Politik

Russischer Fernsehsender strahlt manipulierten Dänemark-Beitrag aus

hm
Kopenhagen/Bornholm
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Der russische Präsident Wladimir Putin. Foto: DPA

Mehrere Interviewte sprechen von Verzerrung ihrer Aussagen: Ein russisches Fernsehteam drehte in Dänemark und die Mitwirkenden wundern sich nun über das, was sie gesagt haben sollen.

Mehrere Mitwirkende fühlen sich in einem Fernsehbeitrag des russischen Senders NTV über Dänemark vollkommen verzerrt wiedergegeben. Das berichtet der dänische Sender Radio24syv. Den Beitrag strahlte der staatlich kontrollierte russische Fernsehsender NTV kürzlich aus. Darin geht es um die Furcht der Dänen vor Russland und um einen neuen Radiomast, der vom Nachrichtendienst der dänischen Streitkräfte kürzlich auf Bornholm errichtet wurde.

„Lügengeschichte"

Die ehemaligen Minister Nick Hækkerup (Soz.) und Mogens Lykketoft (Soz.) sehen sich von russischer Propaganda missbraucht, nachdem sie ihren Auftritt im Fernsehbeitrag gesehen haben – mit einer dänischen Übersetzung versehen. Der ehemalige Außenminister Lykketoft sprach in Radio24syv von einer „großen Manipulation” und einer „Lügengeschichte”. Voraussetzung für das Mitwirken sei ein wahrheitsgemäßes Zitieren gewesen – was nicht geschehen sei, so Lykketoft. „Das russische Fernsehpublikum darf offenbar nicht erfahren, warum wir vor Putins aggressiver und nicht vorhersehbarer Politik Angst haben.”

„Da kommt in mir ein Gefühl von fake news auf”

Auch Nick Hækkerup, ehemaliger Verteidigungsminister, wird gegenüber dem Radiosender deutlich: „Meine Aussagen, im Beitrag auf Russisch, stimmen überhaupt nicht mit dem überein, was ich gesagt habe. Da kommt in mir ein Gefühl von fake news, von bewusstem Missbrauch auf.”

Dieses Gefühl haben auch einige Bornholmer, die vom russischen Sender interviewt wurden. Im Beitrag sind ihre dänischen Stimmen entfernt und durch russische ersetzt. Diese Stimmen sagen Dinge, die die Interviewten abstreiten, gesagt zu haben. Nur einer fühlt sich „einigermaßen” korrekt wiedergegeben. Auch Gegenstände erhalten 24syv zufolge eine neue Funktion: Eine Wetterstation wird im Film zur Überwachungskamera.

Verteidigungsminister Claus Hjort Frederiksen (Venstre) zeigt sich im Sender 24syv nicht überrascht. „Wir schmunzeln vielleicht über einen solchen Fernsehbeitrag, aber andere glauben, dass ein richtiges Bild von Dänemark wiedergegeben wird. Es sind Kampagnen, die bewusst unsere Gesellschaft und unser Vertrauen in unsere Systeme untergraben wollen."

Der Beitrag mit dänischer Übersetzung ist auf www.radio24syv.dk/zu sehen.

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