Kommentar

Politisches Trauerspiel

Apenrade/Aabenraa Der kommunale Finanzausgleich wurde auf Eis gelegt. Sozialdemokraten, die Dänische Volkspartei und die Regierung schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter dafür zu. Es sei ein politisches Trauerspiel, dass jetzt für weitere Jahre mit einem fehlerhaften  und ungerechten Verteilungssystem weitergefahren werden müsse. Dabei gehe es um Milliarden Kronen, die jährlich in den falschen Kassen landen beziehungsweise bleiben, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Diese Woche in Kopenhagen

Bomben für den Frieden

Kopenhagen Die militärische Reaktion aus Washington, London, Paris könnte dazu verleiten, zu meinen: Assad, Du kannst deine Bevölkerung knechten und töten so viel du willst, aber setze dabei ja kein Giftgas ein. Dann werden wir reagieren. Wie wäre es doch befreiend, einen dänischen Außenminister zu erleben, der sich über solche Fragen öffentlich Gedanken macht. Oder eine Bundeskanzlerin und einen Staatsminister nachdenklich darüber reden zu hören, wie in der EU eine Diskussion über die Nahost-Politik angestoßen werden könnte. Doch das wäre wohl nur politisch naiv gedacht, meint der Leiter des Kopenhagener Sekretariats der deutschen Minderheit in Dänemark, Jan Diedrichsen.

Loránt Vincze und Mette Bock

Leitartikel

Gelungener Kraftakt

Apenrade/Aabenraa Wer weiß, meint Chefredakteur Gwyn Nissen, vielleicht sind wir im deutsch-dänischen Grenzland auch irgendwann auf das angewiesen, was dank der Minority SafePack-Initiative jetzt erreicht werden kann: Die Anerkennung der Minderheitenrechte auf EU-Ebene. Der Erfolg der Unterschriftensammlung in Dänemark sei wichtig gewesen, weil die deutsche Minderheit so Solidarität mit Minderheiten in Europa gezeigt und sich innenpolitisch den Rücken gestärkt habe.

Leitartikel

Mehr nationale Agrarpolitik

Apenrade/Aabenraa Mit dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan war ein sympathischer Vertreter der in immer mehr EU-Mitgliedsstaaten als abgehobene Eurokraten gescholtenen Brüsseler Chefetage in Nordschleswig zu Gast. Er verstand es nicht nur, die neuen Trends der EU-Agrarförderung darzustellen, die Bürokratie abzubauen, verstärkt Klima- und Umweltschutz zu fördern, aber auch den in vielen Ländern unter wirtschaftlicher Not leidenden Erwerbszweig als volkswirtschaftlich bedeutende Branche und Fundament der ländlichen Räume zu erhalten, meint Volker Heesch.

Leitartikel

Böser Zaun, guter Zaun

Apenrade/Aabenraa Ein 70 Kilometer langer Zaun an der deutsch-dänischen Grenze, um Wildschweine abzuhalten: Die einen jubeln und freuen sich, andere halten die Idee hingegen für wenig durchdacht und nicht durchführbar. Einen Zaun abzulehnen, nur weil es ein Zaun ist und der Zaun als solcher für Trennendes und Abgrenzendes steht und sich Rechtsnationale vorfreudig die Hände reiben, kann kein Grund sein, gegen einen Zaun zu sein, wenn er die dänischen Schweinebauern vor einer Katastrophe bewahrt, meint Sara Wasmund.

Leitartikel

Eine Brücke bindet die Region zusammen

Apenrade/Aabenraa Die Alsen-Fünen-Brücke würde 75 Kilometer zwischen Odense und Sonderburg bzw. 50 Minuten von der Fahrzeit abschneiden und außerdem für Entlastung auf der arg belasteten A20 über Fünen sowie auf der nordschleswigschen Autobahn sorgen. Neben den Vorteilen im Verkehr würden sich vor allem auf dem Arbeitsmarkt auf einen Schlag ganz neue Perspektiven für Unternehmer und Arbeitgeber auf Fünen und in Nordschleswig öffnen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Leitartikel

Die und wir

Apenrade/Aabenraa Der herablassende Frederiksen-Kommentar an Hanna Mohammed Hassan ist als bedauernswertes Signal an alle zu betrachten, die für wirkliche Meinungsfreiheit, nämlich den Respekt vor der Meinungsvielfalt, eintreten. Das Gefühl, sich in Dänemark lieber öffentlich zurückzuhalten, aus Angst, auf seine Herkunft reduziert, für nicht dänisch genug befunden, kurz, diskriminiert zu werden, ist in der deutschen Minderheit kein unbekanntes Gefühl, meint Cornelius von Tiedemann.

Leitartikel

Transparentes Dänemark

Apenrade/Aabenraa Die Tibetkommission konnte ihre Arbeit nicht vollständig machen, weil E-Mail-Konten von vier höheren Beamten gelöscht wurden. Was bleibt, ist der Verdacht, dass die Dinge bei der Polizei anders gelaufen sind, als  aus dem 300-seitigen  Sonderbericht hervorgeht. Die Politik muss jetzt nachbessern, sonst besteht die Gefahr eines Staates im Staat, und was wir brauchen ist ein transparentes Dänemark, denn das ist schließlich die Grundlage unserer Vertrauensgesellschaft, meint Gwyn Nissen.

