OHNE SCHMINKE UND KAMILLE

Wenn die Augen rot sehen: Wie man bei einer Bindehautentzündung richtig reagiert

shz.de/Malin Lindenberg
Flensburg
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: dpa

Vielen Menschen sind diese Symptome sehr vertraut: Rote, juckende oder brennende Augen sind Anzeichen einer Bindehautentzündung. Und auch wenn diese oft harmlos ist und im Normalfall recht schnell wieder abklingt, sollte sie niemals auf eigene Faust behandelt werden.

Sie sind lästig, nerven und auch wenn sie häufig keine große Schmerzen verursachen, schränken sie den Alltag doch ein: Bindehautentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen am Auge. Um die Entzündungszeit zu verkürzen oder doch zumindest die juckenden Symptome zu lindern, greifen einige Betroffene auf Hausmittel wie Kamille-Teebeutel oder andere Kräuter-Kompressen zurück. Diese Form der Selbstbehandlung sollte aber tunlichst unterlassen werden, erklärt Ludger Wollring, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands.

Klimaanlagen im Auto vom Gesicht wegdrehen

„Kompressen aus Aufgüssen oder Teebeuteln haben auf den Augen nichts zu suchen", stellt Wollring klar. Die Kräuter können nämlich im schlimmsten Fall eine allergische Reaktion auslösen. Gleichzeitig haben Bakterien leichtes Spiel, da sie über die Teebeutel ins Auge gelangen können. Am besten werden die Augen ganz in Ruhe gelassen und die Tränen, bzw. das Tränensekret nur vorsichtig mit einem Taschentuch abgetupft. Eine Bindehautentzündung entsteht übrigens durch eine Anschwellung der Blutgefäße der Bindehaut und wird dann als Konjunktivitis bezeichnet. Ist das gerötete Auge nach zwei Tagen noch immer nicht verschwunden, ist es ratsam, zeitnah einen Augenarzt aufzusuchen.

Handtücher sollten bei einer Entzündung nicht mit anderen geteilt werden

Ein Augenarzt sollte allein deswegen schon aufgesucht werden, da es sich bei den Symptomen nicht immer um eine Bindehautentzündung handeln muss, sondern auch durch Krankheiten entstehen können, die weitaus weniger harmlos sind. So sollten Infektionen der Hornhaut, der Regenbogenhaut oder der Augenmuskeln unbedingt früh erkannt und behandelt werden, da das Auge sonst im schlimmsten Fall dauerhaft Schaden nehmen kann. Stärkere Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und ein Nachlassen der Sehkraft sollten ein Anlass sein, schnellstmöglich einen Facharzt aufzusuchen. Das gilt auch bei fliegenden schwarzen Punkten oder Flusen im Sichtfeld.

Arbeit im staubigen Umfeld nur mit Spezialbrille

In den meisten Fällen handelt es sich allerdings bei geröteten, tränenden und juckenden Augen tatsächlich um eine Bindehautentzündung. Die Ursachen können hier sowohl Viren als auch Bakterien oder Pilze sein. Allerdings kann eine Entzündung auch durch intensives UV-Licht oder eine nicht vollständig korrigierte Fehlsichtigkeit verursacht werden. Diese Beschwerden sollten nach der Absprache mit dem Augenarzt immer nur mit Augentropfen oder -salben behandelt werden. Außerdem sollte das betroffene Auge möglichst nicht mit bloßen Händen berührt werden, da die bakteriell oder viral bedingten Bindehautentzündungen ansteckend sind. Falls man sich im Eifer des Gefechts doch einmal an das Auge fasst, sollten die Hände danach gründlich gewaschen werden.

Zugluft bei gereizten Augen meiden

Wer sich eine Bindehautentzündung zugezogen hat, trägt auch besser keine Kontaktlinsen. „Sie reizen das Auge zusätzlich und verzögern womöglich die Abheilung“, sagt Wollring weiter. Auch Augen-Make-up ist kontraproduktiv - die kosmetischen Mittel reizen Auge und Lid ebenfalls. Wie lange es dauert, bis eine Bindehautentzündung abgeheilt ist, ist unterschiedlich. „Es kann je nach Fall acht Tage bis zwei Wochen, manchmal aber auch sechs Wochen dauern“, erklärt Wollring.

Mehr lesen