Zukunft des Nordschleswigers

Papierleser und Smartphonegucker

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Karin Riggelsen

Auf der Generalversammlung des deutschen Pressevereins lautete das dominierende Thema: die Zukunft der eigenen Zeitung. Die gedruckte Zeitung hat weiterhin Anhänger – das Online-Angebot aber auch.

„Ich bin der letzte, der die Papierzeitung abschaffen möchte. Aber selbst meine Frau schaut sie auf dem Tablet an. Sie will eigentlich nur eine richtige Zeitung lesen“, hat der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, bei der Generalversammlung des Deutschen Pressevereins zur bevorstehenden Entscheidung des BDN über ihr Medienangebot erklärt.

„Wir wollen alle gerne eine Papierzeitung behalten“, so Jürgensen, wies dann aber darauf hin, dass diese Zeitung bei Kostendeckung jährlich 5.000 Kronen kosten müsste. „Wir müssen uns fragen, ob das Geld der Minderheit für die Finanzierung von Zeitungsboten oder unsere Schulen vernünftiger ausgegeben wird“, so der BDN-Chef und versprach, dass man eine Lösung anstrebe, die ermöglicht, die Botschaft aus Nordschleswig breiter herauszutragen. Der Hauptvorstand werde eine Entscheidung treffen, er fordere, dass man auch künftig „eine Art Zeitung vor sich hat“.

Papierzeitung „bis zum letzten Augenblick"

Zum Beginn der Aussprache während der Generalversammlung des Pressevereins gab es mehrere Appelle zugunsten eines Fortbestandes der Papierzeitung. So warnte Büchereidirektorin Claudia Knauer vor Konsequenzen eines Verschwindens der Papierausgabe. „Ihr schließt viele Menschen aus“, warnte sie, regte aber auch an, dass in den deutschen Büchereien die Web-Ausgabe des Nordschleswigers auf Bildschirmen präsentiert werden könnte. Sie sprach sich für eine stärkere Berücksichtigung lokaler Themen in der Internet-Ausgabe aus.

Carsten Lund, der vehement für seinen Nordschleswiger als Papierzeitung warb, räumte ein, dass man die Technik nicht aufhalten könne. Es sei aber eine Tatsache, dass viele Angehörige der älteren Generation, er selbst sei auch schon 88 Jahre, nicht mit digitalen Geräten umgehen könnten. „Wir nutzen die Papierzeitung bis zum letzten Augenblick“, so Anja Eggert über ihren Hang zur echten Zeitung und auch Ruth Candussi verriet, dass sie bisher die Zeitung nur auf Papier lese.

Online-Vorteil

BDN-Geschäftsführer Rasmus Hansen warb für eine digitale Zukunft des Nordschleswigers, was ermögliche, dass viel mehr Menschen Kontakt zu Familie und Heimat bewahren könnten. Der Nordschleswiger könnte viele Tausend Leser zusätzlich bekommen. Karin Sina berichtete, dass ihre 86-jährige Mutter wohl kaum auf ihre Papierzeitung verzichten möchte, fügte aber auch hinzu, dass ihre 17-jährige Tochter den Nordschleswiger auch auf Papier lese, der immer auf dem Küchentisch zu finden sei. Sie versprach, dem Nordschleswiger treu zu bleiben, auch wenn es ihn nur noch digital geben sollte.

Herausforderung Vereinsleben

Der Vorsitzende des Sozialdienstes Nordschleswig, Gösta Toft, sprach von der großen Herausforderung, die mit einem Verschwinden der Papierzeitung verbunden wäre. „Ihr seid die Stelle, wo die Berichte aus den Ortsvereinen kommen“, so Toft.

„Ich bin bekennender digitaler Smartphone-Leser“, berichtete BDN-Generalsekretär Uwe Jessen und sprach die Hoffnung aus, dass die Digitalisierung dem Nordschleswiger mehr Leser beschert. Tobias Klindt von den jungen SPitzen pflichtete bei, dass er kaum Jugendliche kenne, die noch Papierzeitung lesen.

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