SCHULTER- UND NACKENSCHMERZEN

„Handynacken“: Wenn das Smartphone Schmerzen auslöst

shz.de/Julia Gohde
Flensburg
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Foto: Clem Onojeghuo/Unsplash

Wer jeden Tag längere Zeit auf das Handy blickt, belastet seinen Rücken und weitere Teile des Oberkörpers. Wissenswertes um den Handynacken.

Man muss sich nicht lange suchend umsehen, um fündig zu werden: Junge Menschen, die den Kopf nach unten auf ihr Smartphone gerichtet halten. Das Endgerät ist längst zum ständigen Begleiter geworden, dem man den ganzen Tag lang seine Zeit widmet - vom ersten Aufwachen im Bett bis zum Schlafengehen. Diese einseitige Haltung kann schmerzhafte Muskelverspannungen im Kopf-, Nacken- und Schulterbereich auslösen und im extremsten Fall sogar zu Verschleißerscheinungen führen, besonders bei Personen mit einer untrainierten Rückenmuskulatur.

Einen „Handynackens“ zu behandeln, ist für Orthopäden heute keine Seltenheit mehr. Natürlich ist ein gelegentlicher Blick auf das Handy, um E-Mails abzurufen oder Nachrichten zu checken, noch keine Gefahr. Problematisch wird es erst bei stundenlanger Nutzung von Smartphones oder Tablets, etwa wenn man einen längeren Text liest, einen Aufsatz für Schule oder Studium erstellt, oder gar einen Film sieht. Wer regelmäßig und über einen langen Zeitraum mit geneigtem Kopf über Handy und Tablet sitzt, riskiert eine Überlastung der Halswirbelsäule, warnen Experten der Barmer.

Je weiter der Kopf sich Richtung Brustkorb neigt, umso schwerer lastet er. Laut Deutscher Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) wirken anstelle der vier bis sechs Kilogramm Kopfgewicht zusätzlich 13 Kilogramm auf den Rücken, wenn die Halswirbelsäule um etwa 15 Grad nach vorn gebeugt ist. Wer auf sein Handy blickt, neigt seinen Kopf meist in einem 45-Grad-Winkel nach vorn, was einer Kraft von etwa 20 Kilogramm gleicht. Das ist eine große Belastung für den Körper.

So kann man Schmerzen vorbeugen

Für viele ist ein Alltag ohne Smartphone und Tablet-PC undenkbar. Möglichen Folgeschmerzen kann man jedoch vorbeugen, zum Beispiel indem man Sport treibt, um die Rückenmuskulatur zu lockern und zu stärken, empfiehlt die Barmer. Auch moderater Sport wie Schwimmen, Walking, Yoga und Pilates kann bei Problemen mit dem Rücken hilfreich sein. Diese Sportarten sind außerdem besonders schonend für die Gelenke. Schon im Alltag kann die Basis für körperliche Fitness geschaffen werden, indem man das Auto zu Hause lässt und stattdessen mit dem Fahrrad fährt. Wer gern Aufzug fährt, sollte dann und wann lieber Treppe nutzen. Auch Rückengymnastik kann helfen, wenn sie unter medizinischer Anleitung erfolgt.

    Foto: Mailha Mannan/Unsplash

    Bei längerer sitzender Haltung, beispielsweise am Schreibtisch, heißt die Devise: regelmäßige Pausen einlegen und die Muskulatur zwischendurch lockern. Viel zu häufig sitzt man starr vor dem Computer. Sich die Beine zu vertreten und ab und zu aufzustehen, hilft diesen Trott zu durchbrechen.

    Durch die korrekte Körperhaltung am Arbeitsplatz den eigenen Rücken unterstützen:

    • Beide Füße nebeneinander auf den Boden stellen,
    • die Schultern entspannen,
    • möglichst gerade sitzen und nicht nach ein paar Minuten zusammensacken. Dabei gilt: Bewegung ist gut für den Rücken.

    Die Haltung sollte immer mal überprüft werden, weil man als „Gewohnheitstier“ schnell ungewollt in eine ungesunde Haltung zurückfäüllt. Bei längerr Arbeit mit dem Tablet oder Smartphone empfiehtl es sich, die mobilen Geräte höher zu halten und lieber die Augen als den gesamten Kopf zu Jedes Grad weniger, um das der Kopf gesenkt ist, entlastet die Halswirbelsäule.

    Tipp: sich zwischendurch mit einfachen Übungen lockern

    • Den Kopf kreisen oder von links nach rechts und zurück bewegen.
    • Das Ohr zur jeweiligen Schulter senken, bis es auf der Gegenseite „zieht“.
    • Den Kopf lang nach oben strecken und gleichzeitig die Schultern nach unten ziehen.
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