Natur

Der „Kunstmaler“ mit der Kamera

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
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Foto: Elise Rahbek

Carl Chr. Christiansen hat seine Erlebnisse aus Marsch und Wald mit der Filmkamera eingefangen. Sein mittlerweile 17. Film feiert am 25. April im SeniorCenter Premiere.

„Mir geht es wie dem Kunstmaler, ich kann es einfach nicht nachlassen, raus in die Natur zu kommen“, berichtet Carl Christian Christiansen. Der Tonderaner fängt die kleinen und großen Facetten in Fauna und Flora jedoch nicht mit dem Pinsel, sondern mit der Kamera ein. Für seinen neuen Film – den mittlerweile 17. – folgte er aber nicht nur dem Lockruf der Marsch, sondern machte sich auch auf in die Wälder, darunter ins Drawitter Gehölz.

„Das ist meine Medizin“

„Ist das Wetter ganz schlecht, dann nutze ich die Zeit zum Redigieren. Abends habe ich nicht viel Zeit. Da gucke ich Fußball und Naturfilme“, sagt Christiansen mit einem verschmitzten Lächeln. Die Natur hat ihn stets fasziniert. „Das ist meine Medizin“, sagt der 82-Jährige, der seit 1999 Witwer ist. In früheren Jahren ging er auch zu Jagd und hat durch 36 Jahre drei verschiedene Hunde gehabt. „Es gibt immer Neues zu sehen, wenn man rauskommt“, so Christiansen, der in seinem Werk riesige Schwärme von Nonnengänsen gefilmt hat. Auch Kiebitze, Goldregenpfeifer und Säbelschnäbler tauchen auf. Immer wieder mit der Kamera eingefangen hat er den stolzen Silberreiher. „Man sieht ihn jetzt öfter und öfter. Er ist so weiß wie Schnee“, schwärmt Christiansen. In einer Sequenz diskutiert ein Exemplar mit einem Fischreiher.

Glück mit vielen Kampfläufern

„2017 hatte ich das Glück, einige Kampfläufer zu filmen, die in den vergangenen Jahren kaum gesehen wurden. Bei Ruttebüll waren jedoch 70 Stück auf einem Feld“, freut ihn dieser „Fang“. Im Alten Friedrichenkoog gibt es auch Uferschnepfen und Rotschenkel zu sehen. „Es warten immer neue Erlebnisse“, so Christiansen. Zu seinem Film-Revier gehört häufig auch der Rickelsbüller See. Dort sind die Alpenstrandläufer in supergroßen Formationen unterwegs. Zu den täglichen imposanten Gästen zählen die Seeadler. Er wurde auch Zeuge, wie zwei junge Seeadler miteinander Zoff hatten. In der Marsch, wo die Speisekammer in Ordnung ist, sitzen auch Kormorane Schulter an Schulter. Ein Turmfalke hingegen verspeist eine Maus. An einem späten Abend erwischte der Naturfilmer am Waldesrand erst einen Hirsch und ein Kalb. Im Laufe kurzer Zeit wuchs die Schar auf 33 Stück an.

„Danach fragt das Publikum immer“

Auch – eingezäunte – Wildschweine hat der Naturkenner mit seiner digitalen Kamera aufgespürt. „Das ist schön zu sehen“, meint er in Gedanken an die Fuchs-Mama, die ihre fünf Welpen stillt. Da kann man ihm nur recht geben. Stare sind in dem 62 Minuten langen Streifen „I Marsk og Skov“ keine Mangelware. Die sind ein Muss. „Danach fragt das Publikum immer“, so Christiansen, der in Aventoft fantastische Aufnahmen von Hunderttausenden von Staren gemacht hat. Die Natur ist seit fast sechs Jahrzehnten seine unerschöpfliche Quelle für Motive. Anfangs filmte er mit einer 8-Millimeter-Kamera. Bis er 1961 dem vor einigen Jahren verstorbenen Filmfotografen Hans Friedrich Hansen aus Risum-Lindholm begegnete. Er riet ihm, auf 16 Millimeter umzusteigen. Die Freundschaft schloss auch die Frauen mit ein. „Er war mein Lehrmeister und öffnete mir die Augen für die Details in der Natur“, sagt der Tonderner Filmemacher.

Die Filmpremiere gibt es am Mittwoch, 25. April, 14 Uhr, im SeniorCenter.

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