Plage in Flensburg

Die Ratten rücken näher

shz.de/Gunnar Dommasch
Flensburg
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Foto: shz/ Bernd von Jutrczenka

Das Technischen Betriebszentrums registriert in Teilbereichen der Stadt ein vermehrtes Aufkommen. Ein SSW-Ratsmitglied fordert eine Rattenbekämpfungs–Woche.

Wie gut, dass es klar geregelte Zuständigkeiten gibt. Die sind auch in Zeiten drohender Rattenplagen äußerst nützlich. In Flensburg teilen sich die ungeliebten Nager in zwei Fraktionen auf: Während die Wanderratten von der Stadt Flensburg „betreut“ werden, sind die Kanalratten unter der Observation des Technischen Betriebszentrums. An der Hafenspitze, in der Nähe des Bahndamms und im Stadtpark gebe es ein verstärktes Aufkommen der ungeliebten Tiere, berichtet TBZ-Sprecher Geoffrey Warlies.

Für die virulenten Bereiche sei eine Spezialfirma beauftragt worden. Den Ratten droht der Tod in zweifacher Hinsicht. Gelegentlich wird noch mit Giftködern operiert, die den Opfern durch inneres Verbluten ein qualvolles Ende bescheren. Damit die Gerinnungshemmer nicht die falschen Adressaten – etwa Kleinkinder oder Haustiere – finden, dürfen nur noch professionelle Schädlingsbekämpfer mit dem Gift hantieren. Im Stadtpark, sagt Warlies, seien im Bereich des Teiches Hochsicherheitsboxen als Lebendfallen aufgestellt worden. Im Kanalnetz kommen dagegen Schlagfallen zum Einsatz.

Unlängst forderte der SSW-Ratsherr Bohk eine stadtweite systematische Ratten-Bekämpfungswoche, wie sie früher schon üblich war. Den Politiker hätten, so berichtete er dem TBZ-Verwaltungsrat, aus vielen Quartieren Meldungen von Rattenbefall erreicht; speziell war die Rede von der Rude, Weiche und dem Hafenumfeld. „Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, bis die Ratten zu einem massiven Problem werden“, sagte Bohk.

sh:z-Leser benennen in Umfrage Schwerpunkte

Eine kleine Umfrage unter Tageblatt-Lesern machte deutlich, dass es Sichtungen von Ratten quer durch alle Stadtteile gibt. Angeführt vom der Steinmole am Hafen, Höhe Fischereiverein, und am Museumshafen über den Norden mit Bau’r Landstraße („auf dem Petri-Spielplatz“), den Sandberg, die Parkplätze Holmpassage, Kieler Anlagen, Deutsches Haus, Heinz-Krey-Hof und Fördepark sowie an der Thomas-Mann-Straße (Mülltonnen am Ochsenmarkt)bis hin zum Ententeich in Friedheim bei der Grundschule („Die kommen in aller Ruhe raus und holen sich das Brot, das Spaziergänger den Enten zuwerfen“). Und im Stadtpark, schreibt Alexandra Marquardsen, „laufen sie mir fast täglich direkt vor die Füße“. Yvi Dumke-Muçaj erzählt, er habe nach einem Hinweis über eine Sichtung nahe eines Kindergartens an das Ordnungsamt lediglich zu hören bekommen: „Wir sind eine Hafenstadt.“

Das kann Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf bestätigen. „Und in einer Hafenstadt sind Ratten durchaus üblich.“ Er lässt Zahlen sprechen. Demnach ist die Anzahl der gemeldeten Sichtungen nahezu konstant. 2015 und 2016 gab es knapp 50 Meldungen, 2017 etwas weniger, in diesem Jahr gab es sieben aktenkundige Begegnungen von Mensch und Ratte. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. „Doch von einer Rattenplage“, so Teschendorf, „sind wir weit entfernt.“ Er appellierte an Mieter und Hauseigentümer, nicht selbst tätig zu werden, sondern umgehend das Ordnungsamt einzuschalten.

SSW-Mann Philipp Bohk war mit seinem seinem Ansinnen beim Verwaltungsrat des TBZ übrigens an der falschen Adresse. „Damit sollte er im Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung vorstellig werden“, meinte Warlies. Die nächste Sitzung ist für Mittwoch, 28. März, um 16 Uhr terminiert.

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