Bürgertreffen

Lunde Larsen: „Wildschweinzaun Signal für Export“

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Tondern/Tønder
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Der dänische Umwelt- und Nahrungsmittelminister Esben Lunde Larsen (m.) in Tondern. Foto: Volker Heesch

Der dänische Umwelt- und Nahrungsmittelminister Esben Lunde Larsen (Venstre) beim Bürgertreffen in Tondern: Grenzzaun soll Menschen nicht an Grenzpassage hindern. Kritiker meinen, er werde auch die Wildschweine nicht aufhalten.

„Es wird ein Zaun gegen Wildschweine nur vorübergehend errichtet. Er wird ein markantes Element in der Landschaft darstellen. Vor allem ihr Grundeigentümer werdet ihn zu spüren bekommen“, unterstrich Umwelt- und Nahrungsmittelminister Esben Lunde Larsen (Venstre) gleich zum Beginn seiner Rede bei der Info-Veranstaltung zum Wildschweinzaun, deren Bau für über 70 Millionen Kronen die Regierung mit der dänischen Volkspartei (DF) vereinbart hat.

Rund 200 Interessierte waren ins Tonderner Ecco-Center gekommen, wo neben dem Minister auch Veterinärdirektor Per Henriksen und der Leiter der Filiale Wattenmeer der staatlichen Naturbehörde, Bent Rasmussen, als Zaunbauherr zu Wort kamen.

„Es geht beim Bau des Zauns um den Erhalt vieler Arbeitsplätze, elf Milliarden Kronen Exportwert. Der Zaun soll nicht die Menschen an der deutsch-dänischen Grenze an der Passage hindern. Es werden Straßenverbindungen und Bahnstrecken vom Zaun freigehalten. Es werden auch Luken im Zaun mit Schließautomatik eingebaut, damit auch kleine Verbindungswege für Grenzanwohner weiter genutzt werden können“, so Lunde Larsen während der Informationsveranstaltung zur Abzäunung der Grenze.

Und er fügte hinzu: „Über unsere Botschaften machen wir weltweit bekannt, dass wir etwas gegen die Schweinepest unternehmen.“ Larsen räumte ein, dass der Wildschweinzaun keine 100-prozentige Garantie darstelle, eine Einschleppung der afrikanischen Schweinepest zu stoppen, die nach Angaben von Veterinärdirektor Henriksen nach einem Ausbruch in Georgien vor gut zehn Jahren von russischen Soldaten nach Russland weitergetragen worden ist, die Armee versorgt ihre Truppen traditionell über einen Bestand lebender Schweine.

Henriksen betonte, dass die dänischen Behörden eng mit deutschen Einrichtungen, vor allem dem zentralen Veterinärforschungsinstitut, dem Friedrich-Löffler-Institut Greifswald, kooperierten. „Dort spricht man nicht davon, ob die Seuche nach Deutschland eingeschleppt wird, sondern wann es in Deutschland zu einem Ausbruch kommt“, so Henriksen, der einen Film der deutschen Forscher vorführte, auf dem der Ausbreitungsweg der Schweinepest gezeigt wird. Henriksen unterstrich, dass neben der Abzäunung vor allem intensiver Einsatz gegen illegale Einfuhr von Fleisch aus verseuchten Ländern erforderlich sei. So habe man Handel mit illegal importierten Würsten aus Polen und der Ukraine aufgedeckt. „Zum Glück war das Fleisch nicht infiziert“, betonte er und beschrieb, dass die Viren in Wurst ebenso wie in Kadavern, aber auch in tierischem Dünger, lange überdauerten.
In der Fragerunde kamen allerdings auch viele Kritiker des Zauns zu Wort.

