Badesaison

Die blaue Flagge weht dieses Jahr an weniger Stränden

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Kopenhagen
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Foto: FEE International

An 240 dänischen Stränden und Marinas weht dieses Jahr die blaue Flagge, die unter anderem auf gute Wasserqualität hinweist. Eine Kommune in Nordschleswig zählt zu den Klassenbesten. Doch weniger Strände als vergangenes Jahr wurden ausgezeichnet – und das liegt nicht unbedingt daran, dass sie die Kriterien nicht erfüllen.

Der Mai war bisher ein sonnenreicher Monat. Die Wassertemperaturen steigen und laden schon bald zum Baden. 215 Strände und 25 Marinas zeigen dieses Jahr mit einer blauen Flagge an, dass es sich hier in sauberem Wasser sicher baden lässt. 16 weniger als noch 2017.

Kein Grund zur Sorge, sagt Jan Ejlsted zu Danmarks Radio. Er ist der Direktor des Freiluftrates, der die blauen Flaggen vergibt. „Jedes Jahr gibt es Strände, die nicht mitkommen“, sagt er. „Und darüber sollten wir als Verbraucher uns freuen, denn das bedeutet, dass aufgepasst wird und dass wir damit rechnen können, dass, wenn die blaue Flagge gehisst ist, alles in Ordnung ist“, so Ejlsted.

Apenrade hat gleich elf blaue Flaggen

An einem Strand, an dem die blaue Flagge weht, wurden bestimmte Voraussetzungen zum Beispiel zur Wasserqualität und zur Lebensrettungs- und Erste-Hilfe-Ausrüstung erfüllt. Meistens, sagt Ejlsted, hapere es an der Wasserqualität. „Es ist ein strenges System, wo wenige Messungen mit zu hohen Werten zum Beispiel an Kolibakterien dafür sorgen, dass man ausscheidet“, sagt er zu DR.

Frederikshavn führt die Liste der meisten blauen Flaggen mit 13 an, gefolgt von den Kommunen Lolland und Apenrade, wo je elf dieser Flaggen wehen werden. Noch sind sie nämlich nicht gehisst – das geschieht für gewöhnlich in der ersten Juniwoche, dem offiziellen Beginn der Badesaison.

Die Kriterien werden von einem internationalen Komitee festgelegt und kontrolliert – in Dänemark verwaltet vom Freiluftsrat. In Kopenhagen befindet sich auch das weltweite Zentralbüro von „Blue Flag“, dem sich 45 Staaten, darunter unter anderen Japan, Kanada und Südafrika angeschlossen haben.

Odsherred will eigene Flaggen haben – Nordjütland Hunde am Strand

Doch einigen Kommunen passen die Auflagen – und die Kosten – für die blauen Flaggen nicht. Sie verzichten deshalb ganz darauf, überhaupt teilzunehmen. Zum Beispiel die Kommune Odsherred, in der man kommendes Jahr nicht mehr mitmachen will.

„Die blaue Flagge ist ja ein EU-Projekt und viele der Anforderungen sind merkwürdig bezogen auf Strände in Nordeuropa. Zum Beispiel müssen wir jedes Jahr belegen, was wir für Meeresschildkröten tun, und das, finden wir, ist Zeitverschwendung“, sagt Hans-Jørgen Olsen, seit 30 Jahren Tourismusdirektor von VisitOdsherred, zu TV Øst. Dabei irrt er – die blaue Flagge ist zwar eine europäische Initiative, jedoch nicht in EU-Regie, sondern in Regie der internationalen Nichtregerungsorganisation Stiftung Umwelterziehung (FEE) – mit Sitz in Kopenhagen.

Die Kommune will jetzt, angeführt vom Umweltausschussvorsitzenden Paw Pedersen von der nationalkonservativen Dänischen Volkspartei (DF), ihre eigenen Strände selbst überprüfen und bewerten und auch ihre eigenen Flaggen entwerfen, die dann am 10. Juni gehisst werden sollen.

In Nordjütland sind gleich mehrere Kommunen aus ganz anderen Gründen nicht mehr bei der blauen Flagge dabei: Sie kritisieren das 2014 eingeführte Verbot von Hunden an Stränden. Denn vor allem die Urlauber aus Norwegen und Deutschland wollen gerne mit Hund ans Wasser gehen können, sagen sie.

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