Fussball

Ein Wechselbad der Gefühle für Mads Hvilsom

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Hadersleben/Haderslev
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Foto: Scanpix/Anders Kjærbye

Der 25-jährige SønderjyskE-Stürmer atmet nach der Entscheidung des Matchfixingsekretariats erleichtert auf und freut sich darauf, endlich wieder unbeschwert Fußball spielen zu können.

Die schlimmsten Wochen seiner Fußball-Karriere hat Mads Hvilsom durchgemacht. Der 25-jährige SønderjyskE-Stürmer war mit seiner Snapchat-Nachricht plötzlich Mittelpunkt der Matchfixing-Untersuchungen von Danmarks Idræts-Forbund (DIF), und auch am Tag, an dem DIF mitteilte, von einer Anklage abzusehen, ging er durch ein Wechselbad der Gefühle – der Fall könnte ihn eine enge Freundschaft gekostet haben.

„Es ist schwer, seine Gefühle zu beschreiben. Selbstverständlich ist man froh, aber in einer merkwürdigen Weise. Wir haben uns die ganze Zeit unschuldig gefühlt und erwartet, dass es so ausgehen würde“, sagt Mads Hvilsom im Gespräch mit dem Nordschleswiger: „Die Angelegenheit ist jeden Tag in unseren Köpfen gewesen. Wir haben die Schlammschlacht in den Medien verfolgen können, wie alles hochgeschaukelt und von harten Strafen bis zum Zwangsabstieg gesprochen wird. Da wird man schon nervös und bekommt es mit der Angst zu tun, obwohl man weiß, dass man nichts falsch gemacht hat. Das wäre zutiefst ungerecht gewesen, aber es ist nicht mehr in unseren Händen. Zum Glück ist DIF aber zu dem Schluss gekommen, dass wirklich nichts gewesen ist, bis auf einige Kleinigkeiten, die hochgeschaukelt worden sind.“

Eine Nachricht von Mads Hvilsom im sozialen Medium Snapchat an seinen ehemaligen Mannschaftskollegen von Hobro, Jesper Bøge, gehörte dazu.

„Schön, eingewechselt zu werden und zu wissen zu bekommen, dass man kein Tor machen darf, obwohl wir in Rückstand geraten waren. Aber alle andere Mannschaften hätten es auch so gemacht wie wir“, soll Hvilsom an Bøge geschrieben haben. Diese Nachricht landete über den Vorstandsvorsitzenden von Hobro beim DIF-Matchfixingsekretariat.

Foto: Scanpix/Anders Kjærbye

„Ich kann durchaus verstehen, dass die Nachricht missverstanden werden kann, aber weder Claus (Nørgaard, d. Red.) noch Haysen haben mir gesagt, dass ich kein Tor machen darf. Die Nachricht war ein Ausdruck für den Frust, den ich in den Schlusssekunden des Spiels hatte, wo ein Mannschaftskamerad, ich weiß nicht mehr wer, auf den Ball getreten ist und mich nicht in die Tiefe geschickt hat, weil er lieber die Ruhe bewahren und nicht kopflos nach vorne stürzen wollte. Wir wussten, dass das Rennen gelaufen war, als wir eine Minute vor Schluss in Rückstand geraten sind. Die Nachricht war eine Dummheit von mir. Ich habe sie blöd formuliert, aber ich dachte eigentlich, dass es eine private Nachricht an einen guten Freund war“, erklärt Mads Hvilsom, der seitdem mit Jesper Bøge kein einziges Wort gewechselt hat: „Er hat ausgesagt, dass er sich als Geisel fühlt, aber ich finde es merkwürdig, dass man sich dazu entscheidet, eine private Nachricht mit einem Screenshot zu verewigen und weiterzugeben. Ich empfinde das als direkten Angriff auf mich und den Klub, und das hat mich am meisten enttäuscht. Ich hatte einen Freund, dem ich tausendprozentig vertraut habe. Wir kennen uns, seit wir 14 oder 15 waren, haben uns jeden Tag geschrieben, waren mehrmals in der Woche zusammen, bei mir oder bei ihm. Selbstverständlich hat dies Bedeutung für unsere Freundschaft. Ich weiß nicht, ob dies noch repariert werden kann. Wir werden irgendwann ein Gespräch führen, aber ich finde, er könnte mit einem Anruf den ersten Schritt machen. In solchen Situationen entschuldigt man sich oder versteckt sich. Er hat sich dazu entschieden, sich zu verstecken.“

Es gibt aber ein baldiges Wiedersehen, denn am 6. Mai in Hadersleben und am 13. Mai in Hobro gibt es im Europa-Playoff ein brisantes Wiedersehen auf dem Platz.

„Ich hoffe, dass wir die Wut, die wir im Bauch haben, umsetzen und das Niveau wiederfinden können, das in uns versteckt ist. Es waren zuletzt ein paar schwache Leistungen dabei, aber ich finde eigentlich, dass wir gut durchgekommen sind und auch eine Trotzreaktion gezeigt haben“, sagt der SønderjyskE-Stürmer und weist auf den gesicherten Klassenerhalt hin.

Die Umkleidekabine ist in den knapp sechs Wochen intakt geblieben.

„In keiner Weise hat es Unruhe oder Zwietracht in der Umkleidekabine gegeben. Der Kader ist sogar enger zusammengerückt. Ich habe mich unglücklich bemerkbar gemacht und die Jungs in eine Sache reingezogen, habe aber große Unterstützung gespürt“, sagt Mads Hvilsom und freut sich darauf, endlich wieder unbeschwert Fußball spielen zu können.

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