Kein Gehör für Grenzzaun-Kritiker

„Der Grenzzaun ist kein Wundermittel“, hat Umwelt- und Agrarminister Esben Lunde Larsen (V) zum Abschluss der lebhaften Diskussion mit Teilnehmern des Informationsabends im Ecco-Center Tondern über die Errichtung eines 68 Kilometer langen Schutzzaunes entlang der Grenze vom Deich des Margrethenkoogs bis zur Flensburger Förde eingeräumt. Zuvor hatte er trotz mehrerer kritischer Beiträge klargestellt, dass die Regierung von Venstre, Liberaler Allianz und Konservativen auf keinen Fall von der Vereinbarung mit der Dänischen Volkspartei abrücken werde, den über 70 Millionen Kronen teueren Zaun zu errichten. Dieser werde laut Lunde Larsen in stabiler Form und 1,50 Meter hoch werden, vergleichbar mit aus Fußballstadien bekannten Gittern, die Fans von der Erstürmung von Spielfeldern abhalten.

Landwirt Hinrich Jürgensen hatte in der Debatte vorgeschlagen, entlang des Nord-Ostsee-Kanals in Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein eine Abriegelung vorzunehmen. Das wäre wesentlich effektiver und würde eine Schutzzone bis zur Grenze ergeben. Lunde Larsen nannte den Vorschlag „eine gute Betrachtung“. Man wolle weiter eng mit den deutschen Behörden zusammenarbeiten, aber es gehe eben vor allem darum, dass Dänemark ein klares Signal in die Welt hinaus sende, dass man selbst Vorkehrungen gegen die Schweinepest treffe.

Der Vorsitzende des Schweineausschusses des Agrardachverbandes Landbrug & Fødevarer, Erik Larsen, unterstützte den Minister. „Allein bei einem Ausbruch der Schweinepest in Deutschland würde es bei unseren Kunden in Übersee heißen, im nördlichen Europa hat man die Sache nicht im Griff“, so Larsen. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), Jørgen Popp Petersen, der zusammen mit dem Vorsitzenden des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, am Inforabend teilnahm, sprach der Regierung Dank für den intensiven Einsatz angesichts der Schweinepestgefahr an. Er wies aber darauf hin, dass noch mehr internationaler Einsatz gefordert sei, denn immerhin bestehe die Gefahr schon seit elf Jahren.

Tierärztin Ann Britt Garlov, Tondern, warf die Frage auf, weshalb man angesichts des Gefahrenpotenzials nicht mehr kontrolliere, dass dänische Schweinehaltungen durch Zäune gegen Wildschweine abgeschirmt werden. Sie warnte zudem vor Naturschäden durch Unterbindung der Wanderung der Wildtiere.

Jagdexperte Hans Kristensen aus Lüdersholm meinte, dass man die über 70 Millionen Kronen für den Zaun besser in wirksamere Maßnahmen stecken solle. „Im Westen in den Marschen ist das Wildschwein extrem selten, im Osten können die Tiere durch die Flensburger Förde schwimmen“, so Kristensen, wozu Lunde Larsen scherzhaft meinte, man werde jetzt aber nicht noch Minen auslegen. „Wir werden vor allem die Wildschweine mit Hilfe der Jäger abschießen und auch mit Fallen fangen“, so Lunde Larsen.

Forstamtschef Bent Rasmussen von der der Abteilung Wattenmeer der Naturbehörde Naturstyrelsen in Linnet betonte, dass man bei der Errichtung des Zauns so weit wie möglich Naturschutzbelange berücksichtigen werde. „Wir wollen vor allem in den Marschen anderen Tieren die Passage weiter ermöglichen.“

Rasmussen erläuterte gegenüber dem Nordschleswiger, dass der Zaun rund 50 Meter ins Vorland am deutsch-dänischen Deich Richtung Wattenmeer gebaut werde. Am Ruttebüller See werde der Zaun am dänischen Nordufer verlaufen. „Auf der Landseite des Deiches, nicht zum Wasser hin“, so Rasmussen, der einräumte, dass es nicht immer einfach sein werde, den Zaun 50 Zentimeter in den Erdboden zu graben.

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