Außenpolitik

Kritik an Løkke nach Auftritt in chinesischem Staats-TV

cvt
Kopenhagen
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Auftritt Lars Løkke Rasmussens in einem Video der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Foto: Bildschirmfoto

Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen hat Chinas Bürgern ein frohes neues Jahr gewünscht – produziert wurde die Aufnahme vom chinesischen Staatsfernsehen. Journalisten kritisieren den Auftritt als schädlich für die Pressefreiheit, berichtet DR.

„Ich freue mich, dem chinesischen Volk ein frohes Jahr des Hundes zu wünschen“, sagt Dänemarks Regierungschef, Staatsminister Lars Løkke Rasmussen (Venstre), in einem Video, das im dänischen Staatsministerium aufgenommen wurde. Produziert wurde der Film von der staatlich kontrollierten chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, ausgestrahlt wurde er in kürzerer Form im Staats-TV CCTV und anschließend in mehreren chinesischen Medien zitiert, berichtet Danmarks Radio am Sonnabend.

Journalisten kritisieren Løkke nun für diesen Umgang mit den staatlichen chinesischen Medien. Der Leiter des Asien-Büros der Organisation für Pressefreiheit „Reporter ohne Grenzen“, Cedric Alviani, sagte Danmarks Radio, Xinhua sei direkt von den chinesischen Behörden gesteuert. Als demokratisch gewählter Politiker solle man sich davor hüten, solche Medien zur Verbreitung der eigenen Botschaft zu nutzen. Alviani kritisiere nicht, dass ein Regierungschef staatsgesteuerten Medien ein Interview gibt – sondern dass er es den chinesischen Medien überlassen hat, die eigene Botschaft weiterzutragen. Dies trage dazu bei, CCTV und Xinhua zu legitimieren, obwohl sie, wegen ihrer Abhängigkeit von der politischen Macht keine journalistischen Medien seien – sondern „Propaganda-Organisationen“.

Das umstrittene Video:

Die chinesische Führung verlangt von den Medien in China absolute Loyalität und bringt dies auch öffentlich zum Ausdruck – unter anderem durch Aussagen in CCTV und Xinhua. Auch der Chefredakteur von Hong Free Press in Hongkong, Tom Grundy, kritisiert laut DR Løkkes Entscheidung. Es wäre anständiger gewesen, die Botschaft selbst zu verbreiten, anstatt „in diesem System mitzuspielen“.

In China sitzen zahlreiche Journalisten und Blogger in Haft, zwei prominente Vorkämpfer der Informationsfreiheit starben laut „Reporter ohne Grenzen“ vergangenes Jahr in ihren Zellen. Das Staatsministerium wollte die Kritik laut DR bisher nicht kommentieren.

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