Leitartikel

Kein Weltuntergang

Apenrade/Aabenraa Eine Reihe von Behörden, die dem ganzen Land dienen und nicht geographisch an die Hauptstadt gebunden sind, wurden in den vergangenen Jahren ausgewählt und müssen nun in die Provinz ziehen. Natürlich sind die betroffenen Mitarbeiter unzufrieden. Doch es ist kein Weltuntergang, sondern eine sinnhafte Maßnahme in den Bestrebungen, in Dänemark für eine balancierte Entwicklung zwischen Hauptstadt und Provinz zu sorgen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Leitartikel

Perspektivlose Politik

Apenrade/Aabenraa Im vermeintlichen Fahrradland Dänemark hat der Anteil des Autoverkehrs in den vergangenen Jahren zugenommen. Während aus dem Regierungslager Transportminister Ole Birk Olesen (LA) zum Schluss kommt, die Bürger bestimmten eben selbst, welche Verkehrsmittel sie nutzen wollten, erinnert die Opposition daran, dass seit 2009 durchweg der Autoverkehr einseitig finanziell entlastet worden ist. Doch es dürfte nach wie vor klar sein, dass Herausforderungen des Klimaschutzes auch in Dänemark eine „Verkehrswende “ erforderlich machen, meint Volker Heesch.

Leitartikel

Vom Tiger zum Bettvorleger

Apenrade/Aabenraa Lange haben Løkke und co. in Dänemark Stimmung gegen die Menschenrechte gemacht. Gar von einer„Abrechnung“ war die Rede, sobald Dänemark den Vorsitz im Europarat habe. Doch nun, wo es soweit ist, ist die Rhetorik deutlich milder geworden. Es sei zu vermuten, dass Venstre, Sozialdemokraten, Konservative und andere Parteien der Mitte ihr Heil nur darin sehen, nach innen mit nationalistischem Getöse beim Wähler zu punkten. Schade, dass sich der Staatsminister nicht getraut hat, ein vernünftiges Reformpapier, das nun entstanden ist, auch anständig zu kommunizieren, meint Cornelius von Tiedemann.

Leitartikel

Von historisch groß zu hysterisch klein

Apenrade/Aabenraa Die Steuererleichterungen für Spitzenverdiener sind vom Tisch – nicht so sehr weil die Liberale Allianz es so wollte, sondern weil die Dänische Volkspartei (DF) der Regierung nur einen ganz kleinen Spalt zu den Verhandlungen öffnete und eine minimale Absprache ermöglichte. DF mag die Liberale Allianz daran gehindert haben, Spitzenverdiener zu bedienen, hat es aber selbst versäumt, die eigenen Wähler und Geringverdiener zu versorgen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Leitartikel

Die armen Kopenhagener

Apenrade/Aabenraa Ja, sagt Chefredakteur Gwyn Nissen, ein neuer und fairer Finanzausgleich innerhalb Dänemarks muss her. Doch der dürfe nicht zu Lasten der Kommunen zum Beispiel in Nordschleswig gehen. Im Gegenteil. Denn hier, wo nicht von der Nachbarschaft zu Kopenhagen profitiert wird, seien jahrelang wegen Fehlern im System Gelder nicht geflossen, die eigentlich hätten fließen müssen – von den Steuereinnahmen der Grenzland-Pendler, die auf das ganze Land verteilt werden, ganz zu schweigen.

Leitartikel

Jetzt wird es persönlich – und vor allem ernst

Apenrade/Aabenraa Die Rechte der Minderheiten Europas sind in der EU bisher nicht verankert – sondern gelten als Ländersache. Doch kaum einer Minderheit geht es so gut wie den Deutschen in Nordschleswig. Deshalb fordert Nordschleswiger-Chefredakteur Gwyn Nissen alle Leser auf, die „Minority SafePack Initiative“ zu unterstützen. „Es ist eine riesige Aufgabe, die nur ein Erfolg wird, wenn jeder von uns ein Stück Verantwortung übernimmt“, sagt er.

Leitartikel

Zweisprachige Politik

Apenrade/Aabenraa Die Schleswigsche Partei setzt bei Plakaten, Wahlsprüchen und Leserbriefen verstärkt auf die dänische Sprache und den nordschleswigschen Dialekt. Aber sie darf auch ihre Wurzeln, die Wähler der Minderheit, nicht vergessen. Anzeigen im Nordschleswiger oder eine W!R-Beilage allein reichen nicht aus. Es muss auch ein Gefühl rüberkommen, dass  die Kandidaten für „mich“ da sind, dass auch jeder in der Minderheit sich angesprochen fühlt. Ein mühsames, aber notwendiges politisches Handwerk, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Leitartikel

Von Apenrade bis Katalonien

Apenrade/Aabenraa In der Folketings-Debatte war aus dem Munde von Lars Løkke, der fast eine Kommunalwahlkampf-Rede hielt, auch der Name Apenrade zukunftsträchtig zu hören, doch viel mehr wurde ein ganz anderer Ort, eine Region fernab von Dänemark diskutiert: Katalonien. Allerdings, der Staatsminister pochte auf das souveräne Recht der Nicht-Einmischung von außen und war auch nicht bereit, das spanische Vorgehen in Katalonien zu kritisieren. Wissend, dass Pandoras Büchse auch im Nordatlantik unterwegs ist, meint Siegfried Matlok.

Leitartikel

(Vor-)Geschichte zum 1:1

Apenrade/Aabenraa Im Juni 1992 stimmten die dänischen Spieler überglücklich – aber wohl auch unter etwas Alkoholeinfluss stehend das Schlachtlied an: „Deutschland, Deutschland – alles ist vorbei.“ 25 Jahre nach dem Triumph in Göteborg hat sich auch im deutsch-dänischen Verhältnis so vieles entscheidend verändert – und erfreulicherweise nicht nur auf dem Rasen, wo der Fußball-Weltmeister in Brøndby trotz einer B-Elf herzlich empfangen wurde, meint Siegfried Matlok.