Somit könnte dies eine Möglichkeit für die Begegnung des jungen Paares gewesen sein. Er geht davon aus, dass sie 1918 oder 1919 geheiratet haben. Die Ehe blieb kinderlos.

Ersatzvater

Harr gehörte zu den Seeleuten, die zur sogenannten Luft-Marine wechselten. „Ich kann ihn noch schwach erinnern. Er war eine Art Ersatzvater für mich, da mein Vater bereits 1951 verstarb, als ich zwei Jahre alt war“, erläutert Nissen. „Ich erinnere mich daran, wie ich mit ihm an der Hand zum Gaswerk gegangen bin, wo er arbeitete.

Dort wurde aus Kohle und Koks Stadtgas gewonnen, und das war damals dort alles sehr spannend“, so Nissens Kindheitserinnerung. Seine Tante Ugge starb 1987.

Petersen an der eingerahmten Flagge und den Bildern von Veronika Gläser und ihrem Verehrer. Foto: Elise Rahbek

Die erste große Liebe

Manfred Petersen hat von einer weiteren romantischen Beziehung Kenntnis. Seit Dezember 2001 hängt die Flagge des Zeppelins L54 als Leihgabe im Museum. Diese hatte ein Marineluftschiffer nach dem Bombenangriff vom 19. Juli 1918 aus der brennenden Halle Toska geholt. Er überreichte der damaligen Frau seines Herzens, der Tonderanerin Veronika Gläser, ein verschnürtes Päckchen, das sie gut aufbewahren sollte.

Sie öffnete das Paket mit der Flagge, das seit 1920 in ihrer Pinneberger Wohnung lag, erst zehn Jahre nach dem Angriff. Den Marineluftschiffer hat sie nie gesehen. Es wird angenommen, dass er während der letzten Kriegstage an der Front gefallen ist. Ihre erste große Liebe hat sie jedoch nie vergessen. Nach dem Tod ihres Mannes, dem Drucker Paul Christiansen, 1958 stellte sie das Bild des Marineluftschiffers in ihrer Wohnung auf.

Die Flagge gelangte nach dem Tod von Veronika Gläser durch die Vermittlung ihres Neffen, dem inzwischen verstorbenen Hans Jürgen Gläser aus Mögeltondern, nach nach Tondern.

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