Neue Stromtrasse

Keine Begeisterung für Freileitung

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Bredebro
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Foto: Monika Thomsen

Energinet lud zur Infoveranstaltung ein, und rund 400 Bürger kamen. Es gab Kritik.

Ein stetiger Strom an Bürgern nahm am Dienstagabend Kurs auf das Sport- und Freizeitcenter in Bredebro. Es war aber kein sportliches Anliegen, das die etwa 400 Interessierten anlockte. Im Mittelpunkt stand die von dem staatlichen Netzbetreiber Energinet geplante etwa 75 Kilometer lange Luft-Stromtrasse auf der Strecke von Endrup bei Esbjerg bis zur Grenze. Den Plänen wurde ein kühler Empfang bereitet. Bei großer Fragelust wurde ein deutliches Signal verschickt: Verkabelt die Leitung.

„Helft uns, schlauer zu werden"

Die vielen Teilnehmer wurden an der Tür von Energinet-Projektleiter Christian Jensen und seiner Kollegin Karen Raagaard per Handschlag begrüßt. „Ich weiß, dass ihr alle darauf brennt, die genaue Linie für den Verlauf der Stromtrasse zu erfahren. Dies wird jedoch erst erfolgen, wenn der Prozess ziemlich weit fortgeschritten ist“, erklärte Raagaard während ihrer Ausführungen.

Zuvor müssten Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden. Es sei nicht angedacht, die Freileitungen durch die Ortschaften Rohrkarr und Seth zu führen. „Wir möchten sehr gerne, dass ihr uns helft, damit wir bezüglich dieses Projektbereichs noch schlauer werden“, so Karen Raagaard. Die Bürger haben noch bis zum 9. Mai Zeit dazu, Bemerkungen einzureichen.

Lebensqualität verringert

„Ich finde, es wird sehr auf die Lebensqualität von uns allen einwirken. Es zerstört unsere Natur und hat auch Auswirkungen auf die großen Vogelschwärme. Ich bin der Meinung, dass die Leitung in den Untergrund verlegt werden soll“, gab es den ersten Applaus des Abends für Lisbeth Hansen. Die Vorsitzende der Sozialdemokratie in Tondern sammelte auch an diesem Abend gemeinsam mit ihrer Truppe Unterschriften gegen die Lösung in der Luft. Sie wünschte sich, dass die Kosten für ein Erdkabel auf den Kilowatt-Preis umgerechnet würden.

Bei der Strom-Autobahn wird auf Wechselstrom gebaut. Projektleiter Christian Jensen betonte mehrfach dessen Wichtigkeit. „Wir könnten eine Gleichstrom-Trasse machen. Diese würde aber nicht die erforderliche Funktion erfüllen. Wir wollen uns an das stabile europäische Netz ankoppeln, damit wir alle europäischen Kraftwerke als Backup haben. Daher ist der Wechselstrom erforderlich“, so Jensen. Er erwähnte zudem, dass Erdkabel erweitert werden müssten, während es bei Luft-Leitungen zusätzliche Kapazität gebe.

Grabt die Kabel ein

Ein Teilnehmer sorgte sich in dem ausgewiesenen Gürtel um die gute Nachbarschaft, wenn es einige der fünf Häuser in seinem Wohnort treffen würde. „Wir haben uns nicht ohne Grund entschieden, hier in dieser naturnahen Gegend zu wohnen.
Grabt die Kabel ein“, lautete die Aufforderung von Helle Thomsen.

Auch Befürchtungen über die gesundheitliche Gefährdung durch die Magnetfelder wurden in Worte gefasst. „Ich verstehe ausgezeichnet die Besorgnis, die Wut und die Frustration. Wir wollen es so gut wie möglich unter den vorgegebenen Bedingungen lösen“, so Christian Jensen abschließend. Viele nutzten anschließend die Gelegenheit zu einem Dialog in kleiner Runde.

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