Begleitet von Greepeace-Protesten

Schwimmendes russisches Atomkraftwerk nähert sich Dänemark

Götz Bonsen mit dpa
Flensburg
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Die Akademik Lomonossow, hier vom schwedischen Kåseberga aus gesehen. Foto: Johan Nilsson/TT/Ritzau Scanpix

Am Freitagmorgen ist der Konvoi des umstrittenen russischen AKW ganz nahe an der Küste Falsters und Lolland. Danach geht es vorbei an Langeland durch den Großen Belt.

Ende April hat Russland hat ein umstrittenes schwimmendes Atomkraftwerk für die Energieversorgung auf Außenposten in der Arktis in St. Peterburg vom Stapel gelassen. Jetzt durchfährt es die Ostsee auf dem Weg in den russischen Marinehafen Murmansk, wo es am 22. Mai erwartet wird. Das 144 Meter lange, 30 Meter breite und 21.500 Tonnen schwere Schiff passierte am Donnerstagnachmittag mit knapp sechs Knoten Geschwindigkeit die Küste von Bornholm und hält Kurs auf den Fehmarnbelt, um unter der Große-Belt-Brücke hindurch über Skagen den Weg ins Nordmeer zu finden.
In Dänemark geht man davon aus, dass sich die Russen an die vereinbarte Route halten und den Öresund meiden. Bei guter Witterung könnte es möglich sein, den mit neun km/h schleichenden Konvoi von verschiedenen Landplätzen zu beobachten. So könnte des Schiff am Freitagmorgen nach Sonnenaufgang in etwas Entfernung von Puttgarden aus zu sehen sein, gegen neun Uhr bietet sich an der Südspitze im Süden von Langeland die Möglichkeit einer Sichtung. Am Freitagnachmittag bietet sich die beste Chance von der Großen Beltbrücke aus.
Die Route durch dänische Gewässer. Foto: Google

Begleitet von Protesten

Die „Akademik Lomonossow“, deren Kraftwerk 70 Megawatt liefern soll, wird spöttisch auch „Schwimmende Tschernobyl“ genannt. Sie hat für Russland strategische Bedeutung. Ab Sommer 2019 soll das Schiff von Murmansk aus in das Arktische Meer fahren und dort russische Außenposten mit Strom und Wärme versorgen sowie Meerwasser entsalzen. Das Kraftwerk kann rund 200.000 Menschen mit Strom versorgen. Zielhafen ist Pewek in Sibirien. Laut russischen Berichten ist das AKW an Bord des weltgrößten schwimmenden Akw noch nicht in Funktion gesetzt worden.

Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace reagierten am Donnerstag mit Protesten gegen den Atommeile. „Stoppt schwimmendes Tschernobyl – schützt die Arktis“ stand den Angaben zufolge auf einem Banner am Greenpeace-Schiff „Beluga 2“, das die Fahrt des Schleppverbandes durch die Ostsee begleitet. Greenpeace beklagt mangelnde Sicherheitsvorkehrungen. „Auf einem kaum geschützten Ponton wird die Risikotechnologie Atom noch riskanter“, warnte der Atomexperte der Organisation, Heinz Smital.

Die zwei Reaktoren an Bord der „Akademik Lomonosov“, die keinen eigenen Antrieb hat, sollen Greenpeace zufolge künftig Strom bei der Erschließung und Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen in der Arktis liefern. An Bord soll sich auch ein Zwischenlager für Brennelemente befinden, die dort bis zu zwölf Jahre gelagert werden könnten. „Das schraubt die Gefahr eines Atomunfalls auf ein unbekanntes Niveau“, sagte Smital. „Selbst Atom-U-Boote kommen zum Brennstoffwechsel in die Werft.“ Die Umweltschützer sehen im Stapellauf der „Akademik Lomonosov“ das Startsignal für eine weltweit neue Art der Nutzung von Atomenergie.

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