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„Nordea-Chefin von Hitler inspiriert“ – Dänin macht Schlagzeilen in nordischen Medien

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Kopenhagen/Stockholm
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Karen Tobiasen
Karen Tobiasen Foto: Nordea

Ein Interview mit der dänischen Personalchefin der nordischen Großbank Nordea sorgt in den nordischen Ländern für Aufhorchen. In Dänemark gibt es hingegen kaum Medienecho auf die Aussagen, in denen sie die Macht als Chefin mit der Macht Hitlers vergleicht.

Hitlervergleiche sind immer der Todesstoß einer differenzierten Debatte. Medien und Nordea-Mitarbeiter in Schweden, Norwegen und Finnland rätseln nun, ob die Personalchefin der nordischen Großbank Nordea, Karen Tobiasen, von dieser Binsenweisheit noch nichts gehört hat, ob sie in einem Interview mit der dänischen Wirtschaftszeitung Børsen vergangene Woche bewusst provozieren wollte – oder ob sie einfach naiv war, als sie als einen von drei Menschen, die sie inspiriert haben, Adolf Hitler nannte. Wenngleich als negatives Beispiel.

Während die Aussage in Dänemark unter „ferner liefen“ abgehandelt wurde, machte die Dänin in Schweden mit ihrer Aussage Schlagzeilen. „Nordea-Chefin von Hitler inspiriert“, titelte etwa die liberale Dagens Nyheter aus Stockholm. Das Blatt ordnet die Aussage allerdings auch ein, indem es Nordea-Pressesprecher Claes Eliasson erklären lässt, wie es zu der Aussage gekommen war.

„Karen wurde gebeten, zu nennen, was sie von drei Führungspersönlichkeiten gelernt hat. Die beiden guten Beispiele, die sie auswählte, waren ihre größten Inspirationen im Leben, Viktor Frankl und Gandhi. Den dritten, Hitler, nahm sie mit, um zu zeigen, welche furchtbaren Konsequenzen schlechte Führung haben kann“, schreibt der Pressesprecher in einem Kommentar. Es sei die Absicht der Personalchefin gewesen, aufzuzeigen, welch große Verantwortung man als Führungspersönlichkeit habe.

„Das ist dermaßen daneben, dass man nur staunen kann“

Wörtlich hatte Tobiasen, die für große Umstrukturierungen und 6.000 Entlassungen bei Nordea zuständig ist, gesagt: „Für mich ist Hitler ein angsteinflößendes Beispiel dafür, dass man ein Volk dazu führen kann, vollständig wahnsinnige Dinge zu tun. Wenn man eine Führungsperson ist, hat man eine große Verantwortung. Es ist kein weiter Weg von der schlechtesten zu der besten Version deiner selbst. Es ist kein weiter Weg von Fürsorge zu Grausamkeit.“

In der konservativen Stockholmer Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ wird ein Nordea Mitarbeiter zitiert: „Das ist unfassbar inakzeptabel. Sie sollte sich schämen.“ Ein nicht namentlich genannter Nordea-Chef wird so zitiert: „Es ist eine völlig falsche Herangehensweise, sich in diesem Zusammenhang überhaupt mit Hitlers Führungseigenschaften zu beschäftigen. Das ist dermaßen daneben, dass man nur staunen kann.“

In Dänemarks Medien hat unterdessen der Umstand, dass sich in den anderen nordischen Ländern an den Aussagen Tobiasens gestört wird, für Aufsehen gesorgt.

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