Lesestoff bis an die Haustür

Bücherbus und Sozialdienst Hand in Hand

Kerrin Jens
Nordschleswig
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Ilka Jankiewicz, Familienberaterin, Sandra Rehse, Leiterin Club Lügumkloster, und Ursula Krämer, Bücherbusbibliothekarin. Foto: K. Jens

Auf ihren Fahrten durch Nordschleswig steht für Bücherbusbibliothekarin Ursula Krämer der Mensch im Vordergrund. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst lobt sie.

„Ich habe dich schon sehnsüchtig erwartet“, freut sich Inge Marquardsen, als sie den Bücherbus vor ihrer Tür stehen sieht. Bücherbusbibliothekarin Ursula Krämer ist bestens vorbereitet. Einige Stunden zuvor hat sie ihren Bus entsprechend für die Tour bestückt – und sie weiß genau, dass Inge Marquardsen gerne Krimis und Ellen Blume Biografien liest. Für eine andere Leserin hat sie in der Bücherei in Apenrade speziell nach Hörbüchern gesucht.

Die Tour beginnt

Die heutige Fahrt führt Ursula Krämer nach Lügumkloster. Bevor sie bei Inge Marquardsen ankommt, hält sie beim Club. Sandra Rehse, die Leiterin des Clubs Lügumkloster, lässt sich von ihr für die 17 Kinder zwei Kisten mit Büchern zusammenstellen. Auch eine Mutter, die ihre Tochter vom Club abholt, nutzt den Bücherbus. An diesem Montag allerdings leiht sie nichts Neues aus, weil sie noch genug Lesestoff hat.

Auf den nächsten Stopp auf ihrer Route freut Ursula Krämer sich besonders. Ellen Blume leiht schon seit 30 Jahren Bücher in der Bibliothek auf Rädern aus. „Früher für die eigenen Kinder, jetzt auch für die Enkelkinder“, erzählt Ellen Blume. Für sich selbst sucht sie am liebsten Biografien und Romane aus. Ursula Krämer ist bei der Suche nach den besten Büchern behilflich. Die beiden kennen sich seitdem Ursula Krämer den Bus von ihrer Vorgängerin übernommen hat. Das war 2013. „Ellen steht für Kontinuität als Kundin“, erklärt die Bücherbusbibliothekarin, als sie Bücher für ihre langjährige Leserin heraussucht. Die beiden Frauen unterhalten sich dabei freundschaftlich und angeregt.

Weiter geht die Reise einige Kilometer zur nächsten Leserin. Doch die sagt kurzfristig ab. „Auch das kann manchmal passieren. Da kann man nichts machen“, so die Bücherbusfahrerin verständnisvoll.

Freudige Erwartung

Als nächstes ist Kerstin Lo-Monaco an der Reihe. Die Mutter kam durch ihre Kinder an den Bücherbus. Sie kannten es aus dem Kindergarten und waren so begeistert davon, dass Kerstin Lo-Monaco ihn auch nach Hause bestellte. Heute haben ihre Kinder keine Lust mehr auf den Bücherbus, aber sie leiht immer noch gerne dort aus. „Für mich ist es einfach praktisch, wenn ich direkt vor meiner Haustür Bücher ausleihen kann und nicht noch mit dem Auto zur Bücherei fahren muss“, berichtet Kerstin Lo-Monaco.

Auch die nächste Leserin erwartet den Bücherbus freudig. Mit einem ganzen Stapel Bücher im Arm steht Inge Marquardsen vor der Tür und wartet auf Nachschub. Tatsächlich ist sie auf der Suche nach neuen Krimis. „Auf Ursula ist Verlass, sie nimmt mir immer was Spannendes mit“, sagt die treue Leserin. Damit sie die sechs Wochen ohne Bücherbus gut überbrücken kann, verlässt sie den Bus mit einem großen Stapel voller Krimis.

Ursula Krämer ist bei der Recherche gerne behilflich. Foto: K. Jens

Echte Geschichten

Die Stationen zeigen: An diesem Tag werden im Bus nicht nur Bücher ausgetauscht, sondern auch Geschichten. Ursula Krämer sieht Kinder aufwachsen und Menschen älter werden. In der Zeit, in der sie ihre Touren macht, sind auch schon einige ihrer Leser verstorben. Aber es gibt immer viele Geschichten zu erzählen. Das sei das Schöne an ihrem Beruf, erzählt sie, es ist sehr abwechslungsreich.

„Bei manchen meiner Leser komme ich nicht als Bücherbusfahrerin, sondern als Besuch“, sagt Ursula Krämer. Doch manchmal kann sie nicht weiterhelfen. „Es gibt Situationen, da bin ich nicht mehr die richtige Ansprechpartnerin. Einmal hat es einen Fall gegeben, da hat eine Leserin nach Büchern zu einer bestimmten Krankheit gefragt, die habe ich ihr auch besorgt, aber dann auch auf den Sozialdienst hingewiesen, damit ihr weitergeholfen werden konnte.“

Die Zusammenarbeit zwischen Bücherbus und Sozialdienst klappt sehr gut, erzählt die Bücherbusfahrerin.
Im Bücherbus hängen auch Flyer von den Besuchsfreunden. Das ist ein Projekt, was ihr selbst sehr am Herzen liegt. „Ich bin überzeugt von den Besuchsfreunden, deswegen bin ich auch in die Leitung dafür gegangen und hoffe, dass wir Menschen damit verbinden können.“

Erfüllte Wünsche

Sie weist auf ihrem späteren Stopp auch ihre nächste Leserin auf das Treffen der Besuchsfreunde hin. Die junge Frau nimmt gerne einen Flyer entgegen, den Ursula Krämer ihr reicht. Im Bücherbus leiht die Leserin am liebsten Hörbücher aus. „Ich bin viel mit dem Auto unterwegs, da höre ich gerne Hörbücher, ich komme sonst nicht zum Lesen“, erklärt sie. Ihre Mutter nutzt den Bücherbus auch, genau wie ihre Oma. So hat sie ihn bereits in der Kindheit kennengelernt. Ursula Krämer hat extra für die junge Kundin neue Hörbücher dabei. „Die CDs, die ich in meinem Bücherbusbestand habe, kennt sie schon alle. Deswegen habe ich heute Morgen extra welche für sie rausgesucht“, sagt die Bücherbusfahrerin. „Für sie suche ich immer eine Mischung aus Spannung und Romantik.“ Ursula Krämer hat über zehn Hörbücher für die junge Frau gefunden. Die Leserin stöbert durch den Stapel CDs und sortiert zwischen ausleihen und liegen lassen. Von den über zehn CDs nimmt sie nur zwei nicht mit. „Eine gute Quote“, findet die Bücherbusbibliothekarin.

Beim letzten Halt auf der Tour durch Lügumkloster hat ein anderer Leser nur einen bestimmten Buchwunsch, den Ursula Krämer sich notiert. In sechs Wochen wird sie ihm diesen Wunsch erfüllen und das Buch vorbeibringen. Bis dahin warten aber noch andere Leser sehnsüchtig auf den Bücherbus.

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